Beschwerden im Mund können auf Herzprobleme hinweisen
9. September 2011
Teilnehmer der HIV-Herz-Studie wurden befragt, wie häufig sie unter Zahn- und Zahnfleischschmerzen litten, wunde Stellen im Mund hatten oder von Mundtrockenheit, Mundgeruch und ähnlichen Problemen geplagt wurden.
Wie die Auswertung der Daten von 372 Patienten ergab, hatten die HIV-Infizierten fast doppelt so häufig Beschwerden im Mundbereich wie die Normalbevölkerung. Sehr beeindruckend war der in den Analysen gefundene Zusammenhang zwischen Mund- und Herzgesundheit. Von den Patienten mit starker Belastung durch Probleme mit Zähnen, Zahnfleisch und Mundschleimhaut hatten 47% einen auffälligen Herz-Kreislauf-Befund; bei Patienten ohne Beschwerden waren dies nur 11%. Besonders interessant war die Gruppe der Teilnehmer, bei denen noch nie eine Herz- oder Gefäßkrankheit diagnostiziert worden war und die auch keine Symptome einer solchen Erkrankung hatten. Hier fanden die Ärzte bei 31% der Patienten mit stark beeinträchtigter Mundgesundheit im Herzultraschall erste Anzeichen von Krankheiten des Herzmuskels und der Herzkranzgefäße. Bei den Patienten mit guter Mundgesundheit waren dies nur 7%. Die Beobachtungen konnten nicht dadurch erklärt werden, dass Einflussfaktoren wie etwa das Alter oder Rauchen das Risiko vieler Erkrankungen erhöhen. Der Zusammenhang zwischen Herz- und Mundgesundheit war jedoch bei jenen Patienten am deutlichsten, die bereits schwere Phasen der Immunschwäche durchlebt hatten.
Darüber, wie genau Mund- und Herzerkrankungen
zusammenhängen, können die
Wissenschaftler bislang nur spekulieren. Chronische
Entzündungen, etwa bei
einer schweren Zahnfleischentzündung (Parodontitis), sind – auch
bei
Nicht-HIV-Infizierten – Risikofaktoren für die Entstehung einer
Herz-Kreislauf-Erkrankung. Wissenschaftler gehen davon aus, dass
Entzündungsbotenstoffe und Bakterien, die aus dem Mund über die
Blutbahn in den
Körper gelangen, die Gefäßwände schädigen und so Schlaganfall
und Herzinfarkt
mit verursachen können. Möglicherweise sei dieser Mechanismus
bei einer
HIV-Infektion stärker ausgeprägt, vermuten die Wissenschaftler.
Es sei aber auch
denkbar, dass der schlechte Immunstatus unabhängig voneinander
Mund, Herz und
Gefäße, beeinträchtigt.



