PRIDE begleitet PrEP

19. Oktober 2017

Die „50-Euro-PrEP“ wird von der wissenschaftlichen Studie PRIDE beleitet.

sprach mit dem Studienleiter Prof. Hendrik Streeck, Essen.

Hendrik Streeck, Leiter des Instituts für HIV-Forschung der Universität Duisburg-EssenHendrik Streeck,
Leiter des Instituts für HIV-Forschung der Universität Duisburg-Essen

Seit Anfang Oktober gibt es in Deutschland 28 Tabletten PrEP für 50 €. Die PRIDE-Studie begleitet das Projekt. Was ist das Ziel dieser Untersuchung?

Prof. Streeck: Wir wollen verstehen, wie die PrEP in Deutschland ankommt. Wer nimmt PrEP? Wie wird PrEP eingenommen? Intermittierend oder durchgehend? Ändert sich das Risikoverhalten? Gleichzeitig wollen wir gesundheitsökonomische Daten erheben. Wir wollen langfristig erreichen, dass die Kosten für die PrEP von den Krankenkassen übernommen werden oder zumindest in einem bezahlbaren Rahmen bleiben. Dazu müssen wir Daten vorlegen.

Sie sprechen von wir. Wer ist da genau gemeint?

Prof. Streeck: Vater des Projekts „50-Euro-PrEP“ ist der Apotheker Erik Tenberken aus Köln. Er hat sich schon lange darum bemüht, die PrEP in Deutschland bezahlbar zu machen und dies ist ihm in Zusammenarbeit mit der Firma HEXAL erfreulicherweise auch gelungen. Das Projekt ist allerdings zeitlich begrenzt. Gemeinsam hatten wir daher die Idee, wissenschaftliche Daten zur PrEP zu sammeln als Argument für eine langfristig bezahlbare PrEP in Deutschland.

Wie wird die PRIDE-Studie durchgeführt?

Prof. Streeck: In der Apotheke unterschreibt der Klient beim Abgeben des Rezeptes sein Einverständnis zur Datenübertragung, da das Medikament ja für jede Person individuell verblistert wird. Das hat nichts mit der Studie zu tun. Weiterhin bitten wir den Klienten einen anonymen Fragebogen für die PRIDE-Studie auszufüllen.

Wonach fragen Sie genau?

Prof. Streeck: Der erste Fragebogen ist recht umfangreich. Neben allgemeinen Daten zu Alter, Ausbildung, Einkommen usw. werden die speziellen Aspekte der HIV-Prävention berücksichtigt. Das heißt konkret, es wird nach Sexualverhalten, früheren STI, nach Selbsteinschätzung des HIV-Risikos, nach früheren Erfahrungen mit PrEP usw. gefragt. Die Fragebögen bei den Folgeverordnungen sind dann deutlich kleiner. Hier geht es dann nur um die für die Prävention relevanten Aspekte im Zeitraum zwischen den Verordnungen.

Wer finanziert die Studie?

Prof. Streeck: Da wir möglichst alle PrEP User erfassen wollten, musste es schnell gehen. Die Studie wird daher aus hauseigenen Mitteln des Instituts für HIV-Forschung der Universität Duisburg-Essen finanziert.

Wann sind die ersten Auswertungen der Studie zu erwarten?

Prof. Streeck: Wir hoffen spätestens in einem Jahr Bilanz ziehen zu können. Gesundheitsökonomisch interessant wird es werden, wenn das Robert-Koch-Institut 2018/2019 die neuen Zahlen der HIV Neudiagnosen vorstellt, die dann hoffentlich deutlich niedriger zu den Vorjahren liegen.

Vielen Dank für das Gespräch.


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