Auch defekte Viren sind aktiv

17. August 2017

Defekte HI-Viren im Zellkern können Eiweiße bilden, die das Immunsystem erkennt.

Man geht davon aus, dass über 90% der integrierten HI-Viren defekt sind, d.h. keine vermehrungsfähigen Viren bilden können. Nun zeigte ein Forscherteam um Anthony Fauci und Clifford Lane, dass auch solche defekten Viren zum Teil noch in der Lage sind, Proteine zu bilden – mit entsprechenden Konsequenzen.

Je nach Defekt können diese Proteine deutlich von den „Originalproteinen“ von HIV abweichen. Möglicherweise tragen diese Eiweiße dazu bei, dass die Antikörperantwort gegen HIV-Eiweiße auch nach jahrzehntelanger HIV-Therapie nicht schwächer wird und dass manche HIV-Infizierte trotz erfolgreicher Behandlung nach wie vor eine starke Immunaktivierung aufweisen.

Vielleicht können aber auch RNA-Transkripte von defekten Viren durch zelleigene Prozesse in Vesikel (kleine Membranbläschen) verpackt und aus der Zelle ausgeschleust werden. Solche „virus-like-particles“ enthalten dann, ähnlich wie infektiöse Viren, Eiweiß und RNA, sind aber nicht vermehrungsfähig. Trotzdem könnten sie aber das Immunsystem stimulieren und in Viruslasttests zu falsch-positiven Resultaten führen.

Vermutlich sind die Prozesse, die zu solchen defekten, aber dennoch aktiven Viren führen, dem Zufall unterworfen und es ist im Einzelfall schwer vorhersagbar, ob bzw. welche Konsequenzen diese Vorgänge haben.


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