Akute HIV-Infektion

Die akute HIV-Infektion verursacht in 40 bis 90 % der Fälle vorübergehend Symptome. Dies geht mit einer hohen Vermehrungsrate von HIV und einer Virus-spezifischen Immunantwort einher.

Etwa ein bis vier Wochen nach der Infektion können körperliche Symptome auftreten, die aber nicht spezifisch für eine HIV-Infektion sind, sondern auch bei anderen Virusinfektionen (Erkältung oder Grippe, Pfeiffersches Drüsenfieber) auftreten.

 --
Hautausschlag bei aktuer HIV-Infektion

Symptome

Das häufigste Symptom ist Fieber. Zwischen 80 und 95% der frisch Infizierten entwickeln innerhalb des ersten Monats Fieber. Etwas seltener tritt eine Schwellung der Lymphknoten (Lymphadenopathie) an Hals und Nacken sowie in den Achselhöhlen auf. Gut zwei Drittel der frisch Infizierten (~70%) entwickeln eine Rachenentzündung (Pharyngitis) und einen Hautausschlag (Exanthem, siehe Foto). Der Ausschlag ist fleckig mit kleinen Knötchen (makulopapulös) und tritt hauptsächlich im Gesicht und am Körperstamm auf, seltener auch an den Extremitäten. Das Exanthem kann innerhalb von 24 bis 48 Stunden spontan wieder verschwinden. Selten kommt es zu einer geschwürigen (ulzerösen) Entzündung der Mundschleimhaut.

Gleichzeitig bestehen fast immer Allgemeinsymptome wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit (mit Gewichtsverlust), Kopf- und Muskelschmerzen (Myalgien). Selten kommen auch neurologische Erkrankungen vor, wie beispielsweise Entzündungen von Gehirn und/oder Hirnhäuten (Meningoenzephalitis, Meningitis), Nervenschmerzen der Extremitäten (periphere Neuropathie) oder Lähmungserscheinungen im Gesicht.

Symptom Häufigkeit
Fieber 80 %
Hautausschlag 51 %
Orale Ulzera 37 %
Arthralgie 54 %
Pharyngitis 44 %
Appetitverlust 54 %
Gewichtsverlust > 2,5 kg 32 %
Allgemeine Abgeschlagenheit 68 %
Myalgie 49 %
Fieber und Hautausschlag 46 %
((BU)) Leitsymptome der akuten HIV-Infektion (Quelle: HIV-Buch: Die akute HIV-1-Infektion; Hecht et al., 2002)

Die symptomatische Phase der akuten HIV-1-Infektion dauert 7-10 Tage, selten länger als 14 Tage. Die unspezifische Natur der Symptome unterstreicht die Bedeutung einer detaillierten Risikoanamnese. Den größten Voraussagewert für eine akute HIV-Infektion besitzt das gemeinsame Auftreten von Fieber und Hautausschlag innerhalb eines Monats nach einem adäquaten Risikokontakt.

Virus und Immunsystem

Während der akuten HIV-1-Infektion vermehren sich die Viren sehr schnell. Ohne die zu diesem Zeitpunkt noch nicht nachweisbare adaptive Immunantwort erreicht die Konzentration der HI-Viren im Blut (Viruslast) oft Werte von mehr als 100 Millionen Kopien HIV-1-RNA/ml. Es wird angenommen, dass während dieser Zeit wichtige pathogene Prozesse stattfinden. Dazu gehören die Aussaat der Viren in verschiedene Gewebe und die Zerstörung von T-Helferzellen (CD4-T-Lymphozyten) vor allem in Lymphgewebe und im Darm. Während der Rückbildung der Symptome werden HIV-spezifische Antikörper gebildet. Diese Antikörper können mit einem speziellen Testverfahren nachgewiesen werden.

Unmittelbar nach Bildung der HIV-Antikörper fällt die Viruslast deutlich ab und die T-Helferzellen steigen wieder an - zwischen Immunsystem und Virus ist es zu einer Art Gleichstand gekommen. Dieser wird nach spätestens sechs Monaten erreicht. Die Viruslast pendelt sich dann auf eine über längere Zeit stabile, individuell unterschiedliche Höhe ein (viraler Setpoint). Die Höhe des viralen Setpoint erlaubt eine prognostische Aussage über die Dynamik des weiteren Krankheitsverlaufes.

