PrEP (PräExpositionsProphylaxe) - Fragen und Antworten

Das HIV-Medikament Truvada® wird vorraussichtlich im Sommer 2016 zur PrEP (PräExpositionsProphylaxe) zur Verfügung stehen. Eine Tablette einmal täglich kann vor HIV schützen. Hier finden Sie die wichtigsten Informationen dazu.

Kurze Zusammenfassung

PrEP bedeutet Schutz vor Ansteckung mit HIV durch Einnahme von Truvada® vor/nach dem Sex.

Truvada® schützt zu 90% vor HIV, wenn die Tabletten zuverlässig eingenommen werden.

Die Verträglichkeit von Truvada® ist im allgemeinen sehr gut.

Das Medikament muss von einem Arzt verschrieben werden. Es sind Voruntersuchungen und Kontrollen während der Einnahme nötig.

PrEP schützt nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen wie Tripper, Syphilis usw..


Was ist PrEP?

PrEP heißt Schutz vor Ansteckung durch Medikamente vor dem Sex. Derzeit ist das HIV-Medikament Truvada® das einzige nachgewiesenermaßen wirksame Medikament zur PrEP. Es wird voraussichtlich im Sommer 2016 in Deutschland zur Verfügung stehen.

Nicht zu verwechseln ist PrEP mit PEP (Postexpositionsprophylaxe). Bei der PEP nimmt man nach einem HIV-Risiko Medikamente ein, um eine Infektion noch zu verhindern.

Ist PrEP etwas für mich?

Wer ein hohes Risiko für eine HIV-Infektion hat, z.B. häufig ungeschützten Verkehr, sollte die PrEP in Betracht ziehen.

Voraussetzungen für eine wirksame und sichere PrEP sind:

  • absolut zuverlässige Einnahme von Tabletten und

  • regelmäßige HIV-Tests und Blutuntersuchungen der Nierenfunktion

Wer dies nicht sicher einhalten kann, sollte keine PrEP nehmen.

Was ist Truvada®?

Truvada® ist ein Medikament, das HI-Viren an der Vermehrung hindert. Es besteht aus den lange bekannten Substanzen Tenofovir und Emtricitabin.

Wie funktioniert die PrEP?

Bei einer Infektion dringen HI-Viren in Zellen ein, vermehren sich dort und überschwemmen den Körper mit Viren. Truvada® verhindert die Vermehrung der eingedrungenen Viren und damit die Infektion. Man bleibt HIV-negativ.

Muss man PrEP täglich einnehmen?

Truvada® wird voraussichtlich im Sommer 2016 zur dauerhaften PrEP zugelassen, d.h. man nimmt täglich eine Tablette ein.

In einer Untersuchung (IPERGAY) wurde die sogenannte intermittierende PrEP untersucht. Bei dieser anlassbezogenen PrEP nimmt man zwei Tabletten am Tag bzw. spätestens zwei Stunden vor dem Sex ein gefolgt von jeweils einer Tablette am ersten und zweiten Tag nach dem Risikokontakt. In der Studie war die Wirksamkeit der anlassbezogenen PrEP ähnlich gut wie bei dauerhafter PrEP. Dies gilt jedoch wissenschaftlich als noch nicht zweifelsfrei erwiesen.

Was ist eine anlassbezogene PrEP?

In einer Untersuchung (IPERGAY) wurde die sogenannte intermittierende PrEP untersucht. Bei dieser anlassbezogenen PrEP nimmt man zwei Tabletten am Tag bzw. spätestens zwei Stunden vor dem Sex ein gefolgt von jeweils einer Tablette am ersten und zweiten Tag nach dem Risikokontakt. In der Studie war die Wirksamkeit der anlassbezogenen PrEP ähnlich gut wie bei dauerhafter PrEP. Dies gilt jedoch wissenschaftlich als noch nicht zweifelsfrei erwiesen.

Wie gut schützt PrEP vor HIV?

Das Risiko einer HIV-Infektion wird durch die tägliche Einnahme einer Tablette Truvada® sowie durch die genaue Einnahme einer anlassbezogener PrEP um rund 90% vermindert. Voraussetzung für den Schutz ist die absolut regelmäßige Einnahme. Werden Tabletten vor oder auch nach dem Sex weggelassen, ist die Schutzwirkung geringer.

Wann beginnt der Schutz bei PrEP?

Der Schutz setzt nicht sofort nach Einnahme der ersten Tablette ein. Man geht davon aus, dass der Schutz bei initialer Einnahme von zwei Tabletten einen Tag spätestens 2 Stunden vor dem Sex beginnt. Die amerikanische Gesundheitsbehörde sieht den Beginn eines effektiven Schutzes erst 20 Tage nach Beginn der täglichen Einnahme.

Wann steht PrEP in Deutschland zur Verfügung?

Truvada® zur einmal täglichen Einnahme wird voraussichtlich im Sommer 2016 zugelassen werden.

Wo bekomme ich die PrEP?

Truvada® ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, d.h. es muss vom Arzt verordnet werden. HIV-Schwerpunktärzte sind mit dem Thema PrEP bestens vertraut. Sie können beraten und die PrEP verschreiben. Voraussichtlich werden die Kosten der PrEP nicht von den Krankenkassen übernommen, d.h. man muss das Medikament selbst bezahlen.

Wie gut verträglich ist die PrEP?

Truvada® ist sehr gut verträglich. Die meisten Menschen spüren keine Nebenwirkungen.

In seltenen Fällen kann es zu Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Appetitverlust kommen.

Bei einigen wenigen Menschen kann Truvada® die Nierenfunktion beeinträchtigen. Deshalb sollte vor und jährlich während der PrEP die Nierenfunktion untersucht werden. Sollte es zu einer Einschränkung der Nierenfunktion kommen, normalisiert sich diese nach Absetzen des Medikaments.

Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten Truvada® nicht einnehmen.

Warum muss man vor der PrEP auf Hepatitis B untersuchen?

Vor der PrEP muss eine chronische Hepatitis B ausgeschlossen werden. Truvada® wirkt auch gegen das Hepatitis-B-Virus. Wenn man bei chronischer Hepatitis B eine PrEP absetzt, kann es zum Wiederaufflammen der Hepatitis kommen.

Warum muss man vor und während der PrEP HIV-Tests machen?

Wenn Truvada® nicht regelmäßig eingenommen wird oder es trotz Truvada® zu einer HIV-Infektion kommt, kann das HI-Virus gegen Truvada® resistent (unempfindlich) werden. In diesem Fall kann Truvada® nicht mehr eingesetzt werden. Aus diesem Grund ist es wichtig, vor Beginn der PrEP sowie im weiteren Verlauf mindestens alle 3 Monate einen HIV-Test durchzuführen.

Warum PrEP, wenn auch das Kondom schützt?

Kondome schützen nicht nur vor HIV, sondern auch vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Die PrEP ist eine Möglichkeit für Menschen mit hohem HIV-RIsiko, denen es schwerfällt, Kondome zu benutzen.


Aktuelles

weitere Meldungen weiter

Diese Website bietet aktuelle Informationen zu HIV/Aids sowie zur HIV/HCV-Koinfektion. Im Mittelpunkt stehen HIV-Test, Symptome und Auswirkungen der HIV-Infektion, Behandlung der HIV-Infektion, HIV-Medikamente mit Nebenwirkungen und Komplikationen, Aids, Hepatitis B und C. Ein Verzeichnis der Ärzte mit Schwerpunkt HIV ergänzt das Angebot.