Neuer Antikörper gegen HIV

27. Juni 2018

Der gentechnisch hergestellte Tandem-Antikörper ist zur Prävention und Therapie geeignet.

Eine chinesische Arbeitsgruppe untersuchte zunächst, welche breit-neutralisierenden Antikörper (bnAB) besonders gut zusammen wirken (Synergismus), da HIV gegen einen bnAB schnell resistent wird und ein bnAB auch nicht alle HIV-Typen gleich gut erkennt.

Man entschied sich schließlich für einen Antikörper gegen gp120 des Virus und einen gegen den CD4-Rezeptor der Wirtszellen (ähnlich Ibalizumab). Aus den genetischen Informationen für diese beiden bnABs wurde ein Hybirdgen hergestellt, dass zur Produktion eines Antikörper-ähnlichen Moleküls in Zellkulturen diente. Mit diesem Konstrukt gelang es, humanisierte Mäuse vor einer HIV-Infektion zu schützen.

Doch die Forscher gingen noch weiter: Durch Gentransfer wurde die Information für die Produktion des Tandem-Antikörpers in Mauszellen übertragen, die daraufhin den Antikörper selbst herstellten. Auch diese Mäuse waren vor einer HIV-Infektion geschützt bzw. zuvor bereits HIV-infizierte Mäuse konnten dadurch die Viruslast unter die Nachweisgrenze senken. Damit würde sich diese Art des Gentransfers sowohl für die Behandlung als auch für die Prävention eignen. Da die genetisch modifizierten Zellen den Antikörper für längere Zeit herstellen, wäre diese Methode sogar mit einer Impfung vergleichbar.

Trotz dieser ermutigenden Resultate bleiben viele Fragen offen: Es wurden zwar über 100 verschiedene HIV-Typen auf ihre Empfindlichkeit gegen den Tandem-Antikörper getestet, aber es ist noch völlig unklar, ob damit wirklich alle zirkulierenden HIV-Typen abgedeckt werden können (das ist sogar eher unwahrscheinlich) und ob nicht doch bei längerer Behandlung eine Resistenz auftritt.

Dennoch ist die Übertragung von Genen für die Produktion von Antikörpern ein spannender Ansatz, nicht zuletzt, da er langfristig erheblich günstiger sein dürfte als die regelmäßige Gabe der fertigen Antikörper.


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