Post-hoc Analyse ARTEMIS: Lopinavir/r QD weniger wirksam als BID

In der ARTEMIS-Studie wurden die beiden geboosterten Proteasehemmer Darunavir/r QD und Lopinavir/r (möglich war BID und QD) bei therapienaiven Patienten direkt miteinander verglichen: Nach 48 Wochen war Darunavir/r Lopinavir/r insgesamt nicht unterlegen und bei Patienten mit >100.000 HIV-RNA Kopien/ml überlegen. Eine aktuelle Post-hoc-Analyse zeigt nun, dass Lopinavir/r QD vor allem bei Patienten mit hoher Viruslast weniger wirksam war als Lopinavir/r BID.

Insgesamt 689 therapienaive Patienten erhielten in der ARTEMIS-Studie entweder 800/100mg Darunavir/r QD oder je nach Zulassung, Arztentscheidung oder Patientenwunsch 800/200mg Lopinavir/r QD oder 400/100mg Lopinavir/r BID. Der NRTI-Backbone bestand aus 300/200mg Tenofovir/Emtricitabin QD. Die Ergebnisse nach 48 Wochen wurden vorgestellt auf dem ICAAC 2007: Unter Darunavir/r hatten 84% der Patienten und unter Lopinavir/r 78% der Patienten <50 Kopien/ml.

In einer post-hoc-Analyse der ARTEMIS-Studie wurde nun die virologische Wirksamkeit von Darunavir/r QD mit jeweils Lopinavir/r QD und BID verglichen. Der Grund: In früheren Studien waren die beiden Dosierungen Lopinavir/r vergleichbar wirksam, in der aktuellen ACTG 5073 war Lopinavir/r BID dagegen wirksamer als QD.

Bei hoher Viruslast: Lopinavir/r signifikant unterlegen

Mit durchgehend Lopinavir/r QD wurden 15% (vor allem in den USA, dort ist QD zugelassen) und mit durchgehend BID 77% der Patienten behandelt. Der restliche Anteil erhielt beide Dosierungen und wurde aus der Analyse ausgeschlossen. Demnach erreichten unter Lopinavir/r QD 71% und unter BID 81% der Patienten eine Viruslast <50 Kopien/ml (Darunavir/r 84%). Vergleichbare Raten ergaben sich auch, wenn nach CD4-Zellzahl <200/ µl und >200/µl stratifiziert wurde sowie bei Patienten mit <100.000 Kopien/ml. Bei Patienten mit >100.000 Kopien/ml war Lopinavir/r QD signifikant unterlegen und Darunavir/r sowohl Lopinavir/r QD und Lopinavir/r gesamt signifikant überlegen (p<0,05): Darunavir/r 79%, Lopinavir/r gesamt 67%, Lopinavir/r BID 67% und Lopinavir/r QD 71%.

Mehr Durchfälle und höhere Trigylzeridwerte mit Lopinavir QD

Unter Darunavir/r traten signifikant weniger Durchfälle auf (4%) als unter Lopinavir/r BID (8%) und QD (10%) (Lopinavir/r gesamt 17%). Auch die Rate der Grad 2-4 Triglyzeriderhöhungen waren unter Darunavir/r signifikant geringer (3% versus 10% versus 17% versus 11%).

Insgesamt 85% der Patienten, die mit Lopinavir/r behandelt wurden, wechselten im Verlauf der Studie von Weichkapseln auf Tabletten.

Zur Zeit läuft einer Vergleichsstudie Darunavir/r BID versus QD bei vorbehandelten Patienten.


LBPS7/5 Clumeck N et al., 11th European AIDS Conference; October 24-27, 2007; Madrid, Spain


Nachrichten

  • Automatisierter Bluttest für Leberfibrose

    31. Januar 2012: Siemens bietet den ersten schnellen, automatisierten Biomarker-Test zur Diagnose und Beurteilung einer Leberfibrose an. Der ELF-Test (Enhanced Liver Fibrosis-Test) dauert rund eine Stunde. Er benötigt nur eine Blutprobe.weiter

  • MSD fördert junge Wissenschaftler

    29. Januar 2012: Die Förderung für junge Wissenschaftler , die einen Forschungsaufenthalt an externen Einrichtungen und Organisationen planen, wurde für 2012 auf 20.000 € erhöht.weiter

  • HPV-Test: IQWiG gibt keine Empfehlung

    24. Januar 2012: Studien zeigen, dass mit Hilfe eines Tests auf Humane Papillomaviren (HPV) Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses früher erkannt und behandelt werden können. Es fehlt jedoch, so das IQWiG, der Nachweis des Nutzens im Hinblick auf Lebensqualität und Überleben.weiter

  • Britische Leitlinien zur PEP aktualisiert

    22. Dezember 2011: Die neuen Leitlinien zur PEP geben detaillierte Empfehlungen für viele verschiedene Situationen.weiter

  • PrEP-Zulassung beantragt

    15. Dezember 2011: Gilead hat bei der amerikanischen FDA die Zulassung von Tenofovir/Emtricitabin (Truvada®) zur Prä-Expositionsprophylaxe beantragt.weiter

  • Neue Etravirin-Tablette

    30. November 2011: Die europäische Arzneimittelbehörde EMA die 200mg-Formulierung des NNRTI Etravirin (Intelence®) zugelassen.weiter

  • Rilpivirin einzeln und als Fixkombination Rilpivirin/TDF/FTV in der EU zugelassen

    28. November 2011: Der einmal täglich einzunehmende NNRTI Rilpivirin wurde als Einzelmedikament (Edurant®) und als Fixkombination (Eviplera®) für therapienaive HIV-infizierte Erwachsene mit einer Viruslast von ≤ 100.000 HIV-RNA-Kopien/ml zugelassen.weiter

  • Erste Studie mit Mikrobizid mit zwei Wirkstoffen

    23. November 2011: Ein vaginaler Ring, der Dapivirine und Maraviroc enthält, wird in den USA in einer Studie auf seine Tauglichkeit als vaginales Mikrobizid gegen HIV untersucht.weiter

  • Fixkombination DRV/FTC/Cobicistat

    22. November 2011: Die Unternehmen Gilead Sciences und Tibotec Pharmaceuticals (in Deutschland Janssen-Cilag) werden gemeinsam ein neues sogenanntes „Single-Tablet Regime“, d.h. eine Tablette täglich, entwickeln.weiter

  • Gilead kauft Pharmasset

    22. November 2011: Gilead Sciences erweitert mit dem Einkauf sein Hepatitis-C-Portfolio.weiter

  • Keine Inflammation bei niedriger Viruslast

    09. November 2011: Die HIV-Infektion geht mit einer chronischen Entzüdungsreaktion einher. Diese These scheint zumindest bei niedriger Virusvermehrung nicht zuzutreffen.weiter

Nachrichten-Archiv weiter