Antimikrobielle Resistenz

24. Juli 2026

Ein Fall von Heterovirulenz

In der im NEJM von einem Kölner Team publizierten Kasuistik entwickelte ein Patient mit chronischer Harnwegsinfektion durch Klebsiella pneumoniae einen Gehirnabszess. Die Analyse ergab, dass eine Heterovirulenz vorlag. Im Urin des Patienten konnte neben einer „klassischen” bakteriellen Population eine zweite, deutlich virulentere Subpopulation existierte, die auch im Gehirnabszess nachgewiesen werden. 

Mithilfe von Ganzgenomsequenzierungen konnten die Wissenschaftler:innen einen gemeinsamen Ursprung beider Populationen nachweisen. In weiterführenden mechanistischen Untersuchungen, die gezielte Genomveränderungen, funktionelle Analysen und Infektionsmodelle umfassten, rekonstruierten sie die evolutionären Schritte, die zu der Entstehung der virulenteren Subpopulation führten. Dabei zeigte sich, dass bereits wenige Punktmutationen ausreichten, um eine vergrößerte bakterielle Kapsel auszubilden, die die Bakterien vor der Aufnahme durch Immunzellen schützte und Virulenz in Infektionsmodellen erhöhte.

Die Forschenden gehen davon aus, dass der Schweregrad einer Infektion von der Art der zugrunde liegenden Mutationen sowie vom Zustand des Patienten oder der Patientin abhängt. Neben virulenteren Infektionen könnten auch chronische Infektionen begünstigt werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt, den dieser Fall aufzeigt, ist, dass unkontrollierte akute und latente Infektionen die Entstehung heterovirulenter Populationen ermöglichen. Dies könnte besonders bei multiresistenten Erregern relevant sein.

Die Forschenden sehen Parallelen zur sogenannten Heteroresistenz, bei der antibiotikaresistente Subpopulationen innerhalb einer Infektion die Behandlung mit Antibiotika erschweren können und schwierig nachzuweisen sind. Virulente Subpopulationen seien jedoch noch schwieriger zu erkennen, da Virulenzeigenschaften von Bakterien bislang nicht Teil der Standarddiagnostik sind.



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