Interview Prof. Georg Behrens, PräSident Der Deutschen Aids-Gesellschaft
Wir brauchen auch Medikamente ohne Zusatznutzen

Prof. Georg Behrens, PräSident Der Deutschen Aids-Gesellschaft Die Fixkombination Darunavir/Cobicistat wurde in Europa zugelassen und die Zulassung von Atazanavir/Cobicistat steht kurz bevor. Die erste Fixkombinationen wird aber nicht in Deutschland eingeführt und die zweite möglicherweise auch nicht. Brauchen wir diese Medikamente?

Prof. Behrens: Ich denke schon, dass eine Fixkombinationen für einige Patienten von Vorteil sein kann. Der Vorteil ist – bei vergleichbarer Wirksamkeit und Verträglichkeit – die geringere Tablettenzahl. Für einige Patienten ist das sehr wichtig und wie wir wissen, sinkt die Adhärenz wenn die Tablettenzahl steigt. Insofern ist es sicherlich wünschenswert, wenn wir auch in Deutschland diese Fixkombinationen hätten.

Hintergrund der Nicht-Einführung sind u.a. wirtschaftliche Erwägungen der Hersteller, die wiederum auf das AMNOG-Verfahren in Deutschland zurückzuführen sind. Blockiert AMNOG die Einführung von Medikamenten?

Prof. Behrens: Ich verfolge diese Entwicklung mit Sorge. Das AMNOG-Verfahren versucht den Mehrwert eines Medikamentes zu beziffern und darauf beruht dann die Preisgestaltung. Es wurde immer behauptet, dass Medikamente ohne Zusatznutzen darunter nicht leiden und trotzdem auf den Markt kommen. Der Fall von Darunavir/Cobicistat (und vielleicht auch Atazanavir/Cobicistat) beweist nun das Gegenteil. Hier hat sich der Hersteller nicht auf AMNOG eingelassen und nicht einmal den Antrag eingereicht. Das Medikament wird (bzw. beide Medikamente werden) für deutsche Patienten nicht zur Verfügung stehen. Das ist bedauerlich.

Welche Änderungen würden Sie sich denn wünschen, damit deutschen Patienten auch in Zukunft alle wichtigen Medikamente zur Verfügung stehen?

Prof. Behrens: Zentrale Diskussionspunkte beim AMNOG sind die Fragen nach der zweckmäßigen Vergleichstherapie und der Art der Daten für den Nachweis eines Zusatznutzens. Die zweckmäßige Vergleichstherapie und die verschiedenen Patientengruppen werden vom GBA festgelegt und sind für den Kliniker nicht immer nachvollziehbar. Für Darunavir/Cobicistat wäre der Vergleich Darunavir/Rintonavir nach meiner Meinung zweckmäßig. Das könnte aber von G-BA anders gesehen werden. Zudem kann das IQWIG, das die Studiendaten begutachtet, von der GBA-Vorgabe abweichen und andere Vergleichstherapien heranziehen. Hier wäre die Einbindung von Fachgesellschaften sehr sinnvoll.

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