-- Prof. Hans-Jürgen Stellbrink, Hamburg

Die neuen Leitlinien zur HIV-Therapie der Deutschen und Österreichischen
Aids-Gesellschaft sind verabschiedet.
Prof. Hans-Jürgen Stellbrink erläutert die wichtigsten Neuerungen.

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Neue Deutsch-Österreichische Leitlinien erschienen

03. Juni 2010

Die neuen Leitlinien bewegen den Therapiebeginn etwas nach vorne. Eine Behandlung der akuten HIV-Infektion wird dagegen nur noch bei schweren bzw. lang anhaltenden Symptomen empfohlen. Bei den Medikamenten der Wahl zur Erstlinien-Therapie hat sich mit Ausnahme der Aufnahme des Integrasehemmers Raltegravir in diese Riege nichts wesentlich geändert.

Therapieindikation

Die Therapieindikation bei CD4-Zellen zwischen >350 und <500/µl ist neuerdings vertretbar, unter bestimmten Umständen auch ratsam. Die Therapieeinleitung ist bei >500 CD4-Zellen/µl in bestimmten Fällen (Schwangerschaft, Alter >50 Jahre, HCV, HBV, hohes kardiovaskuläres Risiko, Absinken der CD4+-Zellzahl, Plasmavirämie >100.000 Kopien/mL, Reduktion der Infektiosität) ebenfalls vertretbar.

Akute HIV-Infektion

Bei der akuten HIV-Infektion wird eine Therapie neuerdings nur bei schwerer bzw. protrahierter Symptomatik empfohlen. Die Dauer der Behandlung muss im Einzelfall abgesprochen werden.

Medikamente zur Ersttherapie

Wenig Änderung gab es bei den Medikamenten der Wahl für die Erstbehandlung. Neu ist die Aufnahme des Integrasehemmers Raltegravir in die erste Riege als dritte Substanz in Kombination mit zwei NRTI.

Substanzwahl

Folgetherapie

Nach Versagen der ersten Therapie werden angesichts der vielfältigen Möglichkeiten heutzutage nur noch strategische Empfehlungen ausgesprochen.

Virologisches Versagen

Das virologische Versagen wird neuerdings indirekt definiert.

Als Anlass zur Überprüfung der Therapie auf ihre Effektivität gilt:

  • Abfall der HIV-Viruslast <2 log-Stufen nach 4 Wochen
  • Nachweisbare Viruslast nach 6 Monaten
  • Wiederanstieg der Viruslast auf >50 Kopien/m 

Wirtschaftlichkeit

Erstmals werden pharmaökonomische Aspekte angesprochen. Die wichtigsten Inhalte des neuen Passus:

  • Klarstellung der bisher unbefriedigenden Datenlage für Österreich und Deutschland
  • Betonung des Primats der Orientierung am individuellen Patienten-Interesse
  • Allein Preise erlauben keine Abschätzung der Kosteneffektivität, nur bei gleichwertigen Optionen hilfreich
  • Keine schematische Vorgehensweise

Die Leitlinien können auf der Homepage der Deutschen Aids Gesellschaft heruntergeladen werden.

http://www.daignet.de/site-content/hiv-therapie/leitlinien-1

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