Schwierige PEP – Wie entscheiden Sie?

In der Medizin ist es manchmal nicht einfach, die richtige Entscheidung zu treffen. Und manchmal gibt es keine ganz richtige und ganz falsche Entscheidung. HIV&more hat zu einem solch schwierigen Fall, HIV-Experten um ihre persönliche Meinung gebeten.

Bilden Sie sich Ihre Meinung und lesen Sie auf dieser Seite, wie sich Ihre Kollegen entschieden haben.

Donnerstag, 17.30 Uhr

56jährige Patientin. Sie ist Anästhesieschwester und hat sich vor 6 Stunden an einer Nadel gestochen, mit der bei einem Patienten eine Lokalanästhesie im Gesichtsbereich gemacht wurde. Der Unfall wurde vom D-Arzt dokumentiert und die Patientin zur PEP zu Ihnen geschickt.

GenMutationenInterpretation
Reverse TranskriptaseM41L, D67N, V75M, K103N,
M184V, L210W, T215Y
HS für: ETR, RPVR
für: EFV, NVP, alle NRT
Proteasel13V, K20R, L33F, M36I, M46L,
F53L, I54V, L63P, A71L/V, L90M
S für: DRV, TPV
I für: IDV, LPV
R für: ATV, FPV, NFV, SQV
IntegraseNie genotypisiert
V3 LoopCR5-tropS für MVC

Tab. 1 Genotypischer Resistenztest (2009, Interpretation HIV-GRADE v.12/2015)

Der 66jährige Indexpatient wird von einem Kollegen behandelt, der Ihnen Informationen zur Verfügung stellt. Der Indexpatient ist seit 25 Jahren HIV-positiv und hat ein multiresistentes HI-Virus (siehe Resistenztest). Die Viruslast ist mit Raltegravir 400 mg / Etravirin 200 mg / Maraviroc 600 mg jeweils BID, seit 2 Jahren unter der Nachweisgrenze. In diesem Zeitraum hatte der Patient viermal eine STI, zweimal Gonorrhoe und zweimal eine Lues. Bei seiner letzten Laboruntersuchung vor 10 Wochen lag die Viruslast unter der Nachweisgrenze. Eine Hepatitis B- oder C-Infektion sind nicht bekannt.

Die 56jährige Patientin nimmt wegen einer Hypertonie Olmesartan 10 mg / Amlodipin 10 mg. Sonst keine Vorerkrankungen. Sie ist sehr beunruhigt und will nächste Woche mit einem neuen Partner, den sie seit 6 Monaten kennt, zum ersten Mal in Urlaub fahren. Sie will ihn auf keinen Fall mit einer möglichen HIV-Infektion beunruhigen.

Der HIV-Schnelltest ist negativ. Sie ist gegen Hepatitis B geimpft.

Die Apotheke, die HIV-Medikamente vorrätig hat, schließt um 18.00 Uhr.


Abb. 1 Indikation zur HIV-PEP bei beruflicher HIV-Exposition (Indexperson HIV-positiv)

Abb. 1 Indikation zur HIV-PEP bei beruflicher HIV-Exposition (Indexperson HIV-positiv)


Abb. 2 Standardprophylaxe
Abb. 2 Standardprophylaxe

Falls eine Indikation für eine medikamentöse HIV-Postexpositionsprophylaxe besteht, sollte diese so früh wie möglich nach einer Exposition begonnen werden, die besten Ergebnisse sind bei einem Prophylaxebeginn innerhalb von 24 Stunden, besser noch innerhalb von 2 Stunden zu erwarten. Liegen bereits mehr als 72 Stunden zwischen der Exposition und dem möglichen Prophylaxebeginn, so kann nach derzeitigem Kenntnisstand eine Prophylaxe nicht mehr empfohlen werden.


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