Aktuelle Beiträge zum Thema:
HIV-PrEP
Präexpositionsprophylaxe (PrEP)
Zur PrEP werden HIV-Medikamente eingesetzt, die verhindern sollen, dass sich das Virus nach dem Eindringen in den
Körper nicht vermehren kann. Im Tierversuch wird dieser Ansatz seit Jahren untersucht mit wechselndem Erfolg. Nun zeigt
sich ein Lichtstreifen am Horizont. Erstmal erwies sich ein Tenofovir-haltiges Vaginalgel bei afrikanischen Frauen als
schützend und jetzt die tägliche Tabletteneinnahme bei schwulen Männern. Dabei zeigte sich allerdings auch, dass der
Schutz nicht 100% zuverlässig ist, sondern abhängig ist von der konsequenten Anwendung.
PrEP vermindert HIV-Risiko um 44%
Die PrEP gehört zu den sogenannten biomedizinischen Präventionsmaßnahmen und bedeutet, dass HIV-Negative Medikamente Aids-Medikamente einnehmen, um sich vor einer HIV-Infektion zu schützen. Die Studie iPrEx (Pre-exposure Prophylaxis Initiative) ist die erste mehrerer weltweit laufender Studien zur Wirksamkeit der PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe), die Ergebnisse geliefert hat. An der kontrollierten und randomisierten Untersuchung nahmen 2.499 HIV-negative Männer, die Sex mit Männern haben, teil. Die Männer waren im Schnitt 27 Jahre alt. 68% waren Südamerikaner und 54% konsumierten mehr als 5 alkoholische Getränke pro Tag.
Siehe auch:
Kommentar Dr. Ramona Pauli
Endlich – der Durchbruch ist
geglückt!
HIVReport zu PrEP
http://www.hivreport.de/hivreport.php?id=5980
Bessere Therapietreue = bessere Wirksamkeit
Die Hälfte der Männer nahm einmal täglich eine Tablette des HIV-Medikamentes Tenofovir/Emtricitabin (Truvada®), die andere Placebo ein. Alle Studienteilnehmer wurden zu Safer Sex beraten, erhielten kostenlos Kondome und wurden alle vier Wochen untersucht.
Im Lauf der dreijährigen Laufzeit der Studie infizierten sich insgesamt 100 Männer mit HIV, 64 in der Plazebo-Gruppe und 36 in der PrEP-Gruppe. Resistenzen von HIV gegen das vorbeugende Medikament wurden nicht beobachtet.
Die Wirksamkeit der PrEP korrelierte mit der Ahärenz und mit dem Medikamentenspiegel im Blut. Bei Studienteilnehmer, die mehr als die Hälfte aller Tabletten eingenommen hatten, lag die Wirksamkeit der PrEP bei 50%. Bei einer Adhärenz über 90% (d.h. 90% der Tabletten wurden eingenommen) sank die Rate von HIV-Neuinfektionen sogar um 73%. Einen wirksamen Medikamentenspiegel im Blut hatten 51% der HIV-negativ geblieben Männer und nur 9% der Männer, die sich angesteckt hatten. Eine Adhärenz von 100%, d.h. es wurde keine einzige Tablette vergessen, könnte nach Berechnungen der Forscher somit bis zu 95% der Infektionen verhindern.
Die Verträglichkeit des HIV-Medikamentes war gut. Nebenwirkungen wurden während der maximal dreijhrigen Beobachtungszeit nur selten beschrieben (Übelkeit; erhöhte Kreatinin-Werte).
Die Untersuchung wurde finanziert vom amerikanischen US National Institutes of Health (NIH) und der Bill and Melinda Gates Foundation. Die Medikamente wurden vom Hersteller Gilead Sciences zur Verfügung gestellt.
Empfehlungen beim Einsatz der PrEP
Die CDC ist dabei, Leitlinen für die PrEP als Präventionsstrategie zu erarbeiten. Bis dahin gibt die CDC Ärzten und Männern, die die PrEP einsetzen wollen, folgende Empfehlungen:
- Die Wirksamkeit einer PrEP ist nur bei MSM belegt. Zu heterosexuellen Paaren und intravenösen Drogengebrauchern liegen keine Daten vor.
- Das einzige Medikament, das in iPrEx geprüft wurde, ist Truvada® und daher sollte nur dieses Medikament für eine PrEP in Betracht gezogen werden. Truvada® ist derzeit nicht für die PrEP zugelassen
- Eine PrEP kommt nur für Patienten mit nachgewiesenem negativen HIV-Status in Frage. Ein initialer sowie regelmäßige HIV-Folgetests sind obligat. Zudem müssen Begleiterkrankungen, die gegen den Einsatz einer PrEP sprechen, ausgeschlossen sein.
- PrEP sollte nie Mittel der Wahl zum Schutz vor HIV sein. Die PrEP ist nur teilweise wirksam und nur in Kombination mit regelmäßigen HIV-Tests, Kondomen und anderen bewährten Präventionsmethoden. PrEP schütz nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Männer, die Sex mit Männern haben, sollten weiterhin
- immer Kondome benutzen
- ihren HIV-Status und den ihrer Partner kennen
- sich auf sexuell übertragbare Infektionen wie Syphilis und Gonorrhoe untersuchen und ggf. behandeln lassen
- sich informieren und die Reduktion von Drogengebrauch und riskantem sexuellen Verhalten unterstützen
- die Zahl ihrer Sexpartner vermindern
- Die tägliche Einnahme der PeRP ist ein kritischer Punkt. In der Studie iPrEx bot die PrEP nur dann hohen Schutz, wenn die Tabletten jeden Tag eingenommen wurden. Der Schutz war bei nicht regelmäßiger Einnahme gering.
- Die PrEP erfordert eine enge Zusammenarbeit mit einem Arzt, um sicher zu stellen, dass regelmäßig HIV-Tests sowie Beratungen zu Risikoreduktion und Adhärenz durchgeführt und die Sicherheit der Medikation überwacht werden.
Stand: November 2010
Bei
HIV-negativen Männern vermindert die tägliche Einnahme eines Aids-Medikamentes die Rate neuer HIV-Infektionen um 44%.
Die Wirksamkeit der Präexpositions-Prophylaxe kann bei optimaler Adhärenz rechnerisch sogar über 90% erreichen. 


