48Th American Society Of Hematology (ASH) Annual Meeting and Exposition, 09. Dezember 2006 in Orlando/Florida
Highlights aus der Hämatologie

Jeden Dezember findet die Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) statt. Im Dezember 2006 kamen knapp 20.000 Teilnehmer. Highlights in diesem Jahr waren die neuen Ergebnisse zur Stammzelltransplantation - auch bei HIV-positiven Patienten - und die neuen Therapieoptionen bei Leukämien.

Forschergruppen können immer häufiger belegen, dass die Therapie mit humanen adulten Stammzellen für verschiedene Erkrankungen therapeutische Fortschritte ermöglicht.

ADULTE STAMMZELLEN GEGEN ABSTOßUNG

Schwerwiegende Graft-versus-Host-Reaktionen (GVHD) nach allogener Stammzelltransplantation können erfolgreich mit mesenchymalen Stammzellen (MSC) aus dem Knochenmark von verwandten und nicht verwandten Spendern behandelt werden. 19 von 40 Patienten sprachen auf die Therapie mit den MSC komplett an, bei 9 verbesserte sich, bei 4 stabilisierte sich die GVHD. Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet (Le Blanc K et al., #753). Der zugrundeliegende Wirkmechanismus: Die MSC differenzieren nicht nur in unterschiedliches mesenchymales Gewebe, sondern inhibieren auch in vitro die Alloreaktivität von T-Lymphozyten. Somit blockiert die Injektion der MSC die Reaktion der Spender-T-Zellen gegen die Zellen des Empfängers.

STAMMZELL-GENTHERAPIE BEI ADA-SCID

In einer italienischen Phase-I/II-Studie erhielten acht Kinder (7-67 Monate) mit der angeborenen schweren kombinierten Immunschwäche SCID (severe combined immunodefeciency) eine Stammzell-Gentherapie. In die aus dem Knochenmark der Kinder entnommenen Stammzellen waren mittels Viren funktionsfähige ADA-Gene eingeschleust worden. Dann wurden die manipulierten Zellen zurück transplantiert. Sechs Jahre später waren die ADA-Gene nach wie vor aktiv, die gentherapeutisch veränderten Blutstammzellen vermehrten sich und bildeten gesunde Immunzellen. Die Entwicklung und das Wachstum der Kinder verbesserte sich stetig (Aiuti A et al., #200).

AUTOLOGE STAMMZELLTRANSPLANTATION BEI HIV-ASSOZIIERTER NHL

Im Zeitalter von HAART ist es nicht nur möglich, HIV-assoziierte Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) mit intensiven Chemotherapien zu behandeln, sondern es gibt auch immer mehr Daten, die für eine autologe Stammzelltransplantation (ASCT) sprechen. Eine retrospektive Analyse von 44 peripheren ASCT bei HIV-assoziiertem NHL, die der europäischen Gruppe für Blut- und Knochenmarkstransplantation (EBMT) zwischen 1999 und 2005 gemeldet wurden, war erfolgreich. Nach einem medianen Follow-up von 36,3 Monaten waren Gesamtüberleben (60,2%), krankheitsfreies Überleben (55%) und behandlungsassoziierte Mortalität (38,6%) vergleichbar wie nach einer ASCT bei HIV-negativen NHL-Patienten. Die HAART wurde bei 9/42 Patienten während der Konditionierung abgesetzt (Balsalobre P et al., #3042). Das bestätigt auch eine spanische Studie, in der der Erfolg einer ASCT bei 43 HIV-positiven und 46 HIV-negativen NHL-Patienten miteinander verglichen wurde. Engraftment, infektiöse und toxische Komplikationen sowie Überleben waren in beiden Gruppen vergleichbar (Serrano D et al., #3063).

NEUE THERAPIEOPTION BEI AKUTER MYELOISCHER LEUKÄMIE...

Nach 20 Jahren scheint es endlich wieder Fortschritt bei der Therapie der akuten myeloischen Leukämie (AML) zu geben. Erhalten jüngere de novo Patienten (<60 Jahre) in der Induktion zusätzlich zur Standardchemotherapie Gemtuzumab Ozogamicin (GO; 3mg/m2), verringert sich die Rezidivrate im Vergleich zu alleiniger Chemotherapie signifikant (39% vs. 54%) und zwar ohne erhöhte Toxizität (Burnett et al., #13). Alan Burnett, Cardiff, geht davon aus, dass mit der geringeren Rezidivrate auch eine längere Überlebenszeit einhergehen wird. GO ist ein Konjugat aus dem humanisierten Anti-CD33-Antikörper Gemtuzumab und dem zytotoxischen Antitumor-Antibiotikum Calicheamicin, das nach Bindung des Antikörpers in die Tumorzelle gelangt und dort DNA-Doppelstrangbrüche auslöst.

