Plenary-Speakers IAS 2021
Plenary-Speakers IAS 2021

Interview mit Prof. Hendrik Streeck
Hochkarätige Wissenschaft im Netz

Hendrik Streeck   IAS 2021  Local Co-Chair Germany University of Bonn
Hendrik Streeck
IAS 2021
Local Co-Chair Germany University of Bonn

Die Tagung der Internationalen Aids Gesellschaft (IAS) wird gerne auch „wissenschaftlicher WeltAidsKongress“ bezeichnet, denn im Mittelpunkt steht die HIV-Forschung. In diesem Jahr wird die Konferenz überwiegend virtuell stattfinden. Prof. Hendrik Streeck, Bonn, ist der lokale Kongresspräsident.

Die 11. IAS-Tagung wird in Berlin stattfinden. Wann ist diese Entscheidung gefallen und warum gerade Deutschland und Berlin?

Streeck: Ähnlich wie bei der Olympiade muss man sich bei der IAS als „Austragungsort“ bewerben. Bei unserer deutschen Bewerbung haben viele Akteure an einem Strang gezogen: Die Deutsche Aids-Gesellschaft, die Deutsche Aids-Hilfe, die Deutsche Aids-Stiftung, das Bundesgesundheitsministerium, die Stadt Berlin mit der Messe Berlin und viele andere.

Gegen welche Städte hat Berlin gewonnen?

Streeck:(lacht) Wer sich noch beworben hat, weiß ich nicht. Die IAS hat das nicht bekannt gegeben ….

Was ist Ihre Rolle als „Local Co-Chair“?

Streeck:Zunächst ging es darum einen Förderantrag beim NIH zu stellen, wo wir bereits unsere Idealvorstellung des Programms ausformuliert haben. Dieses Programm haben wir dann ausgebaut, internationale Track Chairs für die einzelnen Bereiche eingeladen und gemeinsam eine wirklich spannende wissenschaftliche Konferenz zusammengestellt.

Auch die deutsche Politik ist eingebunden. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel soll eine Rede halten. War es schwierig, sie zu gewinnen?

Streeck:Die Anfrage lief über das Gesundheitsministerium, d.h. ich habe Frau Merkel nicht persönlich gefragt (lacht). Über ihre rasche Zusage haben wir uns gefreut, auch dass Herr Spahn an einer Podiumsdiskussion mit Anthony Fauci teilnehmen wird, zeigt das Engagement von dieser Seite. Enttäuscht bin ich dagegen von der kommentarlosen Absage des Bundesforschungsministerium.

Ein neuer und deutscher Aspekt der Konferenz ist der „einführende Moderator“ bei den Hauptsitzungen. Diese Rolle übernimmt Eckhard von Hirschhausen, der hierzulande eher für die humorigen Aspekte der Medizin bekannt ist.

Streeck: Es war schwierig, jemanden zu finden, der diese Rolle passend übernehmen kann. Eckhard von Hirschhausen ist nicht nur Mediziner, sondern spricht auch gut Englisch und kann Sachverhalte spannend rüberbringen. Er kann auch – salopp gesagt – trockene Wissenschaft moderieren und wenn er etwas Humor mit ins Spiel bringen sollte, kann das nicht schaden. Ich bin jedenfalls sehr gespannt.

Auf der Webseite des Kongresses ist der Slogan zu lesen: „Die einflussreichste wissenschaftliche HIV-Konferenz“. Das ist ein sehr hoher Anspruch. Was unterscheidet diesen Kongress von anderen Veranstaltungen?

Streeck:Das ist der richtige Anspruch für eine Weltkonferenz. Auch wenn es vornehmlich um wissenschaftliche Themen geht, werden auch politische Aspekte thematisiert. Berlin wird auch als „Tor nach Osteuropa“ bezeichnet und so wird zum Beispiel die HIV Pandemie, Stigma und Diskreminierung in Osteuropa ein Thema sein. Ein weiteres Beispiel: In der Session „From Pandemic to Pandemic“ diskutieren Wissenschafter und Politiker. Aber die Sicht der IAS ist immer von der Wissenschaft zur Politik und nicht umgekehrt.

