PrEP - viele Studien, aber noch keine endgültigen Ergebnisse

Montreal, 10. Februar 2009

Die biomedizinische Prävention mit Tenofovir allein oder in Kombination mit Emtricitabin oral oder als topisches Gel könnte die Prävention bereits in wenigen Jahren revolutionieren. Die ersten Ergebnisse einer ganzen Reihe von klinischen Studien werden Ende des Jahres erwartet.

Die Sicherheit von Tenofovir als Tablette einmal täglich zur HIV-Prävention wurde bereits vor wenigen Jahren in zwei afrikanischen Pilot-Studien geprüft. Die Patientenzahlen waren jedoch zu klein, um eine Aussage zur präventiven Effekt zu machen. Studien zur Wirksamkeit laufen jedoch bereits bzw. stehen schon am Start. An den Studien werden rund 20.000 Männer und Frauen teilnehmen. "Wir brauchen so viele Studien, denn jede Studie hat ein spezifisches Patientenprofil und eine andere Fragestellung und wir brauchen so viele Patienten, denn die Transmissionsraten werden angesichts des hohen Kondomgebrauchs in Studien mit intensiver Beratung vermutlich eher niedrig sein ", erklärte Sharon Hillier, Pennsylvania.

Laufende/geplante Studien mit oraler PrEP

  • 400 MSM in den USA (Tenofovir)
  • 2400 iv-Drogengebraucher in Thailand (Tenofovir)
  • 1200 heterosexuelle Frauen und Männer in Botswana (Tenofovir/Emtricitabin)
  • 3000 MSM mit hohem Risiko in 4 Kontinenten (TDF/FTC vs. Placebo)
  • Serodiskorante Paare (TDF vs. TDF/FTC vs. Placebo)
  • 3900 Frauen mit hohem Risiko im südlichen Afrika

Neues Konzept: Intermittierende PrEP

Tenofovir muss in den laufenden Studien einmal täglich eingenommen werden. Möglicherweise reicht auf eine Tablette in der Woche. Im Tierexperiment jedenfalls verminderte die intermittierende Applikation von Tenofovir/Emtricitabin alle 3 bzw. 7 Tage plus einmalige Applikation 2 Stunden nach der Exposition das HIV-Transmissionsrisiko drastisch.

Topisches Tenofovir

Noch einfacher und preisgünstiger ist sicherlich die Anwendung eines topischen Tenofovir-Gels kurz vor dem Verkehr. Das Gel hat den Vorteil einer deutlich höheren Medikamentenkonzentration im Genitalbereich und einer geringeren systemischen Belastung. Zudem kann es während der Schwangerschaft angewandt werden und es sind weniger Kontrollen notwendig.

Im Tierexperiment war dieser Ansatz sehr erfolgreich. Tenofovir (1%)-Gel oder Tenofovir/Emtricitabin (5%/1%)-Gel intravaginal 30 Minuten vor der Exposition schützte alle behandelten Affen vor HIV. "Überraschend für uns war, " meinte der Leiter der Arbeitsgruppe vom Center of Disease Control Walid Heneine, "dass Tenofovir allein genauso wirksam war wie das Kombinationsgel".

Die Proof-of-Concept-Studie CAPRISA-004 mit 1% