Was bedeuten Rabattverträge?

Seit einiger Zeit gibt es zu den Medikamenten Sofosbuvir (Sovaldi®) sowie Sofosbuvir/Ledipasvir (Harvoni®) mit der Barmer GEK und der Techniker Krankenkasse bundesweite Rabattverträge. Hepatitis&more hat bei den Kassen nachgefragt, was diese Verträge konkret für den Arzt bedeuten und ob sie vor Regressen schützen. Eine Stellungnahme bzw. Kommentar wurde von der Techniker Krankenkasse abgelehnt. Die Barmer GEK hat Stellung bezogen. Dies ist ein erfreuliches Signal. Man sollte jedoch bedenken, dass diese Aussage möglicherweise nicht die Meinung anderer Krankenkassen wiederspiegelt und dass es in keinem Fall eine juristische Gewähr gibt.


Barmer GEK

Stellungnahme Barmer GEK Berlin

Rabattverträge helfen der Krankenkasse

Muss der Arzt bei zwei vergleichbaren Therapien/Indikationen das rabattierte Produkt verordnen?

Die konkrete Verordnung einer Therapie obliegt – im Rahmen der ärztlichen Therapiehoheit und insbesondere unter Würdigung patientenindividueller Gegebenheiten – dem Arzt alleine. Zum Schutz dieser ärztlichen Therapiehoheit ist daher auch eine Geneh­migung von Arzneiverordnungen durch die Krankenkasse nach §29 Abs. 1 Bundesmantelvertrag Ärzte unzulässig.

2. Wie soll der Arzt Wirtschaftlichkeit beurteilen, wenn er Preise nicht kennt?

Zunächst ist festzustellen, dass sich die Regeln für die Verordnung von Harvoni oder anderen Arzneimitteln zur Behandlung der Hepatitis C nicht von den Regeln für andere Arzneimittel unterscheiden. Der Arzt muss wissen, für welche Erkrankungen bei welchen Patienten ein Arzneimittel zugelassen ist, und er muss auch wissen, wann der Einsatz eines Arzneimittels nach Beschluss des gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA)
unwirtschaftlich ist. Weiterhin muss er natürlich berücksichtigen, ob nach dem Stand der medizinischen Erkenntnis der Einsatz des Arzneimittels für seinen Patienten empfohlen wird. Informationen dazu findet der Arzt zum Beispiel in den Leitlinien der Fachgesellschaften.

Gesundheitskarte

Was bei Harvoni und den anderen Arzneimitteln anders ist, ist, dass nicht für alle Patienten mit Hepatitis C, sondern getrennt für verschiedene Patientengruppen Zusatznutzen und Wirtschaftlichkeit beurteilt werden. Es gilt darüber hinaus zu beachten, dass der G-BA den Zusatznutzen und damit die Wirtschaftlichkeit einer Therapie differenziert nicht nur nach dem Genotyp des Virus, sondern teilweise auch nach Behandlungsstatus („therapie-naiv“ vs. „erfolglos vorbehandelt“) und nach dem histologischem Status der Leber (z.B. Vorliegen einer Zirrhose) bewertet. Beschlüsse des G-BA zur frühen Nutzenbewertung sind Teil der Arzneimittel-Richtlinie nach §92 Abs. 1 SGB V und damit für den Arzt bindend. Sie gelten ab dem Tag der Veröffentlichung des Beschlusses durch den G-BA. Rechtlich wird nicht zwischen Erst- und Folgeverordnung unterschieden. Unwirtschaftlich und damit nach §2 Abs.1 SGB V unzulässig können dadurch auch Verordnungen werden, die zulassungs- und leitlinienkonform erfolgen. Eine weitere Herausforderung ist, dass Zulassung (also die Fachinformation), Empfehlungen in den Leitlinien und die Beurteilung durch den G-BA nicht immer übereinstimmen, ja sich sogar manchmal direkt widersprechen. Wir sehen als Kasse das Problem, sind aber weder dafür verantwortlich, noch können wir es grundsätzlich lösen.

Das alles stellt den Arzt vor eine Herausforderung, und das damit verbundene ökonomische Risiko ist natürlich erheblich; für den Arzt in Form des Arzneimittelregresses und für die Krankenkasse in Form unnötiger Ausgaben für hochpreisige Medikamente.

Der Arzt muss neben den vorgenannten Entscheidungen für die Wirtschaftlichkeit die Apothekenpreise gleichwertiger therapeutischer Optionen vergleichen. Die Rabattverträge einer Kasse helfen Kosten zu senken, nachdem der Arzt seine Entscheidung getroffen hat.

Um die Ärzte, die Arzneimittel zur Behandlung der Hepatitis C verordnen, bei einer sachgerechten Entscheidung zu unterstützen, beabsichtigt die BARMER GEK, diesen Ärzten künftig Informationen zur aktuellen Beschlusslage des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Verfügung zu stellen.



Ausgabe 1 - 2015Back

DAIG LogoDGI LogoDSTIG LogoPEG Logo

Meldungen

  • Nahrungsergänzungsmittel und mehr:

    30. Juni 2026: Die Relevanz von Interaktionen mit der antiretroviralen Therapie weiter

  • Immunschwäche

    02. Juli 2026: ZNS-Lymphome weiter

  • HTLV-1/HIV

    02. Juli 2026: Transmissionsrisiko von HTLV-1 beim Stillen erhöht weiter

  • Phagentherapie

    28. Juni 2026: 15 Millionen Förderung für klinisches Projekt REPhRAME weiter

  • Newletter online

    Jeden Monat akutelle Informationen rund ums Thema HIV und sexuell übertragbare Erkrankungen.

    Für Ärzt_innen, Menschen mit HIV und alle Interessierten.

    Anmeldung hier

  • HIV-Infektion

    28. Juni 2026: Epidemiologische Entwicklung 2025 weiter

  • Hepatitis C

    24. Juni 2026: Glecaprevir/Pibrentasvir(Maviret® ) für akute Hepatitis C zugelassen weiter

  • Gesellschaft

    24. Juni 2026: Popsongs in Deutschland und USA immer selbstbezogener weiter

  • Malaria

    23. Juni 2026: Malaria-Einzeldosistherapie – Studien am Start weiter

  • HIV-Infektion

    23. Juni 2026: Erste Lungentransplantation HIV-zu-HIV weiter

  • Post Covid- Syndrom

    22. Juni 2026: Immunadsorption in kontrollierter Studie ohne Effekt weiter

  • Blutstrominfektion

    21. Juni 2026: Ergebnisse von SNAP publiziert weiter

  • Chikungunya

    21. Juni 2026: Ixchiq® nur noch für Personen mit hohem Infektionsrisiko weiter

  • Invasive Mykose

    21. Juni 2026: Olorofim gleichauf mit Ampho B weiter

  • Influenza

    16. Juni 2026: Neuer mRNA-Impfstoff hat breiteres Wirkspektrum weiter

  • HIV-Therapie

    16. Juni 2026: Neuer INSTI mit verbessertem Resistenzprofil weiter

Ältere Meldungen weiter

Diese Website bietet aktuelle Informationen zu HIV/Aids sowie zur HIV/HCV-Koinfektion. Im Mittelpunkt stehen HIV-Test, Symptome und Auswirkungen der HIV-Infektion, Behandlung der HIV-Infektion, HIV-Medikamente mit Nebenwirkungen und Komplikationen, Aids, Hepatitis B und C. Ein Verzeichnis der Ärzte mit Schwerpunkt HIV ergänzt das Angebot.