Kasuistik
PrEP-User mit extrem resistenten Shigellen in München

28jähriger PrEP-User, Flugbegleiter, keine Erkrankungen, keine weiteren Medikamente, kommt wegen Durchfall-Erkrankung in die Sprechstunde.

AntibiotikaSHSO
AmpicillinR
Ampicillin/SulbactamR
PiperacillinR
Piperacillin/SulbactamR
Cefuroxim-
CeftriaxonR
CefotaximR
MeropenemS
CotrimoxazolR
AzithromycinR
GentamycinR
CiprofloxacinR
Azithromycin E-Test >246

Tab. Antibiogramm

16.2.2022 Er habe am Abend Austern gegessen, sein Partner hätte verzichtet, da sie „komisch“ schmecken würden. In der Nacht sei dann Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe wie Wasser aufgetreten. Im Stuhl kein Blut, kein Schleim. Gliederschmerzen, 38,5 C Fieber. Das Abdomen war außer leichter diffuser Druckdolenz und lebhaften Darmgeräuschen unauffällig. Unter der Verdachtsdiagnose „virale Gastroenteritis“ erhält der Patient eine Diätanleitung für Durchfallerkrankungen, eine Krankmeldung für drei Tage und ein Stuhlröhrchen mit der Aufforderung eine Probe abzugeben, falls sich keine Besserung einstellt.

17.2.2022 Stationäre Einweisung wegen Verschlechterung, Fieber 39 C, blutige massive Diarrhoe. Auf Nachfragen erzählt er, drei Tage zuvor in einer Münchner Sauna mit mehreren Partnern ungeschützten Sex gehabt zu haben.

In der Klinik erhält der Patient eine IV Behandlung mit PIP/TAZ. HIV und Lues wurden ausgeschlossen. Nach 4 Tagen Behandlung ohne relevante Besserung kam das Ergebnis der mikrobiologischen Stuhlprobe: Multiresistente Shigellen (siehe Tabelle). Der Patient wurde zwei Tage mit Meropenem IV behandelt, wobei sich die Diarrhoe deutlich besserte. Dann wurde ihm gesagt, die Behandlung sei beendet, es sei überhaupt kein Antibiotikum nötig und er wurde entlassen.

Therapie

Infektionen mit Shigella sonnei können hochakut beginnen und sehr infektiös sein. Meist führen sie jedoch zu eher leichten Durchfallerkrankungen. In diesen Fällen muss nicht antibiotisch behandelt werden. In Fällen einer schweren Shigellenruhr mit hohem Fieber und blutigen Diarrhoen, wenn eine antibiotische Therapie angezeigt ist, sollte diese Behandlung aufgrund der zunehmenden Resistenzproblematik nach Durchführung einer Resistenztestung erfolgen.

24.2.2022 Am Tag nach der Entlassung stellt sich der Patient erneut in der Praxis vor. Er habe 5 kg abgenommen, aktuell drei wässrige Stuhlgänge pro Stunde, kein Blut, aber Bauchkrämpfe. Meropenem habe geholfen und er wolle die Behandlung weiterführen.

25.2.2022 Beginn der Behandlung Ertapenem IV einmal täglich.

27.2.2022 Nachdem es zunächst unter Ertapenem zu einer deutlichen Besserung gekommen war, kam es erneut zu einer Verschlechterung mit 2-3 wässrigen (nicht blutigen) Stühlen pro Stunde. Ertapenem wurde abgesetzt und der Patient erhielt lediglich Glukose-Lösung IV.

7.3.2022 Der Patient berichtet eine leichte Besserung. Der Stuhlgang sei immer noch flüssig, aber die Frequenz etwas geringer. Er wird gebeten, eine Stuhlprobe abzugeben.

10.3.2022 Weitere Besserung, der Stuhl sei nun breiig. Die Stuhlprobe ergab „keine pathologischen Keime“, allerdings den Befund „keine normale Darmflora nachweisbar“. Dem Patienten wird daher geraten, Probiotika einzunehmen.

15.3.2022 Nahezu Normalisierung.



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