Leitlinen zur HIV-Therapie bei Schwangeren und Neugeboren
Die neuen Deutsch-Österreichische Empfehlungen zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen sind verabschiedet. Die wichtigste Neuerung ist die Möglichkeit der vaginalen Geburt, wenn die Viruslast kurz vor der Geburt unter der Nachweisgrenze liegt und keine geburtshilflichen Risiken bestehen. Neues gibt es ferner zum Management von Schwangeren mit HIV/Hepatitis-Koinfektion.
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Quelle: Bernd Buchholz, Mannheim
Die aktuellen Leitlinien zum Management von HIV-infizierten Schwangeren empfehlen:
- Risikoadaptierte antiretrovirale Therapie (HAART) der Schwangeren:
- Bei komplikationsloser Schwangerschaft und nicht therapiebedürftiger HIV1-Infektion der Schwangeren ab der abgeschlossenen 32. SSW je nach Viruslast Zidovudin-Prophylaxe oder antiretrovirale Mehrfachtherapie(HAART)
- Bei Therapiebedürftigkeit sofortiger Therapiebeginn der ART oder alternativ Beginn ab der 14.SSW nach der Organogenese des Kindes
- Bei Schwangerschaft unter laufender antiretroviraler Therapie evtl. Therapiepause bis zur 14.SSW wegen der Organogenese und evtl. Therapiemodifizierung wegen Embryotoxizität einzelner Medikamente
- i.v. Therapie der Schwangeren mit Zidovudin ab 3h vor Sectio und während der Geburt
- Primäre Sectio am wehenlosen Uterus in der 37.-38. SSW (evtl. vaginale Geburt bei HI-Viruslast unter Nachweisgrenze kurz vor Geburt und keinen geburtshilflichen Risiken)
- Adäquate Kreißsaalversorgung
Management HIV-positiver Schwangerer mit Hepatitis B Koinfektion
In Anlehnung an die Empfehlungen zur HIV-Therapie nichtschwangerer Erwachsener wird auch für HIV-positive Schwangere mit Hepatitis B Koinfektion ein antiretrovirales Regime unter Einschluss der Hepatitis B wirksamen Substanzen Tenofovir plus 3TC bzw. Tenofovir plus FTC empfohlen. Der Einsatz von Tenofovir, der in der Schwangerschaft aufgrund der derzeit noch unzureichenden Datenlage nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen sollte, kann hier wegen des überwiegenden Nutzens hinsichtlich der Hepatitis B Infektion empfohlen werden. Der Einsatz von Interferonen und pegylierten Interferonen wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen.
HIV/HBV-koinfizierte Schwangere bedürfen nach Beginn einer antiretroviralen Therapie engmaschigen Monitorings. Spätestens zwei Wochen nach Therapiebeginn sollte die erste Laborkontrolle erfolgen. Im weiteren Verlauf sind mindestens monatliche Untersuchungen durchzuführen.
Wird die antiretrovirale Kombinationstherapie nach der Geburt des Kindes wieder abgesetzt (z.B. bei ausschließlicher Transmissionsprophylaxe), besteht für die Mutter das Risiko eines Hepatitis B Flares. Daher ist auch postpartum ein engmaschiges Monitoring der Patientin erforderlich. Besteht hinsichtlich der Hepatitis B eine mütterliche Behandlungsindikation kann nach der Entbindung eine Umstellung auf Hepatitis B wirksame Substanzen ohne HIV Wirkung erfolgen.
Management HIV-positiver Schwangerer mit Hepatitis C Koinfektion
Da eine mütterliche HCV-Koinfektion das Risiko einer vertikalen HIV-Transmission erhöhen kann, wird für koinfizierte Schwangere eine effektive antiretrovirale Kombinationstherapie empfohlen. Es konnte außerdem gezeigt werden, dass auch die Transmissionsraten der Hepatitis C sich durch den Einsatz einer erfolgreichen HIV-Therapie in der Schwangerschaft reduzieren lassen. HIV/HCV-infizierte Schwangere benötigen nach Beginn und im Verlauf einer antiretroviralen Therapie engmaschiges Monitoring. Spätestens zwei Wochen nach Therapiebeginn und mindestens vierwöchentlich im Verlauf sind Laborkontrollen anzustreben.
Interferone und pegylierte Interferone sollten wegen ihrer antiproliferativen Wirkung in der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden. Ribavirin ist beim Menschen teratogen (FDA Kategorie X). Der Entbindungsmodus HCV/HIV-koinfizierter Schwangerer sollte auf der Grundlage der HIV-Infektion entschieden werden.
6.2.2009



