Förderungen für Menschen mit Migrationshintergrund

Deutsche AIDS-Stiftung

Ein Förderschwerpunkt der Deutschen AIDS-Stiftung in Deutschland liegt bei Projekten, die sich an HIV-infizierte und aidskranke Menschen mit Migrationshintergrund richten. Dabei unterstützt die Stiftung sehr unterschiedliche Projekte. Auch dank zweckbestimmter Spenden des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV) konnte sich die Deutsche AIDS-Stiftung auch 2012 wieder stark für Menschen mit Migrationshintergrund engagieren und insgesamt acht Projekte fördern, davon fünf aus PKV-Mitteln.

Frauen- und Familienzentrum

Bereits seit 2011 unterstützt die Stiftung die AIDS-Hilfe Essen beim Aufbau eines Frauen- und Familienzentrums, mit dem eine Lücke in den Angeboten der Gesundheitsförderung im Großraum Essen geschlossen wird. Die Zielgruppe sind HIV-positive und an AIDS erkrankte Frauen mit Migrationshintergrund und deren Kinder. HIV ist bei ihnen oft mit einem so starken Tabu belegt, dass sie große Hemmungen haben, Hilfe innerhalb des Gesundheitssystems zu suchen.

Schwarzafrikanische Männer

Ebenfalls bei der AIDS-Hilfe Essen ist das Projekt „black + male“ angesiedelt. Gerade schwarzafrikanische Männer sind durch herkömmliche psychosoziale Beratungs- und Präventionsangebote nur schwer zu erreichen. Durch aufsuchende Sozialarbeit an den Orten, an denen sich diese Männer treffen, konnte in den ersten beiden Projektjahren ein niedrigschwelliges Beratungsangebot etabliert werden. Das Angebot soll im dritten Projektjahr in der Community noch bekannter gemacht und besser vernetzt werden. Nach der Kürzung von Landesmitteln war die Finanzierung der erforderten Personalstelle nicht mehr gesichert. Für das Frauen- und Familienzentrum und „black + male“ übernahm die Deutsche AIDS-Stiftung Kosten für eine Personalstelle. Beide Projekte sind mittlerweile unter dem Namen NEKABENE (eritreisch:  „Zusammenhalt“ bzw. „Gemeinschaft“) zusammengeführt worden.

Kinder und AIDS

Die Arbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz aus Hamburg richtet sich mit ihrem Arbeitsbereich „Kinder und AIDS“ an von HIV betroffene Familien. Etwa 85 Prozent der betreuten Familien haben einen Migrationshintergrund. Nur 75 Prozent der Personalkosten können aus Landesmitteln abgedeckt werden. Bei diesem Projekt half die Stiftung den Fehlbedarf zu decken und damit die Angebote für betroffene Familien zu sichern.

Substitution

Die Berliner AIDS-Hilfe wird vermehrt von Menschen aus osteuropäischen Ländern aufgesucht. Einige müssten substituiert und mit HIV-Medikamenten behandelt werden, haben jedoch keine Krankenversicherung. Bis die rechtlichen Voraussetzungen für einen Krankenversicherungsschutz erfüllt sind, werden die Betroffenen dank eines Netzwerkes von engagierten HIV-Schwerpunktmedizinern kostenfrei behandelt. Für den Bereich der Substitution gilt dies nicht. Apotheken und Labore haben in der Regel mangels direktem und persönlichem Kontakt zu den Betroffenen keine entsprechende Motivation, so dass Suchttherapiemittel und Laborkosten bezahlt werden müssen. Hier setzt die Berliner Aids-Hilfe an und finanziert mithilfe der Stiftung einen Teil der Therapiemittel. 

Aufklärung durch Muttersprachler

Im Projekt „Muttersprachler klären auf“ der AIDS-Beratung Mittelfranken in Nürnberg werden Schlüsselpersonen aus unterschiedlichen Migranten-Communitys zunächst zu Referenten ausgebildet. Anschließend klären sie im zentralen Auffanglager für Flüchtlinge in Zirndorf über das Thema HIV/AIDS auf. Die Stiftung unterstützt das Projekt, indem sie einen Teil der Kosten für die Schulung der Muttersprachler sowie die Aufwandsentschädigung für sie finanziert.

Dolmetscherfonds

Neben den genannten fünf Projekten, die mit Mitteln der PKV unterstützt werden, finanzierte die Stiftung drei weitere Projekte, die sich speziell an Migranten richten, die der deutschen Sprache nicht oder nicht ausreichend mächtig sind. Denn diese haben es besonders schwer, sich in unserem Gesundheitssystem zurechtzufinden, Diagnosen zu verstehen, weitere Behandlungsschritte mit dem Arzt zu besprechen oder Arzttermine zuverlässig zu verabreden.

Abhilfe schaffen die Dolmetscherfonds der Düsseldorfer AIDS-Hilfe, der psychosozialen AIDS-Beratungsstelle in der Poliklinik der Universität München und der AIDS-Beratung Mittelfranken in Nürnberg, aus denen professionelle Übersetzer finanziert werden.

Sebastian Zimer • www.aids-stiftung.de


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