Interview mit Prof. Christian Hamm, Giessen, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) 

PROF. CHRISTIAN HAMM, GIESSEN, PRÄSIDENT DER DEUTSCHEN  GESELLSCHAFT FÜR KARDIOLOGIE (DGK)

Ähnlich, aber nicht gleich!

Welchen Stellenwert hat der Risikofaktor erhöhtes Cholesterin?

Prof. Hamm: Das Cholesterin gehört neben Rauchen, Diabetes und Hypertonie zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Diese Faktoren sind entscheidend an der Entstehung und Progression der Atherosklerose beteiligt. Ihre Bedeutung beruht aber auch auf der Tatsache, dass wir diese Parameter beeinflussen können.

Die Amerikaner haben in ihren neuen Leitlinien die LDL-Zielwerte abgeschafft. Messen Sie noch LDL-Spiegel in der Praxis?

Prof. Hamm: Die Amerikaner haben einen radikalen Paradigmenwechsel vollzogen und sind von einem Extrem ins andere gefallen. Früher hat man in den USA nur auf den Zielwert geschaut und jetzt orientiert man sich nur noch am Risiko des Patienten und dem Cholesterin-Ausgangswert. Wir in Deutschland fühlen uns an die europäischen Leitlinien von 2011 gebunden, in denen schon damals vieles so ähnlich gesehen wurde wie heute in den USA. Es gibt aber auch Unterschiede. Den Einsatz von hohen Statindosen bei Patienten mit niedrigen Ausgangswerten betrachten wir kritisch, denn höhere Dosierungen machen häufiger Nebenwirkungen. Kurz gesagt, ja wir messen den LDL-Spiegel immer noch, wir versuchen ihn auch zu erreichen, aber nicht verbissen.

Was macht man dann, wenn der Patient den vorgesehenen LDL-Cholesterinzielwert nicht erreicht?

Prof. Hamm: Man kann versuchen – sofern möglich – auf ein potenteres Statin zu wechseln oder die Dosis zu erhöhen, wobei man berücksichtigen muss, dass die Verdoppelung der Statindosis nur ein Achtel mehr an LDL-Senkung bringt und das Risiko von muskulären Nebenwirkungen erhöht.

Bei HIV-Patienten können einige Statine wegen Interaktionen nicht eingesetzt werden…

Prof. Hamm: HIV-Patienten haben ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko und Statine sind ein wichtiger Bestandteil zur Risikoreduktion. Doch nicht um jeden Preis. Hier ist die individuelle Therapie mit individuellen Zielwerten die Strategie der Wahl. Es kommt bei den Statinen auch nicht nur auf die Lipidsenkung an. Statine haben wichtige pleiotrope Effekte, die präventiv wirken.

Was nützt die zusätzliche Gabe weiterer Fettsenker wie Fibrate oder Ezetrol?

Prof. Hamm: Für den Nutzen der zusätzlichen Gabe dieser Medikamente gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg und diese Medikamente werden deshalb dies- und jenseits des Atlantiks nicht empfohlen.

Und das HDL-Cholesterin, spielt das keine Rolle mehr?

Prof. Hamm: Das HDL-Cholesterin wird in den Leitlinien nicht mehr erwähnt. Alle Bemühungen, durch eine
Erhöhung des HDL-Cholesterins die Prognose von kardiovaskulären Erkrankungen zu verbessern, sind fehl-
geschlagen. Aus diesem Grund spielt das HDL-Cholesterin in der kardiovaskulären Prävention tatsächlich gar keine Rolle mehr.

Muss der Patient zur Bestimmung der Fette nüchtern sein?

Prof. Hamm: Nüchtern oder nicht nüchtern, das beeinflusst die Cholesterin-Spiegel nicht in relevantem Ausmaß. Für die Triglycerid-Spiegel dagegen ist es sehr wichtig, dass der Patient nüchtern ist. Allerdings sind die Triglyceride für das koronare Risiko nicht von Bedeutung.

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