Neue Methode zur Bestimmung des viralen Reservoirs

07. Juni 2017

Mehr HIV im Reservoir als bisher angenommen.

Festzustellen, wie groß das Reservoir an vermehrungsfähigen HI-Viren im Körper eines Infizierten tatsächlich ist, ist extrem anspruchsvoll. Als „Goldstandard“ gilt derzeit immer noch der „Quantitative Viral Outgrowth Assay“ (Q-VOA), bei dem die zu untersuchenden Zellen aus dem Blut (typischerweise 120-180 ml erforderlich) zu einer großen Zahl infizierbarer Zellen gegeben wird. Aus der Anzahl der virusproduzierenden Zellen und der Verdünnung lässt sich dann die Anzahl von vermehrungsfähigen Viren im Ausgangsmaterial errechnen. Doch wie wir heute wissen, unterschätzt dieses Verfahren die Zahl der vermehrungsfähigen Viren ganz erheblich. Die Messung von DNA bzw. RNA bringt wenig Vorteile, da ein Großteil davon zu nicht vermehrungsfähigen Viren gehört.

Die Autoren stellen einen neuen Assay-Typ vor, den „TZA“: Er verwendet die Zelllinie TZM-bl, die neben dem CD4-Rezeptor auch CCR5- und CXCR4-Rezeptor exprimiert und die ein beta-Galactosidase-Gen enthält, das unter der Kontrolle eines HIV-LTR-Promotors steht. Mit diesem Testsystem ließen sich zuverlässig replikationskompetente Viren identifizieren.

Der neue Assay benötigt deutlich weniger Probenmaterial, ist doppelt so schnell durchführbar wie der Q-VOA und kostet etwa ein Drittel.

Die große Überraschung war, dass das induzierbare Reservoir von replikationskompetenten HI-Viren bei ART-behandelten Patienten mit nicht nachweisbarer Viruslast etwa 70fach größer war, als bisher angenommen!