HIV-Heilung: Viel Lärm um nichts!

07. Oktober 2016

Am 2. Oktober 2016 berichtete die englische Sunday Times und daraufhin viele andere Medien, ein Patient in England sei von HIV geheilt worden.

Die Nachricht der Sunday Times verbreitete sich in Windeseile. Von einem Druchbruch und einer völlig neuer Behandlung war die Rede. Nichts davon ist richtig!

Der fragliche Patient wird in der RIVER-Studie behandelt. An dieser Studie nehmen Patienten mit akuter HIV-Infektion teil. Sie erhalten gleich nach Diagnose eine antivirale 4er-Kombination. Nach 22 Wochen wird ein Teil der Patienten so weiterbehandelt, der andere Teil erhält 10 Dosen  Vorinostat und immunstimulierende Injektionen.

An dieser Studie ist nichts grundlegend neu. Das Prinzip des Heilungsversuchs „shock and kill“ wird seit Jahren diskutiert, die Medikamente sind bekannt und es gab bereits ähnliche Pilotstudien. Bei dem als „geheilt“ gemeldeten Patient war HIV im Blut nicht nachweisbar. Das ist ein zu erwartendes Ergebnis und kein Hinweis auf eine Heilung, da der Patient seine HIV-Medikamente weiter einnimmt.

Dr. Ramona PauliKommentar Dr. Ramona Pauli

HIV-Heilung ist ein Thema, das es immer in die Schlagzeilen schafft. Jede Behauptung - sei sie noch so aus der Luft gegriffen - wird gedruckt. Diesen Mechanismus machen sich einige Forscher zu Nutze, um für sich selbst oder ihre Projekte zu werben. So auch in diesem Fall. Es geht um Geld, um Fördergelder für eine kostspielige, aber nicht bahnbrechende Studie.  Leider prüfen die Medien solche Informationen nicht ausreichend oder vielleicht wollen sie es auch nicht, denn Schlagzeilen lohnen sich auch für sie. Konsequenzen sind keine zu befürchten. Nichts ist so alt und so vergessen wie die Zeitung von gestern.