Von Christian Hoffmann
HIV-Literatur:
Protonenpumpenhemmer steigern die Raltegravir-Exposition

Quelle: Bilderbox
Kommentar:
Auch wenn die klinische Relevanz dieser Ergebnisse noch unklar ist: Protonenpumpenhemmer und ihr Effekt auf ART,
darunter wohl auch die Integrasehemmer, müssen weiter im Auge behalten werden.
Literatur
1. Anderson MS, Kakuda TN, Hanley W, et al. Minimal pharmacokinetic interaction between the human immunodeficiency virus nonnucleoside reverse transcriptase inhibitor etravirine and the integrase inhibitor raltegravir in healthy subjects. Antimicrob Agents Chemother 2008, 52:4228-32.
2. Wenning LA, Friedman EJ, Kost JT, et al. Lack of a significant drug interaction between raltegravir and tenofovir. Antimicrob Agents Chemother 2008, 52:3253-8.
3. Iwamoto M, Wenning LA, Petry AS, et al. Minimal effects of ritonavir and efavirenz on the pharmacokinetics of raltegravir. Antimicrob Agents Chemother 2008, 52:4338-43.
4. Iwamoto M, Wenning LA, Nguyen BY, et al. Effects of Omeprazole on Plasma Levels of Raltegravir. Clin Infect Dis 2009, 48 (15 February), 489-492.
Raltegravir (Isentress®) ist der erste Integrasehemmer in der HIV-Therapie. Das Interaktionspotential
der Substanz galt bislang als gering. Nun wurde in Kombination mit Protonenpumpenhemmer ein Anstieg der
Raltegravir-Spiegel auf das 3-4fache beobachtet.
In den letzten Monaten wurden zahlreiche Studien publiziert, in denen keine relevanten Spiegelveränderungen
bei gleichzeitiger Gabe Raltegravir von anderen antiretroviralen Medikamenten wie Ritonavir, Tenofovir, Efavirenz
oder Etravirin beobachtet wurden [1-3]. Jetzt gingen Forscher der Firma MSD der Frage nach, ob sich die Spiegel
von Raltegravir bei gleichzeitiger Gabe von Protonenpumpenhemmern verändern. In einer randomisierten,
verblindeten, plazebokontrollierten Studie, die in dieser Woche in Clinical Infectious Diseases erschien [4],
erhielten insgesamt 14 gesunde Frauen und Männer 400 mg Raltegravir und 20 mg Omeprazol bzw. Plazebo.
Resultat: Die Raltegravir-Spiegel stiegen im Durchschnitt auf das 3-4fache an und zwar sowohl die AUC (area under
the curve) als auch die Maximalspiegel (Cmax). Dieser letztlich überraschende Effekt war wahrscheinlich
weniger auf eine Interaktion zwischen beiden Substanzen als vielmehr auf die pH-abhängige Löslichkeit
Raltegravirs zurückzuführen. Je höher der PH-Wert, desto besser die Löslichkeit, Absorption
und damit die Bioverfügbarkeit Raltegravirs, so das Fazit der Forscher. Nebenwirkungen von Raltegravir, das
sich in den bisherigen Studien als ausgesprochen gut verträglich gezeigt hat, scheinen nach der jetzigen
Datenlage bei gleichzeitiger Gabe von PPI nicht erhöht zu sein. Eine Dosisreduktion wird nicht empfohlen.
14.02.2009









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