Nicht-infektiöse Komorbidität

HIV-Patienten sterben in Ländern mit Zugang zur antiretroviralen Therapie nicht mehr an AIDS, sondern haben eine nahezu normale Lebenserwartung. Aus diesem Grund gewinnen nicht-infektiöse Begleiterkrankungen immer mehr an Bedeutung. Ursache dieser Entwicklung ist nicht allein das fortschreitende Lebensalter der HIV-Patienten. Auch HIV bzw. die antiretrovirale Therapie selbst scheinen zur Entstehung und Progression bestimmter Erkrankungen beizutragen.

Aus Kohortenstudien gibt es Hinweise, dass insbesondere Erkrankungen von Herz und Kreislauf, Niere, Leber, Knochen, bestimmte Krebsarten usw. bei HIV-Patienten häufiger auftreten. Aus diesem Grund hat die EACS erstmals ausführliche Empfehlungen zum Screening auf diese Erkrankungen erarbeitet. Alle Untersuchungen sollten
jeweils beim neuen Patienten und vor Einleitung der ART sowie in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden.

Bei der Diagnostik und Therapie der Erkrankungen verweist die EACS auf die Empfehlungen der jeweiligen europäischen Fachgesellschaften. In Deutschland sind allerdings auch die Empfehlungen der deutschen Fachgesellschaften relevant. Daher werden in den folgenden Beiträgen zu einzelnen nicht-infektiösen Begleiterkrankungen die deutschen Leitlinien kurz dargestellt und anschließend die besondere Situation von HIV-Patienten diskutiert.              RP


EACS-Empfehlungen zum Screening auf nicht-infektiöse Begleiterkrankungen


ohne    ART mit    ART  Kommentar
Anamnese
Frühere und akutelle begleit-
erkrankungen
Familienanamnese
Begleitmedikation
Aktueller Lebensstil
Jeder besuch
Jährlich
Jeder besuch
6-12 Monate
Bei Überweisung
Vorzeitige CVd*: kardiovaskuläre
Ereignisse bei Familienangörigen
1. Grades Männer <55J. Frauen
<65 J.
Körperform
Body-Mass-Index
Klinische Lipodystrophie
Beurteilung
Jährlich
Jährlich 

CVD*
Risikobeurteilung  
(Framingsham-score)
EKG
Jährlich
Jährlich 
Sollte bei jedem älteren Patienten
ohne CVD durchgeführt werden
(Männer >40J., Frauen >50J.)
Hypertonie Blutdruck Messen Jährlich
Jährlich 

Dyslipidämie
Gesamt-, HDL-, LDL-
Cholesterin  
Triglyceride

Jährlich 
Wiederholung nüchtern, falls
medikamentöse Intervention  
geplant (≥8 std nüchtern)
Diabetes mellitus
Blutzucker

6-12 Monate
Bei wiederholter Nüchternglukose
von 110-120 mg/dl OGTT erwägen
Lebererkrankung
Risikobeurteilung
GPT/GOT, GGT
Jährlich
6-12 Monate
Jährlich
3-6 Monate
Häufigere Kontrollen vor beginn
und unter Therapie mit hepato-
toxischen Substanzen
Nierenerkrankung
Risikobeurteilung
eGFR (aMDRD)
Urinstick
Jährlich
6-12 Monate
Jährlich
 
Jährlich  
3-6 Monate
Jährlich
 
 
Häufigere Kontrollen bei kardio-
vaskulären Risikofaktoren und/
oder zu beginn und unter nephro-
toxischen Substanzen  
Alle 6 Monate bei eGFR
<60 ml/Min
bei Proteinurie ≥1+ und/oder
eGFR<60 ml/Min uP/C **oder
UA/C***
Knochenerkrankung
Risikobeurteilung
(FRX-Score bei Patienten
>40 J.)
25-OH Vitamin D
Alle 2 Jahre
Alle 2 Jahre
Wenn nicht FRAX, in speziellen
Fällen DXA-Messung der Wirbel-
säule oder Hüfte erwägen
Kontrollen entsprechend Risiko
Neurokognitive Erkrankung Fragebogen 1-2-Jährlich 1-2-Jährlich Risikopatienten screenen
Depression Fragebogen 1-2-Jährlich 1-2-Jährlich Risikopatienten screenen
Krebs
Mammographie
Zervikaler PAP-Abstrich
Andere
1-3-Jährlich 
1-3-Jährlich
Frauen 50-70 Jahre
sexuell aktive Frauen je nach
CD4-Zahl
Umstritten
*    CVD: Kardiovaskuläre Erkrankungen        ** Albumin-Kreatinin-Ratio im Urin vor allem bei glomerulärem Schaden       
*** Gesamteiweiß-Kreatinin-Ratio im Urin bei glomerulärem und tubulärem Schaden


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