Heilung:

Erster Fall einer funktionellen Heilung

Atlanta, 4. 3. 2013

Eine funktionelle Heilung ist möglich. Das belegt der Fall eines mittlerweile fast 3jährigen Kindes, das im Rahmen einer perinatalen HIV-Infektion gleich behandelt wurde.

Die HIV-Infektion der Mutter wurde während der Geburt diagnostiziert. Eine Prophylaxe während der Geburt erhielt das Kind nicht, da es in einem kleinen Krankenhaus zur Welt kam. Innerhalb von 30 Stunden wurde das Kind dann in ein Universitätskrankenhaus verlegt, wo es aufgrund der besonderen Risikosituation anstatt der Hochrisiko-Prophylaxe mit AZT/3TC und Nevirapin OD gleich eine Therapie mit AZT/3TC und Nevirapin BID erhielt. Die HIV-Infektion des Kindes wurde standardmäßig durch zweimaligen Nachweis von einer positiven HIV-PCR und HIV-DNA nach der Geburt nachgewiesen. 

Die ART wurde damit 31 Stunden nach der Geburt bei einer Viruslast von 20.000 Kopien mit AZT/3TC und Nevirapin BID eingeleitet und nach einer Woche auf AZT/3TC und Lopinavir/r gewechselt. Zu Tag 7, 12 und 20 war die HIV-PCR noch positiv,  zu Tag 29 dann lag sie <20 Kopien/ml. Das Kind wurde 18 Monate behandelt, die Viruslast lag stets unter der Nachweisgrenze. Dann erschien das Kind nicht mehr zur Kontrolle.

Erst im Alter von 22 Monaten wurde das Kind erneut vorgestellt. Die ART war nicht fortgesetzt worden. Dennoch lag die Viruslast im Plasma bei dem mittlerweile 28 Monate altem Kind bei mehrfachen  Kontrollen stets unter der Nachweisgrenze, HIV-spezifische Antikörper sowie HIV-DNA in peripheren Leukozyten waren nicht nachweisbar.  Lediglich in single copy Assay fand sich gelegentlich ein positives Signal sowie  einige wenige, nicht replikationsfähige Bruchstücke von HIV-DNA.

„Dieser Fall belegt, dass eine funktionelle Heilung möglich ist“, erklärte Deborah Persuad von der Johns Hopkins University in Baltimore und fuhr fort, „Klinische Konsequenzen ergeben sich derzeit nicht, aber dieser Fall wird ähnlich wie der Berliner Patient die Erforschung der funktionellen Heilung beflügeln“.


Kommentar Dr. Ramona Pauli

Dieser Fall kann und soll die Forschung in Richtung funktionelle Heilung beflügeln. Es bleiben allerdings auch noch einige Ungereimtheiten offen. Warum ist die Viruslast bei einem intrauterin infizierten Neugeborenen so niedrig? Handelt es sich bei den nachgewiesenen „HIV-Resten“ beim Kind um den Nachweis einer Infektion oder eher um „Laborrauschen“? Könnte es sich nicht auch um eine erfolgreiche PEP bei einer ganz frischen Infektion handeln? Diese Fragen sind wissenschaftlich berechtigt und müssen gestellt werden. Viel wichtiger sind jedoch die positiven Auswirkungen dieses Falles auf das Klima für die Suche nach einer Heilung. Je optimistischer die Stimmung umso intensiver wird gearbeitet und umso mehr Gelder fließen in diese Richtung.

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