HIV/HCV-Koinfektion: Schlechteres immunologisches Ansprechen auf ART

31. Juli 2010

Eine prospektive Beobachtung von HIV-Patienten mit chronischer Hepatitis C deutet auf eine langsamere Erholung des Immunsystems unter ART als bei Patienten ohne Koinfektion.

Von den 271 Patienten der prospektiven Canadian Co-infection Cohort mit positiven HCV-Antikörpern hatten 236 Patienten eine chronische Hepatitis C, bei 35 Patienten war die HCV-Infektion spontan ausgeheilt, d.h. HCV-RNA im Blut war negativ. Mit Ausnahme der Lebererkrankung, die bei den Patienten mit chronischer Hepatitis weiter fortgeschritten war, waren die Ausgangswerte der beiden Gruppen vergleichbar.

Im Lauf von 18 Monaten fand sich jedoch bei den Patienten mit chronischer Hepatitis C ein langsamerer Anstieg der CD4-Zellen unter ART (4 vs 26 Zellen/µl; P < 0.001) und zwar auch bei den Patienten unter einer Firstline-Therapie. Wurden jedoch nur Patienten verglichen, die eine Viruslast unter der Nachweisgrenze erreichten, war die Differenz zwischen den Gruppen noch nachweisbar, aber nicht mehr statistisch signifikant. Ebenso wurde bei den Patienten mit chronischer Hepatitis C ein statistisch nicht signifikanter, steilerer Abfall der CD4-Zellen vor Therapiebeginn beobachtet.

Kommentar:

Dass die ART die Progression der Lebererkrankung bei HIV/HCV-Koinfizierten bremst, gilt als gesichert. Dagegen gilt der Einfluss der chronischen Hepatitis C auf die HIV-Infektion bzw. die ART aktuell als eher gering. Die vorliegende Arbeit deutet darauf hin, dass Koinfizierte von einer frühzeitigen ART auch hinsichtlich des Immunstatus profitieren könnten. Die Daten sind prospektiv erhoben, aber dennoch nicht überzeugend. Zum einen wurden Patienten, die HCV spontan ausheilten, mit Patienten, bei denen die Infektion chronisch wurde verglichen. Diese Patientengruppen könnten sich in ihrer immunologischen Funktion erheblich unterschieden. Zum anderen verliert der Unterschied zwischen den Gruppen die statistische Signifikant, wenn nur Patienten mit einer Viruslast unter der Nachweisgrenze verglichen werden, und dieses Ziel ist heute bekanntermaßen bei der großen Mehrzahl der Patienten erreichbar. 

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