Trotz PrEP: Infektion mit HIV-Wildtyp

09. Januar 2018

In den Studien hat sich die PrEP als hochwirksam erwiesen. Nun, da die PrEP breit eingesetzt wird, werden erste „exotische“ Befunde bekannt

Eine Amsterdamer Arbeitsgruppe berichtet vom Fall einer HIV-Infektion mit einem Virus ohne Resistenzen gegen FTC/TDF (Truvada® oder Emtricitabin/Tenofovirdiproxil) und einem atypischen Serokonversionsmuster trotz wohl dauerhaft guter Adhärenz.

Der 50jährige Mann (MSM) nahm seit 8 Monaten eine tägliche PrEP. Er berichtete über zahlreiche Sexkontakte, davon häufig mit aufnehmendem, kondomlosen Analverkehr. Auch verschiedene Drogen wurden dabei konsumiert, zum Teil mit intramuskulärer Injektion (Ketamin). Hier wurden aber seinen Angaben zufolge jeweils sterile Utensilien verwendet.

Der HIV-Test war am Tag des PrEP-Beginns sowie nach 1, 3 und 6 Monaten negativ. Nach 8 Monaten kam der Mann dann mit Fieber und Dysurie in die Klinik. Der HIV-Antikörpertest (4. Generation) erwies sich als positiv, es wurden eine anale Lymphogranuloma venereum- sowie eine urethrale E.coli-Infektion diagnostiziert.

Im Western-Blot Bestätigungstest war zunächst nur eine gp160-Bande zu erkennen, die HIV-PCR war negativ. Auch Tests auf provirale DNA in PBMCs und Rektumbiopsien waren negativ.

Um die Diagnose einer HIV-Infektion zu sichern und eine mögliche Resistenzentwicklung zu verhindern wurde die PrEP abgesetzt. Nach 27 Tagen war die PCR positiv (12.882 Kopien/ml) und es wurde eine Behandlung mit TDF/FTC/DRV/r qd und DTG bid eingeleitet. Das Virus hatte keine Resistenzmutationen gegen die eingesetzten Substanzen bzw. gegen die PrEP.

Da der Patient an der Amsterdamer PrEP-Studie teilnahm, waren auch „dried blood spots“ 6 Monate nach Beginn der PrEP und zum Zeitpunkt der Diagnose gesammelt worden. Die bestimmten TDF-Konzentrationen (2234 fmol bzw. 2258 fmol) sind im Einklang mit einer zuverlässigen Adhärenz.

Die Autoren mutmaßen, dass vielleicht eine große Menge Virus (der Mann hatte wirklich viel Sex...) gepaart mit Schleimhautläsionen durch sexuelle Aktivität und sexuell übertragenen Infektionen zu einer lokal begrenzten Infektion geführt haben könnte, die erst nach Absetzen der PrEP systemisch wurde.

Eine viel näher liegende Vermutung diskutieren die Autoren leider nicht: Der Mann könnte sich in den Tagen unmittelbar vor Einleitung der PrEP infiziert haben. Durch die PrEP blieb die Infektion dann eben zunächst begrenzt – mit einer minimalen Reaktion des Immunsystems - und erst nach Absetzen kam es zur Virämie und Ausbildung weiterer Antikörper.

Fazit: Insgesamt ein interessanter Fall, der unterstreicht, wie wichtig die regelmäßigen HIV-Tests während einer PrEP – aber insbesondere auch vor Einleitung der PrEP – sind.


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