HIV-Therapie

03. März 2024

Auch kleine resistente Viruspopulationen vor Therapiebeginn erhöhen das Risiko für ein virologisches Versagen

Welche Bedeutung haben kleinere Viruspopulationen mit Resistenzmutationen für den klinischen Langzeit-Verlauf? Dazu wurden eingefrorene Plasmaproben von Patienten der START-Studie mit Deep Sequencing (NGS) auf vorhandene Resistenzmutationen (Cut off >20%, >5%, und >2% der Viruspopulation) untersucht, ein Empfindlichkeits-Score (GSS) gemäß der Stanford HIV Drug Resistance Database (HIVDB v8.6) errechnet und mit dem klinischen Outcome verglichen.

NGS-Daten konnten von 1380 Patienten erhoben werden. Die Firstline-Therapie war in den Jahren 2009-2013 eingeleitet worden. Alle hatten ein 3er-Firstline-Regime, 71% ein NNRTI, 22% einen geboosterten Proteasehemmer und 8% einen INSTI jeweils in Kombination mit 2 NRTI. 17% der Patienten begannen ihre erste ART mit einem GSS<3.

Bei 85 Patienten wurde innerhalb von zwei Jahren nach Therapiebeginn ein virologisches Versagen beobachtet und zwar bei 13% der Patienten mit einem GSS 0-2,75 im Vergleich zu 5% mit einem GSS=3. 

Prädiktiv für das Therapieversagen waren Resistenzmutationen vor Beginn der Behandlung, wobei sogar geringe Veränderungen bei >2% der Viren mit einem erhöhten Risiko eines Therapieversagen assoziiert waren, insbesondere bei einem NNRTI-basierten Regime.

Cozzi-Lepri A et al: Rate of response to initial antiretroviral therapy according to level of pre-existing HIV-1 drug resistance detected by next-generation sequencing in the strategic timing of antiretroviral treatment (START) study.


Kommentar Prof. Christian Hoffmann, Hamburg

Kein Anlass zur Sorge

Diese Analyse kommt ungefähr 15 Jahre zu spät und bezieht sich überwiegend auf eine Therapie, die sowieso nicht mehr empfohlen wird. Die Studie zeigt vor allem, dass Efavirenz ein alter NNRTI ist, der relativ schnell wackelt. Zudem sind die Unterschiede zwischen Patienten mit und ohne minore Resistenze erstaunlich gering - wenn man etwas anderes gibt als NNRTIs, sind sie ganz verschwunden. Mit neueren Substanzen, z.B. Doravirin und natürlich auch mit Zweitgenerations-INSTIs dürfte die Welt anders aussehen. Ganz abgesehen davon, dass man heute drei voll wirksame Substanzen meistens nicht mehr braucht. Also insgesamt eine Studie, die in der heutigen Zeit nur eine sehr begrenzte Aussagekraft besitzt und kein Anlass für Deep Sequencing vor der Firstline darstellt.

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