Entecavir wirkt auch gegen HIV

Das Nukleosidanalogon Entecavir, das zur Behandlung der Hepatitis B zugelassen ist, scheint anders als bislang genommen auch auf HIV zu wirken und die Mutation M184V zu selektieren.

Einige NRTI wie Lamivudin und Tenofovir wirken sowohl gegen HBV als auch gegen HIV. Andere wiederum wie Adefovir wirken nur gegen HBV und nicht gegen HIV. In letzte Gruppe wurde bislang auch das Gunaosin-Analogon Entecavir eingeordnet.

Umso überraschender war die Beobachtung von Chloe Thio von der Johns Hopkins-Universität in Baltimore, dass die Viruslast bei drei HIV-Patienten ohne HAART, die wegen einer chronischen Hepatitis B allein Entecavir einnahmen, um mehr als 1log Kopien/ml abfiel und nach sechs Monaten die HIV- Mutation M184V auftauchte.

Weiterführende Untersuchungen von Thio zeigten dann, dass die Aktivität von Entecavir gegen HIV auch in vitro nachweisbar war. Auf die Frage, warum dies nicht schon vor der Zulassung der Substanz aufgefallen sei, meinte Thio ihre Testsysteme seien "vermutlich empfindlicher". Der Hersteller von Entecavir (Baraclude®) Bristol-Myers Squibb hat bereits reagiert und mahnt zur Vorsicht beim Einsatz von Entecavir bei HIV-Infizierten.

McMahon M et al, 14th CROI 2007, Abstr 136LB

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