Diagnose

Eine schnelle Diagnose ist wichtig, denn wahrscheinlich werden etwa 50 % aller HIV-Neuinfektionen durch ebenfalls frisch infizierte Patienten verursacht. Aber die akute Infektion wird oft nicht diagnostiziert, da andere virale Erkrankungen ("Grippe" oder Pfeiffersches Drüsenfieber) für die Symptome verantwortlich gemacht werden. Zudem sind in diesem frühen Stadium keine HIV-1-spezifischen Antikörper nachweisbar; die Diagnose erfordert daher neben dem klinischen Verdacht, basierend auf Klinik und Anamnese (Expositionsrisiko), zusätzliche spezifische Tests wie den Nachweis von HIV-1-RNA oder p24-Antigen. Die Diagnose der akuten HIV-1-Infektion muss dann innerhalb der folgenden Wochen mit einem positiven HIV-1-Antikörper-Test (Serokonversion) bestätigt werden.

Therapie?

Nicht endgültig beantwortet ist die Frage, ob es sinnvoll ist, bereits während der akuten HIV-Infektion mit einer antiretroviralen Behandlung zu beginnen - etwa, um irreparable Schädigungen des Immunsystems zu verhindern. Die Studienlage hierzu ist in den letzten Jahren reichhaltiger geworden, jedoch sind die Ergebnisse nicht eindeutig und die Studien nicht differenziert genug, um konkrete Handlungsempfehlungen ableiten zu können. Selbstverständlich werden Patienten behandelt, die verstärkt unter den Symptomen einer akuten HIV-Infektion leiden.

Stand: Februar 2010

Nachrichten

  • PrEP bald in Deutschland

    09. Februar 2016: Antrag auf Zulassungserweiterung eingereicht.weiter

  • Hepatitis-C-Therapie wird billiger

    03. Februar 2016: Der Preis für das in den USA neu zugelassene Medikament Zepatier® (Grazoprevir/Elbasvir) liegt deutlich unter dem von Harvoni® (Sofosbuvir/Ledipasvir).weiter

  • Amerikanische DHHS-Guidelines aktualisiert

    30. Januar 2016: Die wichtigste Änderung betrifft den Therapiebeginn, der in diesen Leitlinien und auch für alle HIV-Infizierten unabhängig von der CD4-Zellzahl empfohlen wird, auch bei akuten HIV-Infektionweiter

  • Acht Jahre nach dem „Swiss-Statement“

    30. Januar 2016: Im Januar 2008 publizierte Eidgenössische Kommission für AIDS-Fragen (EKAF) in der Schweizerischen Ärztezeitung, dass unter einer gut funktionierenden HIV-Therapie Risiko einer HIV-Übertragung vernachlässigbar ist.weiter

  • Erweiterte EU-Zulassung für Daclatasvir

    29. Januar 2016: Daclatasvir kann in Kombination mit Sofosbuvir nun auch bei Hepatitis-Patienten mit einer HIV-Koinfektion und fortgeschrittenen Leberzirrhose sowie bei HCV-Reinfektion nach Lebertransplantation eingesetzt werden.weiter

  • FDA-Zulassung für Elbasvir/Grazoprevir (Zepatier®)

    29. Januar 2016: Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA)hat die orale Kombination Elbasvir/Grazoprevir mit und ohne Ribavirin für die Behandlung erwachsener Patienten mit einer chronischen Hepatitis-C-Infektion vom Genotyp 1 und 4 in einem beschleunigten Verfahren zugelassen.weiter

  • Neuer Preis für AbbVie´s 3D

    24. Januar 2016: Trotz der geringen Preissenkung, bleibt 3D derzeit das günstigste Regime.weiter

  • Rote Hand Brief für Viekirax® mit und ohne Exviera®

    07. Januar 2016: Die Anwendung von Viekirax® mit und ohne Exviera® wird nun für Hepatitis-C-Patienten mit mittelschweren Leberfunktionsstörungen (Child-Pugh-Grad-B) nicht empfohlen ...weiter

