Streiflicht
Erektionsprobleme? Statt blauer Pille Potenz App auf Kassen-Rezept?

Es gibt für alles eine App, für Katzenpflege, Wasserhahn reparieren und natürlich auch für gesundheitliche Probleme. Allein für das Hautkrebs-Screening gibt es 17 verschiedene Apps. Einige Apps sind sogar Kassenleistung. Eine solche App, genannt DiGa (digitale Gesundheitsanwendung) ist ein Medizinprodukt, das ähnlich wie ein Medikament geprüft und vom BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) zugelassen wird. In einigen Fällen kann es dann auch auf Kassenrezept verschrieben werden.

Studie: Mit App vs ohne App

mit app

Die App „Kranus Edera“ ist die erste und bislang einzige DiGa zur Behandlung der „Impotenz organischen Ursprungs“. Zugelassen wurde die DiGa „Potenz App“, wie sie sich selbst bezeichnet, Ende letzten Jahres. Kassenleistung wurde sie nach einer erfolgreichen Studie. An der zweiarmigen randomisierten kontrollierten Untersuchung nahmen 241 Männer teil. Die „Interventionsgruppe“ erhielt sofort zwölf Wochen lang Zugang zur „Potenz App“, die „Kontrollgruppe“ erst nach einer Wartezeit von 12 Wochen. Nach 24 Wochen schnitten die Teilnehmer der Interventionsgruppe im Hinblick auf Gesundheitszustand, Lebensqualität und Patientensouveränität besser ab. Eine detaillierte Beschreibung des Patientenkollektivs findet sich nicht. Eine Veröffentlichung der Studie in einem wissenschaftlichen Journal sei angestrebt, schreibt das BfArM, das der App den notwendigen Nutzen bescheinigt hat.

Individualisiertes Training

Indikation für die App ist die „Impotenz organischen Ursprungs“. Diese wird durch die App mit einem individualisierten Trainingsprogramm behandelt. Die Anwender der „Potenz App“ absolvieren (so die BfArM-Webseite) „ein 12-Wochen Programm aus den Bausteinen Beckenbodentraining, physiotherapeutische Übungen, kardiovaskuläres Ausdauertraining sowie Achtsamkeits- und sexualtherapeutische Übungen”. Die Patienten erhalten wöchentlich neue Übungen. Ergänzt wird die Therapie durch Wissensvermittlung und hilfreiche Tipps, z.B. zur Ernährung und zu vorbeugenden Maßnahmen.

Toll und komplett kostenlos!

Die User im App-Store und auf der Webseite des Unternehmens sind schlicht begeistert: „Endlich ein nachhaltiger Ansatz der hilft!“ „Meine Frau ist Kranus sehr dankbar wenn ihr versteht was ich meine!“ „Man kommt vom Sessel runter und wird aktiv, und macht noch nebenbei was für sein Wohlbefinden.“ „Es ist komplett KOSTENLOS, denn die Krankenkasse zahlt alles!“ (Zitate von der Webseite Kranus Edera)

Wir können Sexualmedizin

„Die Ärzte hatten echt Probleme mit dem Thema umzugehen und Rat hatte auch keiner so richtig“ (Zitat Rezension App-Store). Da kann man nur sagen: Der Mann war bei den falschen Ärzten. Es gibt Expertinnen und Experten für erektile Dysfunktion, die kein Problem mit dem Thema haben, die organische (und psychische) Ursachen erkennen und gezielt behandeln. Laut Leitlinien gehört zur Therapie – ähnlich wie beim Diabetes mellitus – ein ganzheitliches Rahmenprogramm, also gesunde Ernährung, körperliche Aktivität und psychische Resilienz. Dieses Rahmenprogramm lassen sich die Kassen im Gegensatz zu den Erektionshilfen mit gesichertem Effekt (Sildenafil und Co sind keine Kassenleistung) einiges kosten. Pro Rezept „Kranus Edera Potenz App“ bezahlen die Kassen – man höre und staune – 656,88 Euro.

Ärztlicher Rat ist billig

Richtig, über 600 € bezahlen gesetzliche Krankenkassen für ein 12wöchiges digitales Programm zur Verbesserung der erektilen Dysfunktion bei organischen Ursachen mit den Inhalten

  • Beckenbodentraining
  • Kardiovaskulärem Training
  • Physiotherapeutischen Übungen
  • Mentalen Übungen
  • Sexualtherapeutischen Übungen
  • Wissensvermittlung

Im Gegensatz dazu ist die ärztliche Versorgung bei Erektionsstörungen geradezu billig. Selbst mit Patientenpauschale, Chronikerziffer, aufklärendem Gespräch und psychosomatischer Differentialdiagnostik kommt man in 12 Wochen nicht auf 100,–Euro – Indikationsstellung und Verordnen der Luxus-App inklusive.

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Was läuft da nur falsch?

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