Afrika und die Menschenrechte
12. März 2010
Desmond Tutu: Afrikas Rückschritt bei den Menschenrechten
Nach den langen Jahren des Kampfes gegen die Apartheid gibt es neues Unrecht in Afrika. Eine Welle des Hasses gegen Schwule, Lesbierinnen, Bisexuelle und Transgender breitet sich im Land aus. Sie werden ihrer fundamentalen Rechte und ihrer Freiheit beraubt. In Senegal, Malawi und Kenia werden Schwule verfolgt, gedemütigt, ins Gefängnis gesteckt, ohne Zugang zu medizinischer Hilfe. Ugandas Regierung plant, Homosexuelle lebenslang wegzusperren, und in Ruanda und Burundi werden diskriminierende Gesetze diskutiert. Alles im Namen Gottes, vollbracht von Politikern, die einen Sündenbock für ihr eigenes Versagen suchen.
In vielen Familien gibt es Schwule, Lesbierinnen, Bisexuelle und Transgender. Sie gehören ebenso zur Familie aller Menschen und aller Afrikaner wie sie zu Gottes Familie gehören. Aber sie leben im Versteck, ohne Hilfe, ohne medizinische Betreuung und ohne dem Schutz, den Regierungen geben sollten in Zeiten, in denen speziell Afrikaner Zugang zur HIV-Therapie brauchen.
Niemand sucht sich aus, schwul zu sein. Sexuelle Vorlieben sind wie Hautfarben ein Ausdruck unserer Vielfalt als menschliche Familie. Ist es nicht faszinierend, dass wir alle nach Gottes Ebenbild erschaffen wurden und doch so unterschiedlich sind?
Die Welle des Hasses muss aufhören. Hass hat keinen Platz in Gottes Haus. Niemand sollte von unserer Liebe oder unserer Fürsorge ausgeschlossen werden wegen seiner Rasse, seines Geschlechts, seines Glaubens oder seiner Abstammung – oder wegen seiner sexuellen Vorlieben. Und niemandem sollte deswegen medizinische Hilfe vorenthalten werden.
Alle Geistlichen aller Glaubensrichtungen müssen für die Prinzipien allgemein gültiger Würde und Gemeinschaft eintreten. Ausgrenzung ist niemals der Weg zu Freiheit und Gerechtigkeit.



