Kommentar von Dr. Rainer Jordan, Witten
Empfehlungen erschweren Umgang mit HIV-Patienten


OA Dr. med. dent. A. Rainer Jordan

OA Dr. med. dent. A. Rainer Jordan,
M.Sc Leiter der Abteilung für Zahnärztliche Propädeutik Universität Witten/Herdecke
Fakultät für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Alfred-Herrhausen-Str. 50 58448 Witten
E-Mail: andreas.jordan@uni-wh.de

Laut Untersuchungen sehen sich Zahnärzte einem beträchtlichen HIV-Infektionsrisiko ausgesetzt (Coulter et al., 2000). Diese Ängste stehen deutlich im Gegensatz zu den bisher verfügbaren Daten und veröffentlichten retrospektiven und prospektiven Studien, in denen das Übertragungsrisiko untersucht worden ist. Scully und Porter (Scully et al., 1991) haben in einer Literaturübersicht dargestellt, dass das Risiko einer HIV-Übertragung auf Gesundheitspersonal extrem gering ist. Bis Juni 1990, also etwa 10 Jahre nach den ersten Veröffentlichungen zu AIDS-Erkrankungen in den Vereinigten Staaten, war bei 19 Personen eine berufliche HIV-Übertragung von Patienten auf medizinisches Personal weltweit gesichert. Es gibt allerdings keinen nachgewiesenen Fall einer beruflichen Übertragung von HIV auf zahnärztliches Personal. Das im Vergleich zu HBV deutlich geringere Infektionsrisiko wird vor allem durch die sehr viel niedrigeren Viruskonzentration im Blut HIV-seropositiver im Vergleich zu HBV-seropositiver Personen erklärt. Dies gilt insbesondere für antiretroviral behandelte Patienten (Vernazza et al., 2008), jenen also, die ihren HIV-Serostatus sicher kennen. Die meisten therapierten Patienten haben Konzentrationen im Bereich unter 100 infektiösen Viruspartikeln/ml Serum. Diese geringe Konzentration macht eine Übertragung selbst bei perkutanem Kontakt mit HIV-infiziertem Blut (Nadelstichverletzung) unwahrscheinlich. Das Risiko wurde 1997 in einer Übersichtsarbeit mit 0,3% angegeben (zum Vergleich: HCV 3%, akute HBV 30%). Diese Zahlen beziehen sich auf medizinisches Personal im Allgemeinen. Für Nadelstichverletzungen in der Zahnheilkunde ist das theoretische Risiko vermutlich geringer, da hier wesentlich dünnere Injektionsnadeln verwendet werden (27-Gauge oder 0,22 mm interner Durchmesser (Zahnmedizin) gegenüber 16- bis 22-Gauge oder 1,19 mm bis 0,43 mm (Allgemeinmedizin). Die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention, die auch die Zahnmedizin einschließen, vereinfachen die routinemäßige Behandlung von Menschen mit HIV in der Zahnarztpraxis nicht gerade und sind vor einem biologischen Verständnis heraus schwer erklärlich. Gerade bei Patienten, die sich möglicherweise einer HIV-Infektion nicht bewusst sind und daher eine hohe Viruslast aufweisen können, und daher auch keine Auskunft über ihre Infektion geben können, greifen die besonderen Schutzmaßnahmen nicht. Hier scheint ein logischer Bruch vorzuliegen, der in der weiteren Entwicklung der Empfehlungen berücksichtigt werden sollte. Er ist abschließend sicher nicht förderlich für einen unverkrampften Umgang mit Patienten mit HIV in der zahnärztlichen Praxis.

Ausgabe 3 - 2010Back

Nachrichten

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    17. Mai 2013: Die List der meldepflichtigen Erkrankungen nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) würde um Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfälle von Mumps. Pertussis, Röteln und Varizellen erweitert (Arzt-Meldepflicht).weiter

  • FDA gibt Simeprevir priority

    16. Mai 2013: Der Zulassungsantrag des HCV-Proteasehemmers der zweiten Generation wird von der amerikanischen Zulassungsbehörde bevorzugt bearbeitet.weiter

  • Interferon-frei Triple-DAA ist ein Durchbruch

    16. Mai 2013: Die Therapie mit drei direkt antiviralen Substanzen stellt bei der Hepatitis C-Therapie einen Durchbruch dar, meint die amerikanische FDA.weiter

  • Impfung gegen Borreliose

    15. Mai 2013: Am Institut für Tropenmedizin des Universitätsklinikums Tübingen wurde in den vergangen beiden Jahren eine klinische Studie zu einer Vakzine gegen die Lyme-Borreliose durchgeführt.weiter

  • Keine Zulassung für Elvitegravir und Cobicistat als Einzelmedikamente

    02. Mai 2013: Die amerikanische FDA hat einen entsprechenden Zulassungsantrag des Unternehmen Gilead Sciences abgelehnt.weiter

  • HIV-Impfstudie gestoppt

    27. April 2013: Die amerikanische Impfstudie HVTN 505 wurde vorzeitig wegen Unwirksamkeit beendet.weiter

  • Bayerische HIV-Testwoche 2013

    24. April 2013: Vom 13. bis zum 17. Mai bieten Gesundheitsämter, AIDS-Beratungsstellen und AIDS-Hilfen in Bayern neben ihren regelmäßigen Angeboten unter dem Motto „Test jetzt!“ neue Gelegenheiten, sich auf HIV testen zu lassen – wie immer anonym, vertraulich und mit kompetenter Beratung.weiter

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    17. April 2013: Zulassung für Sofosbuvir beantragt Das Unternehmen Gilead Scieneces hat in den USA die Zulassung für das Nukleotid Sofosbuvir beantragt und zwar…..weiter

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    01. April 2013: Das Unternehmen Janssen hat bei der amerikanischen FDA die Zulassung für den HCV-Proteasehemmer Simeprevir beantragt.weiter

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    25. März 2013: Der wissenschaftliche Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA)hat ein positives Votum für die Zulassung von Stribild® für die initiale HIV-Therapie abgegeben.weiter

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    16. März 2013: Die Meldepflicht wurde am 1. März 2013 eingeführt und besteht vorerst bis 2018weiter

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    28. Februar 2013: Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat den Integrasehemmer Raltegravir zur Behandlung von HIV-1-infizierten Kindern ab zwei Jahren mit einem Körpergewicht von mindestens 12 Kilogramm zugelassen.weiter

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    18. Februar 2013: Die amerikanische Zulassungsbehörde hat dem neuen Integrasehemmer Dolutegravir „Priority Review“ gegeben, d.h. eine bevorzugte Bearbeitung des Zulassungsantrags.weiter

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    18. Februar 2013: Im Update der amerikanischen Leitlinien wird die antiretrovirale Therapie für alle HIV-Infizierten empfohlen.weiter

  • Akute HIV-Infektion

    18. Februar 2013: Neue Studien zeigen den Nutzen der ART bei früher HIV-Infektion im Hinblick auf die Immunrekonstitution. Daten zu klinischen Endpunkten fehlen jedoch.weiter

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    18. Februar 2013: Interferon scheint nicht nur die Immunantwort auf HIV zu stärken, sondern auch latentes Genom zu vermindern.weiter

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    18. Februar 2013: Neue Optionen der HCV-Therapie stehen vor der Tür. Dennoch sollte man nicht bei allen Patienten mit der Behandlung warten.weiter

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