Wahrscheinlichkeit der HIV-Übertragung bei Analsex
10. April 2010
In Australien liegt das geschätzte Risiko einer HIV-Infektion bei rezeptivem ungeschützten Analverkehr mit Ejakulation pro Kontakt bei rund 1,5%.
Eine australische Forschergruppe untersuchte das Risiko einer HIV-Infektion bei Analsex. Dazu wurden 1427 HIV-negative MSM in Sydney im Durchschnitt über vier Jahre lang (6/01-12/04) beobachtet. Bei 53 Männern kam es zur HIV-Infektion. Die geschätzte Wahrscheinlichkeit einer HIV-Übertragung bei ungeschütztem Analverkehr betrug pro Kontakt:
- anal rezeptiv mit Ejakulation in den Enddarm: 1,43%
- anal rezeptiv ohne Ejakulation in den Enddarm: 0,65%
- anal insertiv: ohne Beschneidung 0,66%, mit Beschneidung 0,11%
Kommentar: Dr. Ramona Pauli, München
Das Risiko einer HIV-Transmission liegt auch heute offenbar in etwa in der Größenordnung wie in der Zeit vor Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie. Dies ist umso erstaunlicher, da rund 70% der HIV-positiven schwulen Männern in Sydney erfolgreich behandelt sind. Die Studie stimmt somit bedenklich, ob das Schweizer Statement, dass das Risiko einer HIV-Übertragung unter bestimmten Bedingungen vernachlässigbar ist, tatsächlich stimmt.
Fazit: Ungeschützter Analverkehr (auch insertiv!) beinhaltet auch heute ein relevantes Infektionsrisiko. Die Zahlen erscheinen auf den ersten Blick niedrig, doch die Wahrscheinlichkeit im Lotto zu gewinnen ist noch geringer und dennoch wird fast jede Woche ein Sechser gezogen.



