HIV infiziert auch Knochen

21. Februar 2018

Bislang galten Knochenprobleme bei Menschen mit HIV oft als Nebenwirkungen der Therapie. Doch offenbar kann das Virus selbst Knochenzellen infizieren.

Knochen ist lebendes Gewebe. Aufbauende Zellen (Osteoblasten) und abbauende Zellen (Osteoklasten) sorgen durch ständigen Umbau der Knochenstruktur für eine optimale Anpassung an die täglichen Belastungen und gegebenenfalls für eine Heilung nach einem Bruch. Bei Menschen mit HIV sah man schon vor vielen Jahren bestimmte Formen der Knochenschädigung (Osteonekrose) und später dann eine verfrühte Form der Osteoporose. Zunächst führte man dies vor allem auf die Nebenwirkung mancher Medikamente zurück, vor allem auf das Tenofovir (als Disoproxilfumarat), da es den Phosphat-Haushalt verändert und damit möglicherweise auch den Knochenstoffwechsel beeinträchtigt.

Nun hat aber eine Forschergruppe herausgefunden, dass HIV direkt Osteoklasten infizieren kann. Diese Zellen stammen von blutbildenden Stammzellen ab, die u.a. auch die Monozyten hervorbringen. Osteoklasten exprimieren während ihrer Differenzierung CD4- und CCR5-Rezeptoren und sind damit ein Ziel für HIV. Allerdings tötet eine HIV-Infektion diese Zellen nicht ab. Obwohl sie Viren produzieren, können sie lange Zeit überleben. Ganz im Gegenteil scheint eine HIV-Infektion sowohl die Aktivität als auch die Beweglichkeit dieser Zellen zu erhöhen, d.h. sie können vermehrt osteolytisch aktiv werden und das Gleichgewicht im Knochen zu Gunsten des Abbaus verschieben. Ob sich dem durch Osteoklastenhemmstoffe wie z.B. die Bisphosphonate (Alendronat u.a.) entgegenwirken lässt, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Die Forscher konnten einerseits zeigen, dass im humanisierten Mausmodell tatsächlich eine Infektion der Osteoklasten stattfindet, anderseits fanden sich auch in menschlicher Synovialflüssigkeit solche infizierten Zellen.

Welche Konsequenz dies für Menschen mit HIV hat und ob vielleicht in Zukunft alle Menschen mit lange bestehender HIV-Infektion eine Knochendichtebestimmung erhalten sollten, ist noch ungeklärt.

Auf jeden Fall stellt dieses unerwartete Reservoir im Knochen eine weitere Hürde auf dem Weg zur Heilung der HIV-Infektion dar.


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