Deutsche Aids-hilfe
Abschied Von Bernd Aretz

Auch das Ende seines Lebens hat Bernd Aretz selbstbestimmt gestaltet. „Ich habe den Weg vorgezeichnet mit einem Palliativrezept: Morphium statt Antibiotika“, erzählte er, einen Monat bevor er am 23. Oktober in Offenbach starb.

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© Lars Thomas

Nach mehreren schweren Erkrankungen in den letzten Jahren wollte er keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr, die ihn und seine Angehörigen nur gequält hätten. Mit seinem nahenden Tod war Bernd Aretz ganz im Reinen. Er sah ihn als Entlastung und hatte keine Angst. Er hatte 70 Jahre intensive Jahre hinter sich, und das genügte ihm voll und ganz. Es ging ihm gut am Schluss.

Sein Leben hat Bernd Aretz eingesetzt für sich selbst und andere. Der Jurist war auch politisch ein Anwalt schwuler Männer und HIV-Positiver wie vieler anderer diskriminierter oder benachteiligter Menschen. Als Redner, Autor und Aktivist stieg er in den Ring für Selbstbestimmung und die Lust. Engstirnigkeit und Borniertheit waren ihm ein Graus. Er antwortete unerbittlich, scharfsinnig und geistreich. Diplomatisch eher selten, aber durchaus mit Humor.

Infiziert wahrscheinlich schon Ende der 70er Jahre, war Bernd Aretz einer der dienstältesten Aids-Aktivisten in Deutschland. Schon in den 80ern saß er in Fernsehtalkshows. Mit seinen Büchern „Annäherungen“ (1995) und „Notate. Aus dem Leben eines HIV-infizierten schwulen Mannes“ (1997) war er auch ein literarischer Chronist des Lebens mit HIV und Aids. Die Deutsche AIDS-Stiftung verlieh ihm 2017 für sein publizistisches Lebenswert einen Sonderpreis ihres Medienpreises.

Auf Ämter legte Bernd Aretz es nicht an, füllte aufgrund seiner Fähigkeiten aber doch so einige aus. Unter anderem war er im Vorstand der Aidshilfen in Frankfurt und Offenbach sowie der Deutschen AIDS-Hilfe und Mitglied im Nationalen AIDS-Beirat.

Auch innerhalb der Aidshilfe legte er seinen Finger immer wieder in Wunden. Er brachte es damit zur Ehrenmitgliedschaft der Deutschen AIDS-Hilfe, verbunden mit dem Auftrag an ihn, auch in Zukunft nicht zu schweigen.

Nun wird seine Stimme fehlen. Vergessen werden wir sie gewiss nicht.
Es gilt, was wir einmal auf einer Genesungskarte für ihn formuliert haben: Legenden sind unsterblich.

Holger Wicht




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