CCR5-delta32: Doch nicht harmlos?

08. Juni 2019

Die Mutation schützt vor HIV, doch das Sterberisiko scheint erhöht. 

Die Heilung des „Berliner Patienten“ von HIV ist zumindest teilweise auf die Übertragung von Spenderknochenmark mit der CCR5-delta32-Mutation zurückzuführen. Immunzellen, die von diesem Knochenmark produziert werden, fehlt der Korezeptor, den HIV für die Infektion benötigt.

Seit dieser Erkenntnis stützen sich viele Ansätze zur möglichen Heilung von HIV auf diesen Rezeptor. Auch die – ethisch höchst umstrittenen – Keimbahnmodifikation durch einen chinesischen Forscher bei zwei Kindern setzt hier an.

Bisher nahm man an, dass ein Leben ohne CCR5-Rezeptor problemlos möglich ist und dass höchstens eine erhöhte Empfänglichkeit für einige exotische Virusinfektionen, wie West-Nil-Virus, bestünde.

Nun wurden die Daten von fast 410.000 Menschen aus einer Ahnendatenbank des Vereinigten Königreichs untersucht. Dabei stellte man fest, dass Menschen mit der CCR5-delta32-Mutation ein um 21% erhöhtes Sterberisiko hatten. Aufgrund der Struktur des Datensatzes gilt diese Aussage nur für Menschen im Alter von 41-76 Jahren. Vermutlich ist diese erhöhte Sterblichkeit bedingt durch eine größere Empfänglichkeit für häufigere Infektionen wie z.B. mit Grippeviren.

Damit dürften sich die Anstrengungen, den CCR5-Rezeptor gentechnologisch oder anderweitig zu inaktivieren um eine Resistenz gegen HIV zu erreichen, vermutlich deutlich abschwächen. Die Autoren kommentieren britisch-trocken, es sei nicht unerwartet, dass die homozygote Deletion eines funktionellen Genes die Fitness reduziere.

DAIG LogoDGI LogoDSTIG LogoPEG Logo

Meldungen

  • Lassa

    18. Mai 2026: Erste klinische Studie mit Favipiravir weiter

  • Bakteriophagen

    12. Mai 2026: Delta G Avaris GmbH hat Produktionsstandort in Hannover weiter

  • Prostatakarzinom

    12. Mai 2026: Testosteron verbessert sexuelle und körperliche Funktion weiter

  • Harnwegsinfekt

    10. Mai 2026: Was ist besser? Fosfomycin, Nitrofurantoin, Pivmecillinam? weiter

  • Newletter online

    Jeden Monat akutelle Informationen rund ums Thema HIV und sexuell übertragbare Erkrankungen.

    Für Ärzt_innen, Menschen mit HIV und alle Interessierten.

    Anmeldung hier

  • Sexualmedizin

    08. Mai 2026: Sexuelle Erregung führt zu „Tunnelblick“ weiter

  • Long COVID

    07. Mai 2026: Vier Arzneimittel verordnungsfähig weiter

  • Depotpenicillin

    07. Mai 2026: Engpass bis Ende 2026, Ware aus dem Ausland vorhanden weiter

  • Hantavirus

    06. Mai 2026: ECDC schickt Experten an Bord weiter

  • Hygiene

    06. Mai 2026: Welche Maßnahmen schützen vor Krankenhausheimen? weiter

  • Sucht

    06. Mai 2026: Was treibt die problematische Internetnutzung? weiter

  • EUCAST

    05. Mai 2026: Warnung zur Testung von Amphotericin B weiter

  • EUCAST

    05. Mai 2026: Leitfaden Cephalosporine bei S. aureus aktualisiert weiter

  • Hantavirus

    05. Mai 2026: WHO Information und Fälle weiter

  • Haemophilus influenzae

    04. Mai 2026: Protrahierter Ausbruch in Hamburg weiter

  • Tuberkulose

    04. Mai 2026: Point-of-care Diagnose durch Abstrich weiter

Ältere Meldungen weiter

Diese Website bietet aktuelle Informationen zu HIV/Aids sowie zur HIV/HCV-Koinfektion. Im Mittelpunkt stehen HIV-Test, Symptome und Auswirkungen der HIV-Infektion, Behandlung der HIV-Infektion, HIV-Medikamente mit Nebenwirkungen und Komplikationen, Aids, Hepatitis B und C. Ein Verzeichnis der Ärzte mit Schwerpunkt HIV ergänzt das Angebot.