Von Christian Hoffmann
HIV-Literatur:
Jeder dritte Todesfall durch Krebs
Anteil der Nicht-AIDS-definierenden Tumore bei HIV-Patienten nimmt zu
Kommentar:
Non-ADM werden ohne Zweifel wichtiger werden. Schon heute sterben in den Industrieländern mehr HIV-Patienten an Non-ADM als an kardiovaskulären Erkrankungen oder Hepatitis C. Der Zusammenhang zwischen Immundefekt und Risiko ist wohl ein Argument mehr, rechtzeitig mit einer HAART zu beginnen. Für die Raucher unter den HIV-Patienten gilt mehr denn je: It's time to quit!
Literatur
1. Bonnet F, Burty C, Lewden C, et al. Changes in cancer mortality among HIV-infected patients: the Mortalité 2005 Survey. Clin Infect Dis 2009, 48:633-9.
2. Engels EA, Biggar RJ, Hall HI, et al. Cancer risk in people infected with human immunodeficiency virus in the United States. Int J Cancer 2008;123:187-94.
3. Frisch M, Biggar RJ, Engels EA, Goedert JJ; AIDS-Cancer Match Registry Study Group. Association of cancer with AIDS-related immunosuppression in adults. JAMA 2001, 285:1736-45.
4. Herida M, Mary-Krause M, Kaphan R, et al. Incidence of non-AIDS-defining cancers before and during the highly active antiretroviral therapy era in a cohort of human immunodeficiency virus-infected patients. J Clin Oncol 2003, 21:3447-53.
5. Lewden C, May T, Rosenthal T, et al. Causes of death among HIV-infected adults in France in 2005 and evolution since 2000. Abstract 976, 14th CROI 2007, Los Angeles.
6. Monforte A, Abrams D, Pradier C, et al. The Data Collection on Adverse Events of Anti-HIV Drugs (D:A:D) Study Group. HIV-induced immunodeficiency and mortality from AIDS-defining and non-AIDS-defining malignancies. AIDS 2008; 22;2143-53.
7. Reekie J, Mocroft A, Engsig F. Relationship between current level of immunodeficiency and non-AIDS-defining malignancies. Abstract 860, 16th CROI 2009, Montréal.
HIV-infizierte Patienten haben ein erhöhtes Krebsrisiko. Dies gilt nicht nur für die drei AIDS-definierenden Malignome (ADM) Kaposi-Sarkom, Non-Hodgkin-Lymphom und Zervixkarzinom. Auch bei vielen Nicht-AIDS-definierenden Malignomen (Non-ADM) ist eine erhöhte Inzidenz zu beobachten. Das Risiko insgesamt ist für HIV-Patienten etwa 2-3-fach gegenüber der nicht infizierten Bevölkerung erhöht [3,4].
Non-ADM machen heute etwa ein Drittel aller malignen Neuerkrankungen bei HIV-Patienten aus. Sie sind damit etwa so häufig wie maligne Lymphome und das Kaposi-Sarkom [2]. Non-ADM sind deshalb auch ein signifikanter Mortalitätsfaktor bei HIV-Patienten. Eine Untersuchung aus Frankreich zeigte vor zwei Jahren, dass Non-ADM inzwischen zu mehr Todesfällen als zum Beispiel Hepatitis C oder kardiovaskuläre Erkrankungen führen [5]. Eine jetzt in Clinical Infectious Diseases veröffentlichte Studie [1] der gleichen Arbeitsgruppe ging nun weiter in die Tiefe: sie analysierte die Todesursachen durch maligne Erkrankungen bei HIV-Patienten. Vergleichszeiträume waren die Jahre 2000 und 2005.
Anteil an malignen
Erkrankungen an Todesursachen bei HIV-Patienten in Frankreich im Jahr 2000 (grau, n=924) und im Jahr 2005
(schwarz, n=1013). *Hepatitis-assoziierte Tumore.
Die Abbildung zeigt den prozentualen Anteil maligner Erkrankungen an den Todesursachen insgesamt bei HIV-Patienten in beiden Jahren in Frankreich. Es wird deutlich, dass der Anteil der AIDS-definierenden Tumore NHL und KS eher abnimmt, der Anteil der Non-ADM dagegen steigt. Allein Lungentumore sind inzwischen deutlich häufiger Todesursache bei HIV-Patienten als zum Beispiel Kaposi-Sarkome und Zervixkarzinome zusammen.
Schlechter Immunstatus, höheres Risiko
Die Ursachen für die erhöhte Inzidenz vieler Malignome sind heterogen. In der D:A:D-Studie waren die wesentlichen Risikofaktoren für tödliche Non-ADM vor allem bekannte Faktoren wie steigendes Lebensalter und aktueller Nikotinkonsum [6]. Doch Alter und Rauchen sind nicht alles. Auch Lebensstil (Alkohol, UV-Exposition), Koinfektionen (HPV, HBV, HCV) und andere Faktoren spielen eine Rolle. Was sich darüber hinaus gerade in den letzten Jahren abzeichnet, ist, dass auch die Immunschwäche eine wesentliche Rolle spielt. Anders als bislang gedacht, hängt das Risiko nach den Daten der D:A:D-Studie auch für Non-ADM deutlich von der Höhe der CD4-Zellen ab: Je niedriger diese, umso höher das Risiko für ein Non-ADM. Patienten mit < 50 CD4-Zellen/µl hatten ein 15fach erhöhtes Risiko, an einem Non-ADM zu sterben als Patienten mit > 500 CD4-Zellen/µl. Ein erhöhtes Risiko durch einen schlechten Immunstatus wurde jetzt kürzlich auch aus der Euro-SIDA-Studie berichtet [7]. Dies galt ebenfalls nicht nur für Tumoren, die normalerweise mit infektiösen Ursachen in Verbindung gebracht werden, wie zum Beispiel Analkarzinome. Auch Urogenitaltumore und Tumore des Verdauungstrakts waren umso häufiger, je niedriger die CD4-Zellen.
02.03.2009









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