Kommentar: Neue Ära der Prävention

Die Zeit der einfachen Botschaften in der HIV-Prävention ist vorbei. Mit dem Schweizer Statement "HIV-Infizierte unter einer HAART sind sexuell nicht infektös, wenn....." ist eine Beratung à la "Bums immer mit Dings" nicht mehr zeitgemäß.

Das Statement aus der Schweiz passt gut in die heutige Zeit. Die Zeiten, als Prävention gleichbedeutend mit Kondom war, sind vorbei. Dennoch irritiert das Schweizer Papier, denn es trifft eine Aussage ohne die sonst übliche wissenschaftliche Evidenz. Die Aussage, HIV-Infizierte mit einer Viruslast unter der Nachweisgrenze und ohne Geschlechtskrankheit sind sexuell nicht infektiös, ist nicht durch kontrollierte Studien belegt. Die vorliegenden Daten lassen aber den Schluss zu, dass eine effektive HAART das Risiko einer HIV-Transmission deutlich senkt. Die Schweizer leugnen dieses "Restrisiko" nicht, halten es aber unter bestimmten Umständen für vernachlässigbar.

Risiko muss kommuniziert werden

Kontrollierte Studien, die das Transmissions-Risiko unter erfolgreicher HAART in absehbarer Zukunft zuverlässig beziffern, sind nicht Sicht und die Schweizer Einschätzung des Risikos ist nachvollziehbar. Das Problem liegt vielmehr in der Art der Kommunikation. Auch ein "vernachlässigbares" Risiko muss kommuniziert werden - selbst wenn das Risiko so klein ist wie das eines Flugzeugabsturzes. Jeder, der in ein Flugzeug steigt, weiß um diese Gefahr. Ferner weiß jeder Fluggast, wie wichtig eine gute Wartung des Flugzeugs ist. Das kann der Passagier allerdings nicht kontrollieren. Genauso wenig sind Viruslast und Geschlechtskrankheiten des Partners vor dem Sex kontrollierbar.

Zeit zum Lernen

Diese Tatsachen müssen sachlich richtig und verständlich kommuniziert werden, was angesichts der Komplexität sicherlich eine Herausforderung ist. Wenn dies gelingt, werden wir allmählich lernen, mit dem "Restrisiko" umzugehen.

Dr. Ramona Volkert, Chefredaktion HIV&more

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