Tag 2: Fokus auf die Jugend, Impfstoffe und Poster

Seattle, 15.02. 2017

Plenary PL-2

Abstract 58 Shannon L. Hader, „(Preventing) The Coming Epidemic: HIV in Youth“

Die Prävention von HIV-Infektionen, speziell bei afrikanischen Jugendlichen, birgt große Herausforderungen. Zunächst gilt es, den typischen Infektionszyklus zu durchbrechen: Junge Frauen sammeln ihre ersten sexuellen Erfahrungen mit Männern, die etwa 10 Jahre älter sind als sie selbst (und die nur in etwas 20% der Fälle von ihrer HIV-Infektion wissen). Dabei stecken sich viele mit HIV an. Später gehen sie eher sexuelle Beziehungen mit gleichaltrigen ein und stecken dabei die jungen Männer an usw. Gleichzeitig erleben viele Jugendliche sexuelle und nicht-sexuelle Gewalt. Etwa ein Viertel der jungen afrikanischen Mädchen erleben ihre erste sexuelle Erfahrung als Vergewaltigung. Menschen, die selbst Gewalt erlebt haben, geben diese oft auch weiter. Auch dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden. Weitere Faktoren wie Hunger, HIV-Erkrankung der Eltern, Schulabbruch und andere verschärfen die Situation. Gleichzeitig stehen heute mehr Präventionsmethoden als je zuvor zur Verfügung. Diese müssen eingebettet werden in ein Empowerment-Programm, das es den jugendlichen erlaubt, letztendlich ihr Infektionsrisiko zu verringern.

Ideen zur Prävention gibt es genug. Doch die Umsetzung erfordert vor allem Geld.

Ideen zur Prävention gibt es genug. Doch die Umsetzung erfordert vor allem Geld.


Abstract 59 Barney S. Graham, “Antiviral Vaccine Development from A(Aids) to Z(Zika)”

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Menschheit einer Vielzahl von Herausforderungen durch virale Erkrankungen gegenüber gesehen. HIV, Ebola, Zika, Chikunguya, West-Nil-Virus, SARS und MERS sind nur einige davon. Bei einer immer weiter wachsenden Bevölkerung reichen heute die traditionellen Public-Health-Ansätze nicht mehr aus; neue Wege in der Bekämpfung, vor allem bei der Produktion von Impfstoffen, sind gefragt.

Durch die moderne Biotechnologie konnte die Zeitspanne bis zur Produktion eines wirksamen Impfstoffs teilweise auf vier Monate verringert werden. Sobald ein Impfstoff für ein Virus aus einer Virenfamilie zur Verfügung steht, können durch eine Art „Plattformtechnik“ Impfstoffe gegen andere Vertreter relativ schnell generiert werden. Dabei sind aber enorme logistische Hürden zu meistern, die in Zukunft wohl nur durch die vermehrte Zusammenarbeit akademischer, stattlicher und privater Institute geschafft werden können.

In den letzten 117 Jahren wurden eine Reihe viraler Bedrohungen entdeckt.
In den letzten 117 Jahren wurden eine Reihe viraler Bedrohungen entdeckt.


Oral Abstract O-5: Role of Host and Immune Factors in HIV Infection

Von diesen sehr grundlagenwissenschaftlichen Vorträgen stach für mich besonders einer hervor:

Abstract 64LB Christina Guzzo, “Virion Incorporation of Integrin α4β7: Implications for HIV-Pathogenesis”

Integrin α4β7 erregte vor kurzem Aufsehen, weil ein dagegen gerichteter Antikörper bei Affen zusammen mit einer ART den Wiederanstieg der Viruslast nach Absetzen der ART bei einigen Tieren verhindern konnte – auch bis zu 2 Jahre nach Absetzen des Antikörpers. Da dieser Antikörper bereits für die Anwendung beim Menschen zugelassen ist (Vedolizumab), wurden sofort entsprechend Studien bei HIV-Infizierten gestartet.