  • Hepatitis B: TAF vergleichbar wirksam wie TDF

    06. Januar 2016: Auch in der Behandlung der Hepatitis B ist Tenofoviralafenamid (TAF) genauso wirksam wie Tenofovirdisoproxilfumarat (TDF) - bei besserer Verträglichkeit hinsichtlich Nieren- und Knochenparameter.weiter

  • Metaanalyse bestätigt: HIV-Patienten haben häufiger Risikofaktoren für Krebs

    03. Januar 2016: Eine große Metaanalyse bestätigt, dass HIV-Patienten deutlich häufiger Risikofaktoren für nicht-HIV-assoziierte Tumoren aufweisen als die HIV-negative Normalbevölkerung.weiter

  • PrEP-Studie Ipergay publiziert

    03. Januar 2016: Die Ergebnisse der Ipergay-Studie wurden kürzlich im New England Journal of Medicine publiziert.weiter

  • Unter PrEP erworbene Resistenzen verschwinden rasch wieder

    03. Januar 2016: Resistenzen, die sich unter einer PrEP entwickelt haben, verschwinden rasch nach Absetzen der PrEP.weiter

  • ViiV kauft BMS-Pipeline

    30. Dezember 2015: Bristol-Myers Squibb hat am 18. Dezember 2015 den Verkauf seiner noch nicht zugelassenen Substanzen gegen HIV bekannt gegeben.weiter

  • Neuer Preis für Daklinza®

    27. November 2015: Der Preis wurde um rund ein Drittel gesenkt.weiter

  • Europa: So viele HIV-Neudiagnosen wie noch nie

    26. November 2015: Laut WHO und ECDC gab es im Jahr 2014 mehr als 142.000 HIV-Neudiagnosen in Europa – das ist die höchste Anzahl in einem Jahr seit den frühen 80ger Jahren.weiter

  • PrEP in Frankreich zugelassen

    25. November 2015: Ab Januar 2016 soll die PräExpositionsProphyaxe (PrEP) auch von der Krankenversichung übernommen werden.weiter

  • Genvoya® in Europa zugelassen

    23. November 2015: Das Single Tablet Regime Genvoya® aus Elvitegravir, Cobicistat, Emtricitabin und Tenofoviralafenamid (E/C/F/TAF) kann bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren eingesetzt werden.weiter

  • Neue RKI-Schätzung: 3.200 Neuinfektionen in Deutschland

    09. November 2015: Gegenüber 2013 blieb die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland im Jahr 2014 mit 3.200 Fällen unverändert.weiter

  • FDA-Zulassung für Genvoya®

    06. November 2015: Die Fixkombination aus Elvitegravir, Cobicistat, Emtricitabin und Tenofoviralafenamid (E/C/F/TAF) erhielt die Zulassung von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde.weiter

  • Retardformulierung Cabotegravir plus Rilpivirin

    05. November 2015: Die intramuskuläre Formulierung alle vier oder acht Wochen aus Cabotegravir und Rilpivirin ist genauso wirksam wie die 1x tägliche orale Dreifachkombination aus Cabotegravir plus 2 NRTIs.weiter

  • EMA genehmigt ungeboostertes Atazanavir

    05. November 2015: 400mg Atazanavir ohne Ritonavir kann ab jetzt eingesetzt werden bei Patienten mit Ritonavir-Unverträglichkeit, die seit mindestens sechs Monaten eine supprimierte Viruslast haben und immunologisch stabil sind.weiter

  • Lektin aus Bananen wirkt antiviral

    30. Oktober 2015: Ein genetisch verändertes Lektin aus Bananen – H84T – wirkt in Geweben und Blutproben antiviral gegen HIV, HCV und Influenza.weiter

  • Sport tut auch bei HIV gut!