... UND CHRONISCHER MYELOISCHER LEUKÄMIE

Zirka 15-20% der Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) sprechen auf die First-Line-Therapie mit dem Tyrosinkinasehemmer Imatinib wegen einer primären oder erworbenen Imatinib-Resistenz zytogenetisch nicht an. Hier ist es wirksamer auf den Tyrosinkinasehemmer Dasatinib umzustellen anstatt die Dosis von Imatinib zu erhöhen. In einer Phase-II-Studie erhielten nach Versagen unter 400-600 mg Imatinib 101 Patienten 2x 70 mg Dasatinib täglich und 49 Patienten 1x 800 mg Imatinib täglich. Eine molekulare Remission ereichten 16% unter Dasatinib und 4% unter Imatinib und unter Dasatinib progredierten signifikant weniger Patienten (6% vs. 20%) (Shah N et al., Abstract 167).
Andrea Warpakowski

Nachrichten

  • Positives Votum für QUAD-Pille

    14. Mai 2012: Der Beratungssausschuss für antivirale Arzneimittel der amerikanischen FDA hat die Zulassung der sogenannten QUAD-Pille empfohlen.weiter

  • Hepatitis C-Koinfektion erhöht Mortalität

    09. Mai 2012: Patienten mit HIV/HCV-Koinfektion haben ein um 50% höheres Risiko zu sterben als HIV-Infizierte ohne chronische Hepatitis C.weiter

  • Telaprevir: Keine Interaktionen mit Rilpivirin und Etravirin

    20. April 2012: Beide NNRTI vermindern den Spiegel von Telaprevir, jedoch nicht in klinisch relevantem Ausmaß.weiter

  • Leberschädigende Medikamente erkennen

    11. April 2012: Im Rahmen der Initiative „Mechanism Based Improved Systems for the Prediction of Drug-Induced Liver Injury (MIP-DILI)“ wollen die Wissenschaftler neue Testverfahren entwickeln, die das leberschädigende Potenzial eines Wirkstoffs zu einem frühen Zeitpunkt in der Arzneimittelentwicklung erfassen.weiter

  • DHHS-Guidelines empfehlen Therapie für alle HIV-Infizierten

    29. März 2012: Die aktualisierten Therapieleitlinien des US-amerikanischen Department of Health and Human Services (DHHS) empfehlen einen Therapiestart bei mehr als 500 CD4-Zellen/mm3.weiter

  • Neu erschienen: Sonderheft zur Resistenz

    27. März 2012: An dem englischsprachigen Schwerpunktheft zur Interpretation von Resistenzen waren viele deutsche Autoren beteiligt.weiter

  • HCV-Proteasehemmer GS-7977
    Rückschlag bei Null-Respondern

    20. Februar 2012: Die hohen Erwartungen an den HCV-Proteasehemmer wurden erstmals enttäuscht. GS-7977 plus Ribavirin allein scheint bei Null-Respondern nicht auszureichen.weiter

  • Grünes Licht für Efavirenz in Schwangerschaft

    19. Februar 2012: Im öffentlichen Entwurf der neuen britischen Leitlinien ist selbst eine Schwangerschaft im ersten Trimenon keine Kontraindikation für Efavirenz..weiter

  • Boceprevir und geboosterte Proteasehemmer

    10. Februar 2012: Pharmakokinetische Studien belegen relevante Interaktionen von Boceprevir (Victrelis®) mit geboosterten Proteasehemmern.weiter

  • Boceprevir und geboosterte Proteasehemmer

    10. Februar 2012: Kommentar von Prof. Hartwig Klinker, Würzburgweiter

  • Raltegravir für Kinder

    08. Februar 2012: Die amerikanische FDA hat Raltegravir zur Behandlung von Kindern ab zwei Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens zehn Kilogramm zugelassen sowie eine Kautablette für die Behandlung von Kindern von zwei bis unter 11 Jahren genehmigt.weiter

  • CDC empfiehlt HPV-Impfung für Männer

    07. Februar 2012: Geimpft werden sollten jugendliche und junge Männer im Alter von 11 bis 21 Jahren sowie alle schwulen, bisexuellen und HIV-positiven Männer unter 26 Jahre.weiter

  • Gelbfieberimpfung

    05. Februar 2012: Bei HIV-Infizierten scheint die Viruslast, nicht die CD4-Zahl für den Erfolg der Impfung ausschlaggebend zu sein.weiter

Nachrichten-Archiv weiter