Können Sie ein paar Tipps zu den Highlights geben? Was sollte man auf keinen Fall verpassen?

Streeck: Es gibt so viele Highlights und ich denke, dass sich jeder Teilnehmer selbst seine eigenen Schwerpunkte setzt. Ich persönlich empfehle die Session zum Thema HIV & COVID-19 und die Rolle des Klimawandels, die Hauptsession zu HIV-Impfstoffen und zu sexuell übertragbaren Erkrankungen in Europa. Darüber hinaus
organisiert die IAS – sofern es die Pandemie erlaubt – eine Präsenzveranstaltung mit der DAIG als Partner. Es gibt übrigens eine Rekordanzahl an Satelitenprogrammen zu vielen verschiedenen Themen. Das zeigt wie wichtig dieses Thema auch während der COVID-19 Pandemie weiterhin ist.

Einige Highlights der IAS-Konferenz:

  • Erste Studie zu Lenacapavir, einem neuen langwirksamen Kapsidinhibitor, bei therapie-naiven Patienten
  • Neue Evidenz zur Sicherheit und Wirksamkeit beim Switch von einem 3D- zu einem 2D-Regime
  • Erster Bericht zu einem selbstauflösenden Implantat mit mehreren Substanzen zur PrEP
  • Fortschritte bei 3D-gedruckten intravaginalen Ringen zur HIV-Prophylaxe und Antikonzeption
  • Neue Erkenntnisse zum Virus-Reservoir bei perinatal HIV-infizierten Kindern und Jugendlichen und ihre Bedeutung für die Heilungsforschung


Welche Rolle spielt COVID-19 auf der Konferenz?

Streeck:Im Mittelpunkt der Konferenz steht HIV mit allen Facetten von der Prävention bis AIDS. Zu COVID-19 wird es aber auch einige interessante Sitzungen geben.

COVID-19 hat die Infektiologen in aller Welt im klinischen Alltag stark beschäftigt. Auch Sie sind ja ein von den Medien sehr gefragter Experte. Welche Auswirkungen hat das auf die HIV-Forschung?

Streeck: Der Bedarf und der Druck, COVID-19 zu erforschen war und ist sehr hoch und daher ist es nur verständlich, dass hier Gelder für diese Forschung frei gemacht werden mussten. Welche Auswirkungen das auf
andere Bereiche hat, werden wir erst in ein paar Jahren wirklich sehen. Im Bereich der Impfstoff-Forschung weiß ich konkret von einigen Projekten, die deshalb gestoppt worden sind. Im Bereich meiner HIV-Forschung laufen diese Studien genauso weiter. Unsere Arbeitsgruppe ist geteilt. Durch das Auftreten der einen Pandemie, ist die andere nicht beendet.

Mittlerweile haben wir uns ja an virtuelle Kongresse gewöhnt. Wird es neue Formate geben?

Streeck: Die virtuellen Kongresse sind technisch viel besser geworden, man wird beispielsweise online abstimmen können. Das Besondere an diesem IAS-Kongress wird jedoch das Hybrid-Format sein, d.h. Teilnehmer von Live-Sessions und virtuelle Teilnehmer können direkt ontime interagieren.

Werden Sie persönlich in Zukunft – wenn dann möglich – wieder zu den Kongressen reisen?

Streeck: Sicherlich! Ich freue mich schon darauf die KollegInnen, endlich persönlich wieder zu sehen und mich auszutauschen. Der Informationsfluss am Rande zu anstehenden Projekten, nicht publizierten Beobachtungen, kontroversen Interpretationen usw. ist mindestens genauso wichtig wie die Vorträge. Das kann das Internet einfach nicht ersetzen.



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