Lebererkrankung

12. Juni 2022

APRI-Score im Check-up entdeckt schwere Lebererkrankung

Die SEAL-Studie wurde zwischen 2018 und 2021 im Rahmen des Vorsorgeprogramms Check-Up-35 in 201 allgemeinmedizinischen Praxen in Rheinland-Pfalz und im Saarland durchgeführt. Bei insgesamt 11.859 Patient:innen wurden die Leberwerte bestimmt und eine spezifische Anamnese für Lebererkrankungen erhoben. Die Kontrollgruppe bestand aus 349.570 Teilnehmenden, die das reguläre Check-Up-35-Programm durchlaufen haben.

Bei 1581 (13,1 Prozent) Patient:innen konnte ein erhöhter AST- und/oder ALT-Wert gemessen werden. Etwa vier Prozent der Teilnehmenden wiesen einen erhöhten APRI-Score für eine Leberfibrose auf. In 45 Fällen lag bereits eine fortgeschrittene Fibrose oder eine Leberzirrhose vor. Die diagnostizierten Betroffenen wurden zur weiteren Behandlung an einen Facharzt überwiesen. Dort wurde bei 80 Prozent der Patient:innen eine Lebererkrankung festgestellt. Davon waren 60 Prozent einer nicht-alkoholischen und 18 Prozent einer alkoholischen Lebererkrankung zuzuordnen.

„Ein unerwartetes Ergebnis von SEAL war, dass etwa die Hälfte der untersuchten Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf eine fortgeschrittene Leberfibrose oder Leberzirrhose nicht zu einer weiteren Abklärung und Behandlung beim Facharzt erschienen sind. Diese Erkenntnis unterstreicht, dass vielen Menschen noch nicht ausreichend bewusst ist, wie wichtig eine gesunde Leber ist. Unser Projekt könnte hier einen Grundstein legen, um über Lebergesundheit und die Gefahren einer dekompensierten Leberzirrhose aufzuklären“, betont PD Dr. Christian Labenz, Facharzt für Innere Medizin in der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz und Erstautor der Publikation.

Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) hat die SEAL-Studie über fünf Jahre gefördert. Aktuell erfolgt die Begutachtung der Ergebnisse von SEAL durch den G-BA mit dem Ziel, das Programm in die hausärztliche Routineversorgung einzubinden. Das Projekt wurde von einem Konsortium aus Universitätsmedizin Mainz (Konsortialführer), Universitätsklinikum des Saarlandes, den Hausärzteverbänden in Rheinland-Pfalz und im Saarland, dem Berufsverband Niedergelassener Gastroentrologen (BNG) sowie der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland umgesetzt. Die abschließende Evaluation erfolgte in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Freiburg.



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