Hepatitis A Ausbruch in Berlin
Impflücken bei MSM

Robert Koch Institute LogoHepatitis A-Ausbrüche bei Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben, wurden in der Vergangenheit wiederholt berichtet. In Berlin ereignet sich aktuell ein großer Hepatitis A-Ausbruch, der vorwiegend MSM betrifft. Seit Mitte November 2016 – Mitte April sind >100 Hepatitis A-Erkrankungen an das Robert Koch-Institut (RKI) übermittelt worden. Zu 88% sind Männer im Alter zwischen 20-60 Jahren (medianes Alter: 31 Jahre) betroffen, darunter überwiegend MSM.

Das RKI, die Berliner Gesundheitsämter und das Landesamt für Gesundheit und Soziales untersuchen in Kooperation mit Ärzten des Arbeitskreises AIDS niedergelassener Ärzte Berlin e.V. diesen Ausbruch, um gezielt Maßnahmen zur Intervention abzuleiten und ihn zu kontrollieren.

Die Hepatitis A kann als fäkal-orale Schmierinfektion z.B. beim Analsex übertragen werden. Die Verwendung von Kondomen kann die Übertragung nicht verhindern, da hierbei ein Infektionsrisiko durch Kontakt zu Fäkalspuren bestehen bleibt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher die Hepatitis A-Impfung für Personen mit einem Sexualverhalten mit hoher Infektionsgefährdung. Die bisherigen Ergebnisse der Untersuchung deuten an, dass die empfohlene Hepatitis A-Impfung bei MSM nicht ausreichend umgesetzt wird und weiterhin beachtliche Impflücken bestehen. Daher bitten wir die behandelnden Ärzte, bei MSM den Impf- bzw. Immunstatus zu überprüfen und ggf. zu impfen. Eine Impfung ist auch bei einer HIV-Infektion unbedenklich und wirksam.

Schnell Impflücke schließen

Um einen schnellen Impfschutz zu erreichen, wird empfohlen, einen monovalenten Hepatitis A-Impfstoff (Vaqta®50, Havrix®1440) zu verwenden. Mit einer Impfung sind Geimpfte bereits 2-4 Wochen nach der Impfung geschützt. Für einen Langzeitschutz, sollte eine 2. Dosis 6-18 Monate nach der 1. Dosis erfolgen. Für Kontaktpersonen von Erkrankten (z.B. Haushaltskontakte, Sexualpartner) wird eine postexpositionelle Impfung mit monovalentem Impfstoff bis 2 Wochen nach Kontakt empfohlen.

Auch weltweit ein Problem

Gegenwärtig wird weltweit über Hepatitis A-Ausbrüche in der MSM Population berichtet. Durch die hohe Mobilität und das sexuelle Risikoverhalten in dieser Gruppe besteht die Gefahr einer fortgesetzten Infektionsausbreitung. Aus England, den Niederlanden, Spanien und Portugal wird über ähnliche Häufungen berichtet. Innerhalb Deutschlands beschränkt sich der Hepatitis A-Ausbruch vornehmlich auf Berlin, jedoch wurden vereinzelt auch aus anderen Großstädten Hepatitis A-Fälle unter MSM berichtet.

Weitere Informationen

www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HepatitisA.html

www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/02/Art_02.html

www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=22709

Ansprechpartner

Ruth Zimmermann

Robert Koch Institut,
Abteilung für Infektionsepidemiologie

E-Mail: ZimmermannR@rki.de



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