HIV-2 gefährlicher als bisher gedacht?

07. November 2018

Auch HIV-2-Infizierte haben ohne Behandlung ein hohes Risiko, an Aids zu erkranken und zu versterben.

HIV-2 gilt vielen als die weniger pathogene Virusvariante, die möglicherweise erst spät im Krankheitsverlauf Symptome verursacht und deshalb nicht sofort behandelt werden muss.

Hinzu kommt, dass HIV-2-Infizierte oft nur geringe oder sogar nicht nachweisbare Virusmengen im Blut haben, was eine Behandlung ebenfalls als nicht so dringlich erscheinen

Nun zeigt eine prospektive Untersuchung aus Guinea-Bissau, dass dem wohl nicht so ist. Interessantes Detail am Rande: Es handelt sich bei den Patienten allesamt um Polizisten.

872 Studienteilnehmer wurden während der 23jährigen Studie positiv getestet: 408 mit HIV-1 (183 vor und 225 nach Aufnahme in die Studie) sowie 464 mit HIV-2 (377 vor und 87 nach Aufnahme in die Studie). Die mittlere Zeit von der Infektion bis zum Vollbild Aids betrug 6,2 Jahre (HIV-1) und 14,3 Jahre (HIV-2). Die mittlere Überlebenszeit nach der Diagnose lag bei 8,2 Jahren (HIV-1) und 15,6 Jahren (HIV-2). Die mittleren CD4-Zellzahlen der HIV-2-Infizierten lagen im Durchschnitt höher als die der HIV-1-Infizierten und fielen langsamer ab. Allerdings entwickelten HIV-2-Infizierte das Vollbild Aids bereits bei höheren relativen CD4-Werten (18,2% vs. 8,2%).

Die Autoren folgern, dass sowohl HIV-1 als auch HIV-2-Infizierte ohne Behandlung ein hohes Risiko haben, an Aids zu erkranken und zu versterben. Wer jetzt schockiert ist, dass so viele Menschen ohne Behandlung an einer HIV-Infektion versterben mussten, sollte bedenken, dass die Studie schon 1990 begann (die erste wirksame Dreifachkombination war erst 1996 verfügbar) und bis 2009 weiter Probanden aufnahm. Das Follow-Up endete 2013.



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