HIV-PrEP


Was ist HIV-PrEP?

PrEP ist die Abkürzung für „Präexpositionsprophylaxe“ – das bedeutet, dass die Ansteckung mit HIV durch die prophylaktische Einnahme eines HIV-Medikamentes (Truvada®) in einem gewissen Zeitraum vor und nach dem Sex verhindert werden kann. Truvada® ist eine Tablette mit zwei unterschiedlichen Wirkstoffen (Tenofovir und Emtricitabin), die bereits lange in der HIV-Therapie eingesetzt wurde. Das Medikament kann die Vermehrung der HI-Viren im Blut verhindern und so vor einer Infektion schützen. In Schwerpunktpraxen kann man sich zur HIV PrEP beraten lassen, alle notwendigen Begleituntersuchungen durchführen und die PrEP rezeptiert bekommen.

Was ist der Unterschied von PrEP und PEP?

Nicht zu verwechseln ist PrEP mit PEP (Postexpositionsprophylaxe). Bei der PEP nimmt man so früh wie möglich (bis spätestens 72 Stunden) nach einem HIV-Risikokontakt Tabletten ein, um eine HIV-Infektion noch zu verhindern. Die PEP besteht wie die normale HIV-Therapie aus meist drei Wirkstoffen und wird vier Wochen lang täglich eingenommen.

Wie nimmt man die PrEP ein?

Emtricitabin/Tenofovirdiproxil bzw.Truvada® ist in Deutschland zur PrEP nur für die tägliche Einnahme zugelassen. In Frankreich umfasst die Zulassung auch die Einnahme bei Bedarf (auch intermittierende PrEP genannt).

In einer Studie (IPERGAY) wurde die sogenannte intermittierende PrEP untersucht. Bei dieser anlassbezogenen PrEP nimmt man zwei Tabletten spätestens zwei Stunden vor dem Sex ein, gefolgt von jeweils einer Tablette am ersten und zweiten Tag nach dem Risikokontakt. In der Studie war die Wirksamkeit der PrEP bei Bedarf ähnlich gut wie bei täglicher Einnahme. Dies gilt jedoch wissenschaftlich als noch nicht zweifelsfrei erwiesen.

Welche Nebenwirkungen hat die PrEP?

Emtricitabin/Tenofovirdiproxil bzw. Truvada® ist so gut verträglich, dass die meisten Menschen keinerlei Nebenwirkungen verspüren. In seltenen Fällen kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Appetitverlust kommen.

Bei einigen wenigen Menschen kann Emtricitabin/Tenofovirdiproxil bzw.Truvada® die Nierenfunktion beeinträchtigen. Deshalb sollte vor und jährlich während der PrEP die Nierenfunktion untersucht werden. Sollte es zu einer Einschränkung der Nierenfunktion kommen, normalisiert sich diese nach Absetzen des Medikaments. Bei bereits eingeschränkter Nierenfunktion sollte Truvada® nicht eingenommen werden.

Was sollte vor der Einnahme der PrEP abgeklärt werden?

In Schwerpunktpraxen werden neben der Beratung zur PrEP auch die notwendigen Begleituntersuchungen durchgeführt:

  • Vor der PrEP muss eine chronische Hepatitis B ausgeschlossen werden. Truvada® wirkt auch gegen das Hepatitis-B-Virus. Wenn man dann bei Vorliegen einer chronischen Hepatitis B eine PrEP absetzt, kann es zum Wiederaufflammen der Hepatitis kommen. In der Beratung zu HIV und Prävention von sexuell übertragbaren Erkrankungen gehört generell eine Untersuchung auf Hepatitis A, B und C und falls noch nicht erfolgt, eine Impfung gegen Hepatitis A und B (bei sexuellen Risikokontakten, MSM, HIV-positiven).

  • Wenn Emtricitabin/Tenofovirdiproxil bzw.Truvada® nicht regelmäßig eingenommen wird oder es trotzdem zu einer HIV-Infektion kommt, kann das Virus gegen das Medikament resistent (unempfindlich) werden. Daher ist es wichtig, vor Beginn der PrEP sowie im weiteren Verlauf alle 3 Monate einen HIV-Test durchzuführen.

  • Da Emtricitabin/Tenofovirdiproxil bzw.Truvada® bei eingeschränkter Nierenfunktion nicht eingenommen werden sollte, werden vor der Verordnung die Nierenwerte im Blut untersucht.

Wie gut schützt mich die PrEP?

Das Risiko einer HIV-Infektion wird durch die tägliche Einnahme einer Tablette Emtricitabin/Tenofovirdiproxil bzw. Truvada® sowie durch die genaue Einnahme einer anlassbezogenen PrEP um circa 90% reduziert. Voraussetzung für den Schutz ist die absolut regelmäßige Einnahme. Werden Tabletten vor oder auch nach dem Sex weggelassen, ist die Schutzwirkung geringer.

Woher bekomme ich die PrEP und was sind die Kosten?

Emtricitabin/Tenofovirdiproxil bzw. Truvada® ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, d.h. es muss vom Arzt verordnet werden. HIV-Schwerpunktärzte sind mit dem Thema PrEP bestens vertraut, beraten, machen die nötigen Begleituntersuchungen und können die PrEP verschreiben.

Da die Kosten der PrEP nicht von den Krankenkassen übernommen, muss man das Medikament selbst bezahlen. Schwerpunktärzte können zur aktuell möglichen „50-Euro-PrEP“ beraten und diese rezeptieren (auf ein Privatrezept) – in Schwerpunktapotheken werden die Medikamente verblistert zu einem günstigeren Preis (50 Euro für 28 Tabletten) abgegeben. Eine laufend aktualisierte Liste von teilnehmenden Apotheken finden sie hier https://www.koelsche-blister.de/index.php/prep/teilnehmende-apotheken.

Für wen eignet sich die PrEP?

Mit der PrEP können sich Menschen vor einer Ansteckung mit HIV durch die Einnahme antiretroviraler Medikamente schützen. Studien haben eine deutliche Senkung der HIV-Neuinfektionen gezeigt. Die PrEP ist eine Möglichkeit für Menschen mit hohem HIV-Risiko, denen es schwerfällt, Kondome zu benutzen. Sie schützt nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie Syphilis, Tripper, Hepatitis B/C oder Chlamydien.

Für wen eignet sich die PrEP nicht?

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für die PrEP ist, die Medikamente zuverlässig einzunehmen und regelmäßige HIV-Tests durchzuführen. Wer dies nicht sicher einhalten kann, sollte keine PrEP einnehmen.

Für Menschen mit chronischer Hepatitis B ist die PrEP mit Emtricitabin/Tenofovirdiproxil bzw. Truvada® nicht geeignet.

Patienten mit einer Niereninsuffizienz sollten Emtricitabin/Tenofovirdiproxil bzw. Truvada® aufgrund einer möglichen Verschlechterung der Nierenfunktion nicht einnehmen. In jedem Fall empfiehlt es sich, vor der Einnahme einer PrEP einen erfahrenen Arzt aufzusuchen.

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