HIV-Streiflicht
Männer erklären die Corona-Pandemie

Insgesamt kamen über alle Themen hinweg auf vier Experten eine Expertin

Corona ist seit Monaten das wichtigste Thema in den Medien. Auf allen Kanälen wird täglich berichtet. Journalisten fassen zusammen, Politiker mahnen, Bürger protestieren, aber die wichtigsten Player in diesem Spiel sind die Wissenschaftler. Kaum ein Beitrag ohne Wort und/oder Bild eines Experten. Oder einer Expertin? Nein, Frauen als Expertinnen sind eine Rarität, obwohl die Medizin – wie mittlerweile weitläufig bekannt – überwiegend weiblich ist. Dass zu Beginn der Pandemie Expertinnen deutlich seltener als Experten in Erscheinung traten, scheint aufgefallen zu sein, denn mittlerweile sieht man deutlich mehr Wissenschaftlerinnen als früher.

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Quelle: https://malisastiftung.org/frauen-sind-die-wahren-heldinnen-in-der-krise-erzaehlen-uns-maenner/

Zahlen lügen nicht

Dass Expertinnen in der Corona-Berichterstattung zu Beginn deutlich seltener erschienen, lässt sich auch mit Zahlen belegen. Die MaLisa Stiftung, die sich für Gendergerechtigkeit einsetzt, hat die Geschlechterverteilung in der Corona-Berichterstattung analysiert.

Es wurden insgesamt 174 TV-Informationssendungen mit Corona-Bezug ausgewertet, die zwischen dem 16. und 30. April 2020 ab 18h in ARD, ZDF, RTL und Sat.1 ausgestrahlt wurden sowie 79.807 Artikel mit Corona-
Bezug in den Online-Ausgaben von 13 Printmedien analysiert. Die Zahlen sprechen für sich.

Im Fernsehen ...

  • Bei Ärzt*innen und Forscher*innen mit Leitungsfunktion (wie Chefärzt*innen oder Institutsleiter*innen) lag der Frauenanteil bei nur 5 Prozent.
  • Bei den befragten Virolog*innen ohne Leitungsfunktion betrug der Frauenanteil 27 Prozent, bei denen mit Leitungsfunktion nur 7 Prozent. Im Bereich der Epidemiologie und Infektionsforschung waren 94 Prozent der Befragten ohne Leitungsfunktionen männlich.
  • Am seltensten war die Expertise von Frauen in Nachrichten und Sondersendungen gefragt. Hier kamen auf eine Expertin vier Experten. Etwas häufiger kamen Expertinnen in Talksendungen zu Wort, wobei auch hier auf eine Frau mehr als zwei Männer kamen (28% zu 72%).
  • Am häufigsten wurden Frauen als Expertinnen für die Bereiche Bildung (45%) und Soziales (31%)
    herangezogen.

... und Online

Auch in den Online-Auftritten von Printmedien waren Frauen deutlich seltener vertreten.

  • Insgesamt kamen in der Berichterstattung mit Corona-Bezug in den untersuchten Online-Medien rund 30 Prozent Frauen und 70 Prozent Männer vor.
  • Als Expertin wurden Frauen nur zu rund 7 Prozent in den Online-Berichten erwähnt. Als Forscherin kamen sie zu rund 5 Prozent vor. Als Virologin wurden sie zu 4 Prozent genannt.

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