HIV-Infizierte unter wirksamer Therapie nicht infektiös

Das Schweizerische Ärzteblatt hat am 30. Januar 2008 ein Statement der Eidgenössischen Kommission für Aidsfragen (EKAF) veröffentlicht. Darin stellt die Kommission fest, dass HIV-Infizierte sexuell nicht ansteckend sind, wenn

  • die antiretrovirale Therapie eingenommen und durch den Arzt kontrolliert wird
  • die Viruslast seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze liegt
  • keine anderen Geschlechtskrankheiten bestehen

Die Eidgenössischen Kommission für Aidsfragen (EKAF) hat das Statement auf Antrag des Schweizerischen Bundesamtes für Gesundheit erstellt und unter dem Titel "HIV-infizierte Menschen ohne andere STD sind unter wirksamer antiretroviraler Therapie sexuell nicht infektiös" publiziert. Die Autoren sind Pietro Vernazza, St. Gallen, Bernard Hirschel, Genf, Enos Bernasconi, Lugano und Markus Flepp.

Risiko vernachlässigbar

Als wissenschaftliche Grundlage für ihre Aussagen beruft sich die EKAF auf verschiedene Längsschnittstudien, mathematische Modelle, biologische Daten sowie auf das Fehlen von Berichten über eine Transmission bei einer Viruslast unter der Nachweisgrenze. Das Fazit der EKAF: "Das Risiko einer HIV-Übertragung beim Sex ohne Kondom unter vollständig supprimierter Viruslast ist deutlich geringer als 1:100.000. Das verbleibende Restrisiko lässt sich wissenschaftlich nicht ausschließen, es ist aber nach Beurteilung der EKAF und der beteiligten Organisationen vernachlässigbar klein":

Einschränkungen

Diese Aussage der EKAF ist nicht allgemeingültig, sondern gilt nur dann, wenn:

  • die antiretrovirale Therapie eingenommen und durch den Arzt kontrolliert wird ·
  • die Viruslast seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze liegt ·
  • keine anderen Geschlechtskrankheiten bestehen

Beratung

HIV-Infizierte sollen laut EKAF wissen, dass sie - solange sie diese Bedingungen erfüllen - HIV sexuell nicht weitergeben. Die Eigenverantwortung für die Gesundheit, d.h. die Entscheidung für oder gegen das Kondom, obliegt dem HIV-negativen Partner.

Quelle: Schweizerische Ärztezeitung 2008; 89:5