In der hier besprochenen Arbeit wurde gezeigt, dass Integrin α4β7 in die Virusmembran eingebaut wird. Dies führt dazu, dass Viren, die im Immunsystem des Darms (GALT) gebildet werden, auch bevorzugt dort neue Zellen infizieren. Das bedeutet aber auch, dass der Antikörper gegen Integrin α4β7 wahrscheinlich eine direkte antivirale Wirkung hat, was die Studie am Menschen noch interessanter macht.

Eine der interessantesten Studien der letzten Zeit, auf die viele große Hoffnungen setzen.

Eine der interessantesten Studien der letzten Zeit, auf die viele große Hoffnungen setzen.


Oral Abstract O-8 Common Bedfellows: PrEP, STIs and the Microbiome

Abstract 91LB Jean-Michel Molina, “On Demand Post Exposure Prophylaxis with Doxycycline for MSM enrolled in a PrEP Trial”

Da es in PrEP-Studien oft zu einem Anstieg von STIs kommt, entschloß man sich in der Verlängerung der ANRS IPERGAY Studie, den Probanden randomisiert eine antibakterielle PEP anzubieten. Dazu wurden 232 Studienteilnehmer randomisiert; 116 erhielten Doxycyclin von dem sie innerhalb von 72 Studien nach dem Sex 200mg (2 Pillen) einnehmen sollten. Alle Teilnehmer erhielten eine Beratung zur Risikoreduktion, Kondome und alle 8 Wochen Tests auf HIV und STIs. Dabei wurden auch Urinproben sowie orale und anale Abstriche untersucht. Nach einer medianen Nachbeobachtung von 8,7 Monaten gab es 28 STI im PEP-Arm im Vergleich zu 45 Infektionen im Arm ohne PEP (HR=0,53, p=0,08). 71% der STI waren asymptomatisch und die Teilnehmer schluckten im Durchschnitt 7 Pillen pro Monat. 8 Teilnehmer beendeten die Teilnehmer wegen gastrointestinaler Nebenwirkungen. Die langfristige Effektivität dieser Strategie und die mögliche Auswirkung auf eine Resistenzentwicklung muss weiter untersucht werden.

Poster 451LB Ingeborg Wijting, „Dolutegravir as Maintenance Monotherapy for HIV-1: A Randomized Clinical Trial“

Die hohe genetische Resistenzbarriere von Dolutegravir (DTG) lässt eine Monotherapie möglich erscheinen. In einer randomisierten Vergleichsstudie von 50mg DTG gegen eine herkömmliche Dreifachkombination bei 104 Patienten erwies sich die Monotherapie nach 24 Wochen als nicht unterlegen. Daraufhin wurden auch die Mehrheit der Patienten aus der Dreifachkombinationsgruppe auf DTG-Mono umgestellt. In der Folge erhielten also 96 Patienten DTG-Mono. Als 77 der 96 Woche 48 der Monotherapie erreicht hatten, waren 8 Fälle virologischen Versagens aufgetreten, davon 6 mit nachgewiesenen Resistenzmutationen (155H, 263H und die bis dato noch nicht beschriebene Mutation 230R). Aufgrund der vordefinierten Stop-Regel wurde die Studie abgebrochen. Die genetische Barriere von Dolutegravir ist offensichtlich nicht hoch genug um eine Monotherapie zu rechtfertigen.

Portion of Patients experiencing VF by liklihood of statin exposure based on propensity score

Patienten, die mehr als 60% Statin-Adhärenz aufwiesen, hatten das geringste Risiko für virologisches Versagen (VF, virologic failure).

Poster 468 Henning J. Drechsler, „Current Statin Use Reduces Risk of Viral Rebound on Suppressive CART“

Obwohl Statine in-vitro einen anti-HIV-Effekt zeigen, konnte dieser bisher in Studien nicht gezeigt werden. Hier wurden die Daten von 19.324 aus der Veterans Affairs Kohorte ausgewertet. Die mediane Beobachtungszeit betrug 5,9 Jahre. Zunächst zeigte sich ein günstiger Einfluss aller untersuchten Herz-Kreislauf-Medikamente. In der mulitvarianten Analyse blieb jedoch nur der gegenwärtige Statingebrauch als protektiver Faktor in Bezug auf virologisches Versagen übrig (HR=0,83). Der Mechanismus dieses Effekts ist unklar.



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