Erste vielversprechende Ergebnisse mit dem Fusionspeptid-Hemmer VIR-576
23. Dezember 2010
In einer Phase-I/II-Studie erhielten 18 HIV-infizierte Freiwillige zufällig verteilt Tage lang täglich 0,5, 1,5 oder 5 g VIR-576 als intravenöse Infusion. Mit der niedrigsten Dosierung sank die Viruslast innerhalb der zehn Tage durchschnittlich um 0,061 Logstufen und mit der höchsten Dosierung um 1,233 Logstufen. Die höchste Dosis verringerte die Viruslast um 95% und damit vergleichbar wie bisherige HIV-Medikamente. Die Senkung der Viruslast korrelierte signifikant mit der Plasmakonzentration des Wirkstoffs. Der Fusionspeptid-Inhibitor wurde gut vertragen.
VIR-576 ist ein Derivat des natürlich vorkommenden VIRIP (Virus-Inhibitory Peptide), ein aus 20 Aminosäuren bestehendes Fragment von α1-Antitrypsin, das von Wissenschaftlern aus Ulm und Hannover entdeckt wurde und nun weiterentwickelt wird. VIRIP und VIR-576 binden am HIV-Fusionsgen gp41 (auf andere Weise als der Fusionshemmer T-20) und verhindern so, dass sich das HI-Virus an der CD4-Zelle verankern und in die Zelle eindringen kann. Gp41 ist eine sehr konstante Region des HI-Virus, deshalb ist das Risiko einer Resistenzentwicklung wahrscheinlich geringer. Nachdem die Wissenschaftler mit der aktuellen Studie nachweisen konnten, dass das Prinzip der Fusionspeptid-Blockade funktioniert, entwickeln sie nun ein kleineres Molekül mit gleichem Wirkmechanismus, das als Tablette eingenommen werden kann.



