Infection&More LogoFrankfurter Pilotprojekt geht an den Start
Spezialsprechstunde für Adoleszente eröffnet

Medizin für Jugendliche und junge ErwachseneDie höchste Rate an HIV-Neuinfektionen findet sich weltweit in der Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Darüber hinaus leben in dieser Altersgruppe auch junge Menschen, die seit ihrer Geburt mit HIV infiziert sind. Ihre Zahl  nimmt aufgrund des verbesserten Zugangs zur Therapie in den Hochprävalenzländern und der insgesamt besseren Therapieoptionen zu. Für beide Gruppen von jungen Menschen, ob horizontal oder vertikal infiziert, stellt das Leben mit einer chronischen Erkrankung eine besondere Herausforderung dar, die sich auch in der klinischen Betreuung widerspiegelt.

Besonders bei der Transition von der Pädiatrie in die Erwachsenenmedizin braucht man ein spezielles Setting, das in dieser sensiblen Übergangsphase eine optimale Betreuung der Jugendlichen ermöglicht. Am Klinikum der JW Goethe Universität in Frankfurt wurde deshalb von der Inneren Medizin und der Pädiatrie jetzt eine interdisziplinäre Spezialsprechstunde für Jugendliche und junge Erwachsene mit schwerwiegenden Erkrankungen eröffnet. Sie ist zunächst auf zwei Erkrankungsgebiete ausgerichtet: HIV/AIDS sowie hämatologische Erkrankungen.

Schwerwiegende chronische Erkrankungen passen nicht in die Zeit des Erwachsenwerdens, wo Aufbruchstimmung herrscht und die eigenen Möglichkeiten als scheinbar unbegrenzt empfunden werden. HIV nimmt hier als STI zusätzlich noch Einfluss auf das erste Erleben von Sexualität. Kommt es in dieser Phase durch den Wechsel in die Erwachsenenmedizin auch noch zum Verlust des vertrauten Behandlungsumfeldes, können Adhärenzprobleme bis hin zur Therapieverweigerung die Folge sein. Es muss also gelingen, die Transition schrittweise durchzuführen und die Geschwindigkeit den individuellen Bedürfnissen des Jugendlichen anzupassen.

Eigener Raum für Jugendliche

Für die Adoleszentensprechstunde wurde in der Frankfurter Kinderklinik eigens ein Sprechzimmer umgestaltet. Die Unterstützung hierzu kam von der Organisation Inner Wheel. Die Sprechzeiten für die Adoleszentensprechstunde konnten aus der Vormittagsroutine herausgenommen werden, so dass die Jugendlichen die Möglichkeit haben, auch nachmittags Arzt-, Labor- oder Beratungstermine wahrzunehmen. Dadurch können Fehlzeiten in der Schule zukünftig vermieden werden. Die Sprechstunde wird zunächst in der Kinderklinik gemeinsam von einem Pädiater und einem Vertreter der Erwachsenenmedizin durchgeführt. Perspektivisch wird diese gemeinsame Sprechstunde für die HIV-Patienten in das HIVCENTER der Uniklinik bzw. eine Schwerpunktpraxis verlagert. Hat der Patient sein neues Behandlungsumfeld gut angenommen, übernimmt schließlich die Erwachsenenmedizin die weitere Betreuung. 

Barrieren abbauen

Guidelines für eine leitliniengerechte Betreuung von Adoleszenten gibt es derzeit noch nicht. Um die Barrieren für eine erfolgreiche Transition erkennen und abbauen zu können, werden die Mitglieder der Frankfurter Arbeitsgruppe gemeinsam mit ihren Jugendlichen Patienten die Zielsetzungen für ihre Adoleszentensprechstunde festlegen.

Pilotprojekt

In Deutschland gibt es bislang im Gegensatz zu anderen europäischen Nachbarländern keine spezielle Adoleszentenmedizin. Die Frankfurter Arbeitsgruppe wird daher mit einem erfahrenen Zentrum in England kooperieren. Das Pilotprojekt wird wissenschaftlich evaluiert und steht im Bereich HIV/AIDS unter der Schirmherrschaft der DAIG sowie ihrer Sektion PAAD.

Gruppenfoto zur Eröffnung: Prof. H.-R. Brodt; Dr. B. Steffen; Dr. A.  Haberl; Dr. Dr. C. Königs; Prof. T. Klingebiel; Prof. H. Serve; Prof. P. BaderGruppenfoto zur Eröffnung: Prof. H.-R. Brodt; Dr. B. Steffen; Dr. A. Haberl; Dr. Dr. C. Königs; Prof. T. Klingebiel; Prof. H. Serve; Prof. P. Bader
©Fotos: Annette Haberl, Frankfurt

Das neue Sprechzimmer im Test:   Dr. A. Haberl mit GesprächspartnerDas neue Sprechzimmer im Test: Dr. A. Haberl mit Gesprächspartner

Dr. Dr. C. Königs mit   Dr. N. Laue von Inner WheelDr. Dr. C. Königs mit Dr. N. Laue von Inner Wheel

Ausgabe 4 - 2012Back

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