Neue WHO-Leitlinen zur antiretroviralen Therapie

Kuala Lumpur, Malaysia, 1.7. 2013

Die WHO hat zahlreiche Neuerungen beschlossen. Unter anderem wird ein früher Therapiestart bei <500 CD4-Zellen/µl sowie die Fixkombination Atripla® als einziges Regime der Wahl empfohlen.

Ein sofortiger Therapiestart unabhängig von der CD4-Zahl wird zudem empfohlen bei diskordanten Paaren, bei HIV/HBV-Koinfizierten mit fortgeschrittener Lebererkrankung sowie bei Schwangeren und stillenden Frauen. Damit folgt die WHO den amerikanischen Leitlinien. Lediglich die britischen und europäischen (und deutschen) Leitlinien sprechen hier (noch?) kein klare Therapieempfehlung aus.

Bei Kindern wird ebenfalls ein früherer Therapiestart empfohlen und zwar bei allen Kindern über 5 Jahren ab einer CD4-Zahl >500/µl sowie sofort bei allen Kindern unter 5 Jahren.

WHO-Leitlinien - Antiretroviral Therapy

STR als Firstline

Die HIV-Therapie sollte nach Meinung der WHO möglichst einfach sein, für Patienten, Behandler und Organisationen. Deshalb empfiehlt die WHO als einziges Mittel der Wahl zur Firstline-Behandlung Atripla®. Efavirenz habe auch bei Schwangeren im ersten Trimester keinen schädlichen Effekt und eine CD4-Messung vor Beginn der Behandlung ist nicht notwendig. Alternative Regime - wenn das Mittel der Wahl nicht in Frage kommt - sind AZT/3TC als Backbone und Nevirapin als dritte Substanz und LPV/r oder ATV/r in Ausnahmefällen.  Stavudin, das früher viel eingesetzt wurde, soll nach Meinung der WHO bei Erwachsenen und Jugendlichen auslaufen.

Bislang wurde Therapieversagen am Abfall der Helferzellen oder Auftreten von Aids erkannt. In Zukunft soll der Therapieerfolg durch Viruslastmessungen kontrolliert werden.

Finanzierung

Die Leitlinie von 2010, die mittlerweile in den meisten Ländern umgesetzt wurde, empfehlen den Therapiestart bei <350/µl. Durch den früheren Therapiestart steigt die Zahl der behandlungsbedürftigen HIV-Infizierten um 9 Millionen auf rund 26 Millionen Menschen. Die Mehrkosten könnten durch Einsparungen bei Medikamenten, Strukturvereinfachungen sowie weniger Krankheitskosten geleistet werden. Dies würde nach Berechnungen der WHO bis 2025 3 Millionen Todesfälle und 3,5 Millionen Neuinfektionen verhindern.


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