Ramona Pauli, München:
DAGNÄ-Geschäftsstelle zieht nach Berlin

Auf einer mit Spannung erwarteten Mitgliederversammlung der DAGNÄ wurde darüber abgestimmt, ob die Geschäftsstelle des Vereins weiterhin in Aachen bleibt oder nach Berlin verlegt wird. Die Abstimmung war vom Vorstand angesetzt worden, der sich nicht über den Standort einigen konnte. Nach intensiver Diskussion fiel die Entscheidung für Berlin. Doch einen Sieger gibt es nicht, das Vertrauen der Mitglieder in die Führung des Vereins ist angeschlagen.

Im Mittelpunkt des Konfliktes im Vorstand der DAGNÄ stand nicht nur die Frage des Standortes der Geschäftsstelle, sondern auch, ob es wie bisher einen geschäftsführenden Vorsitzenden oder einen externen Geschäftsführer geben sollte. In der ersten Vorstandssitzung (Knud Schewe abwesend) am Tag nach der letzten Vorstandswahl im September trat Heribert Knechten, Aachen, wie in den Jahren zuvor das Amt des geschäftsführenden Vorsitzenden der DAGNÄ an. In der gleichen Sitzung wurde von Hans Jäger, München, die Trennung von Geschäftsstelle und geschäftsführendem Vorsitzenden bzw. Umzug der Geschäftsstelle und Einstellung eines hauptamtlichen Geschäftsführers vorgeschlagen. Dies wurde von Heribert Knechten abgelehnt.

STREIT UM STANDORT

DAGNÄ-Mitglieder in der Diskussion
DAGNÄ-Mitglieder in der Diskussion

Die Abstimmung im Vorstand zur Verlegung des Standortes ergab vier Stimmen für den Umzug und eine Enthaltung. Im weiteren Verlauf verhärteten sich die gegensätzlichen Positionen. In Aachen wurden ohne Zustimmung der übrigen Vorstände neue Mitarbeiter eingestellt, in Berlin Räume für die neue Geschäftsstelle avisiert. Im Januar rief Heribert Knechten dann in einem nicht mit den anderen Vorstandsmitgliedern abgestimmten Rundbrief die DAGNÄ-Mitglieder zu einer Abstimmung über den Standort der Geschäftsstelle auf, da seiner Meinung nach ein Umzug der Geschäftsstelle einer Zustimmung der Mitglieder bedarf. Es folgten ein Aufruf der anderen vier DAGNÄ-Vorstände sowie einzelner Landesverbände, sich nicht an dieser Abstimmung zu beteiligen. Schließlich einigte man sich, die Frage auf der DAGNÄ-Versammlung zu klären.

POSITION KNECHTEN

Von links nach rechts: Der DAGNÄ-Vorstand Knechten, Jäger, Klauke, Mayr und Schewe
Von links nach rechts: Der DAGNÄ-Vorstand Knechten, Jäger, Klauke, Mayr und Schewe

In München nahm zunächst Heribert Knechten Stellung. Er verwies auf seine bislang sehr erfolgreiche Arbeit als geschäftsführender Vorsitzender, die breite Unterstützung der Industrie und die weit reichenden Kontakte, die er für die DAGNÄ erwirken konnte. Der rasche Vorstoß des Vorstandes nach der Wahl habe ihn überrascht, dieser habe sich davor für ihn nicht so abgezeichnet. Ein Umzug der Geschäftsstelle bedeute für den Verein abgesehen von den Kosten, den Verlust eines funktionierenden Systems.

POSITION JÄGER, KLAUKE, MAYR, SCHEWE

Für die anderen vier Vorstände sprach Knud Schewe, Hamburg. Er beschrieb eine "geringe Trennschärfe" zwischen der DAGNÄ-Geschäftsstelle und der Praxis Blondelstraße sowie der INSTO GmbH. Des Weiteren hätte ein Konflikt zwischen Knechten und Armin Götzenich letzteren zum Verlassen des Vereins bewogen. Der Rücktritt von Götzenich kurz nach der Wahl im September sei für alle überraschend gewesen. In jüngster Zeit sei zudem auch die Vorstandsarbeit durch Verzögerungen der Abläufe in Aachen behindert gewesen. Eine Verlegung der Geschäftsstelle nach Berlin sei für die weitere Arbeit des Vorstandes dringend notwendig.

VOR ALLEM ENTTÄUSCHUNG

Es folgten Beiträge der Mitglieder, die in erster Linie Enttäuschung/Ärger über den Streit, den Vertrauensverlust sowie mangelnde Transparenz vor der letzten Vorstandswahl thematisierten. Hans Jäger räumte ein, er und Christoph Mayr, Berlin hätten bereits während vieler Monate vor der Wahl versucht, den Konflikt zwischen Knechten und Götzenich zu glätten, es sei aber nicht gelungen. Im Lauf dieser Gespräche seien aber schon "einige Dinge klarer geworden und Ideen entstanden", so dass man sich nach der Wahl rasch über neue Vorschläge einig war - ein konkretes Konzept habe es aber vor der Wahl nicht gegeben. Im Hinblick auf die früheren Prüfungen der DAGNÄ-Finanzen, erklärte Stefan Mauss, Düsseldorf, als ehemaliger Kassenprüfer, er habe naturgemäß keinen Einblick in die INSTO GmbH gehabt und somit kein klares Bild gewinnen können. In der anschließenden Abstimmung stimmten die Mitglieder folgendermaßen: 57 für Aachen, 95 für Berlin, vier Enthaltungen.

KNECHTEN LEGT ALLE ÄMTER NIEDER

Gleich auf der Mitgliederversammlung legte Knechten das Amt des geschäftsführenden Vorstandes nieder. Zwei Wochen später legte er mit sofortiger Wirkung die Funktionen Geschäftsführung und Buchhaltung nieder und trat auch als Mitglied des Vorstandes zurück.

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