    30. Oktober 2015: Mindestens 2,5 Stunden pro Woche moderate sportliche Aktivität erniedrigt die Entzündungsparameter und ist auch gut für die Gefäße.weiter

  • Online und frei verfügbar: Gut aufbereitete HIV- und HCV-Studien

    30. Oktober 2015: Die beiden Internetseiten www.arv-trials.com und www.hcv-trials.com bieten eine umfangreiche Übersicht über alle wichtigen in Zeitschriften und auf Kongressen veröffentlichten Studien.weiter

  • Ebola im Sperma

    19. Oktober 2015: Das Ebola-Virus persistiert bis zu 12 Monate im Sperma. Ob eine sexuelle Übertragung möglich ist, ist unklar.weiter

  • STIKO-Empfehlungen für Flüchtlinge

    19. Oktober 2015: Ziele der umfangreichen Empfehlungen sind:weiter

  • Fettgewebe auch ein Reservoir für HIV?

    02. Oktober 2015: Zwei aktuelle Studien deuten darauf hin, dass Fettgewebe ein HIV-Reservoir ist, aber auch eine Rolle bei der Immunaktivierung und Inflammation spielt.weiter

  • PROUD-Studie im Lancet veröffentlicht

    02. Oktober 2015: Die britische Studie zeigte, dass bei schwulen Männern mit einem erhöhten Risiko die Prä-Expositionsprophylaxe mit Tenofovir/Emtricitabin (Truvada®) vor einer HIV-Infektion schützt.weiter

  • WHO fordert HIV-Therapie für alle

    02. Oktober 2015: Jeder Mensch sollte so bald wie möglich nach der HIV-Diagnose eine antiretrovirale Therapie und Menschen mit einem hohen HIV-Risiko eine Präexpositionsprophylaxe erhalten.weiter

  • Positive CHMP-Empfehlung für ungeboostertes Atazanavir

    29. September 2015: Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der europäischen Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt Atazanavir ohne Ritonavir für virologische und immunologisch stabile Patienten.weiter

  • Genvoya® erhält positive CHMP-Empfehlung

    28. September 2015: Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der europäischen Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt, das Single Tablet Regime Genvoya® (E/C/F/TAF) aus Elvitegravir, Cobicistat, Emtricitabin und Tenofoviralafenamid zuzulassen.weiter

  • Neue STIKO-Empfehlungen

    20. September 2015: Än­de­run­gen gibt es bei Impfung gegen Pneumo­kok­ken für Kinder, Menin­go­kok­ken-B, Gelb­fie­ber und der pas­si­ven Immuni­sie­rung gegen Windpocken.weiter

  • 3D-Regime unter Alltagsbedingungen

    20. September 2015: Zwischenergebnisse der unabhängigen AMBER-Studie ergaben eine SVR12 für 98 % (n = 39 / 40) der Patiente.weiter

  • Neuer Preis für Ledipasvir/Sofosbuvir

    20. September 2015: Das Unternehmen Gilead hat sich mit dem GKV Spitzenverband vorzeitig auf einen Preis für Ledipasvir/Sofosbuvir (Harvoni®) geeinigt.weiter

  • EMA: Label-update Daclatasvir für HCV-Genotyp 3

    13. September 2015: Daclatasvir (Daklinza®) kann nun auch in Europa in Kombination mit Sofosbuvir als 12-wöchige Therapie beim HCV-Genotyp 3 eingesetzt werden.weiter

  • WHO: Bis 2030 virale Hepatitis eliminieren

    13. September 2015: Die WHO ruft zu einem ehrgeizigen Ziel auf: Bis 2030 soll es keine virale Hepatitiden mehr geben.weiter

  • Stipendium der deutschen Leberstiftung

    01. September 2015: Die Deutsche Leberstiftung hat das Stipendium für den Forschungsaustausch neu ausgeschrieben – Bewerbungsschluss 28. Februar 2016.weiter

  • Simeprevir – Änderung der EMA-Zulassung

    01. September 2015: Simeprevir in Kombination mit Sofosbuvir kann jetzt auch unabhängig von der Interferonverträglichkeit oder einer Dringlichkeit verschrieben werden.weiter

  • Rilpivirin – Label-update der FDA

    01. September 2015: Rilpivirin ist in den USA nun auch zugelassen für die Behandlung von therapienaiven Jugendlichen ab 12 Jahren (Viruslast < 100.000 Kopien/ml). Gleichzeitig wurden die Daten zu Depression und adrenaler Funktion aktualisiert.weiter

Nachrichten-Archiv weiter