HIV bei Migranten in Deutschland

Robert Koch Institute LogoBei einem Viertel der im Jahr 2010 gemeldeten HIV-Erstdiagnosen wurde ein anderes Herkunftsland als Deutschland angegeben. Von diesen Personen hatten sich allerdings knapp die Hälfte in Deutschland infiziert.

Im HIV-Meldewesen werden Herkunfts- und das vermutete Infektionsland erfragt, da aus datenschutzrechtlichen Gründen weder Geburtsland noch Staatsangehörigkeit abgefragt werden dürfen. Als Herkunftsland ist das Land definiert, in dem eine Person den größten Teil ihres Lebens verbracht hat, und als Infektionsland wird das Land bezeichnet, in dem vermutlich die HIV-Infektion erworben wurde. In die hier vorgestellten Auswertungen gingen alle Personen ein, bei denen als Herkunftsland ein anderes Land als Deutschland angegeben wurde.

Abb. 1  Alle HIV-Erstmeldungen in 2010 nach Herkunftsregion
Abb. 1  Alle HIV-Erstmeldungen in 2010 nach Herkunftsregion

Abb. 2  Herkunftsregion von HIV-Erstdiagnosen in 2010, die ein anderes Herkunftsland als Deutschland angegeben habenAbb. 2  Herkunftsregion von HIV-Erstdiagnosen in 2010, die ein anderes Herkunftsland als Deutschland angegeben haben

Abb. 3 Infektionsrisiko bei Personen mit einem anderen Herkunftsland als DeutschlandAbb. 3 Infektionsrisiko bei Personen mit einem anderen Herkunftsland als Deutschland

Abb. 4 Herkunftsregion bei Erstdiagnosen unter MSM, für die ein anderes Herkunftsland als Deutschland angegeben wurde (n=217)Abb. 4 Herkunftsregion bei Erstdiagnosen unter MSM, für die ein anderes Herkunftsland als Deutschland angegeben wurde (n=217)

Abb. 5  Herkunftsregion bei Erstdiagnosen unter Personen mit heterosexuellem Übertragungsrisiko, für die ein anderes Herkunftsland als Deutschland angegeben wurde (n=356)
Abb. 5  Herkunftsregion bei Erstdiagnosen unter Personen mit heterosexuellem Übertragungsrisiko, für die ein anderes Herkunftsland als Deutschland angegeben wurde (n=356)

Abb. 6  Herkunftsregion bei Erstdiagnosen unter iv.-Drogengebrauchern, für die ein anderes Herkunftsland als Deutschland angegeben wurde (n=29)Abb. 6  Herkunftsregion bei Erstdiagnosen unter iv.-Drogengebrauchern, für die ein anderes Herkunftsland als Deutschland angegeben wurde (n=29)

In den folgenden Darstellungen wurde nicht das üblicherweise in Veröffentlichungen zur Epidemiologie von HIV in Deutschland gebrauchte Infektionsrisiko „HPL (Hochprävalenzland)“ verwendet. Der Grund dafür ist, dass sich alle anderen potentiellen Übertragungswege auf ein Verhalten beziehen und dass die Herkunft eines Menschen an sich kein Infektionsrisiko darstellt. Da in den sog. Hochprävalenzländern die heterosexuelle Übertragung das bei weitem überwiegende Übertragungsrisiko darstellt, wurden Menschen aus HPL in der Kategorie „heterosexuelles Übertragungsrisiko“ eingeschlossen, es sei denn, es wurde als Infektionsrisiko gleichgeschlechtlicher Sex unter Männern oder intravenöser Drogengebrauch vermerkt.

HIV-Erstdiagnosen bei MigrantInnen in Deutschland

Von den in 2010 gemeldeten Erstdiagnosen lagen bei 2.508 Meldungen (85,3%) die Angaben zum Herkunftsland vor. Unter den gemeldeten Erstdiagnosen mit Herkunftsangabe wurde bei 72,8% (n=1.811) Deutschland und in 27,8% (n=697) der Fälle ein anderes Herkunftsland angegeben (Abb. 1). Die folgenden Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf die HIV-Erstdiagnosen, bei denen ein anderes Herkunftsland als Deutschland vermerkt wurde. Der größte Teil dieser Personen kam mit 34% (n=236) aus Subsahara-Afrika, gefolgt von Zentraleuropa mit 16% (n=110), Westeuropa mit 11% (n=77) sowie Osteuropa und Südostasien mit jeweils 10% (n=69, Abb. 2).

Unter den 697 Personen, die ein anderes Herkunftsland als Deutschland angegeben haben, lagen bei 86% (n=622) Angaben zum Infektionsrisiko vor. Bei den Männern dominierte als Übertragungsweg Sex mit Männern und bei den Frauen heterosexuelle Kontakte (Abb. 3). Unter den Frauen mit heterosexuellem Infektionsrisiko wurde bei 66,3% (n=132) Subsahara-Afrika als Herkunftsregion vermerkt. Unter den MSM, die aus anderen Herkunftsländern als Deutschland stammen (n= 217), wurden am häufigsten Zentral- und Westeuropa als Herkunftsregion angegeben (26% bzw. 24%, Abb. 4). Bei den auf hetero-sexuellem Weg Infizierten (n=356) machten Personen, bei denen als Herkunftsregion Subsahara Afrika vermerkt wurde, bei weitem den größten Anteil aus (63%), gefolgt von Zentraleuropa (9%, Abb. 5).

Unter Erstdiagnosen, bei denen intravenöser Drogengebrauch als wahrscheinlicher Infektionsweg angegeben wurde (n=29), kamen 17 Personen aus  Osteuropa und 8 aus Zentraleuropa (Abb. 6).

Bei ca. 90% der gemeldeten HIV-Diagnosen mit nichtdeutscher Herkunft lag eine Angabe zum Infektionsland vor. Insgesamt betrug der Anteil der Personen, die sich vermutlich in Deutschland infiziert haben, ca. 44%. Allerdings gab es hier große geschlechterspezifische Unterschiede: Bei Männern lag der Anteil der Personen, bei denen Deutschland als vermutetes Infektionsland angegeben wurde, bei 22 (52%, Abb. 7a) und bei Frauen nur 57 (27,5%, Abb. 7b). Erwähnenswert ist, dass bei Personen mit Herkunftsregion Subsahara Afrika bei ca. 1/3 der Männer und 1/4 der Frauen angegeben wurde, dass die HIV-Infektion in Deutschland stattgefunden hat.

Abb. 7a  Infektionsregion bei Männern, bei denen ein anderes Herkunftsland als Deutschland angegeben wurde nach HerkunftsregionAbb. 7a  Infektionsregion bei Männern, bei denen ein anderes Herkunftsland als Deutschland angegeben wurde nach Herkunftsregion

Abb. 7b  Infektionsregion bei Frauen, bei denen ein anderes Herkunftsland als Deutschland angegeben wurde nach HerkunftsregionAbb. 7b  Infektionsregion bei Frauen, bei denen ein anderes Herkunftsland als Deutschland angegeben wurde nach Herkunftsregion




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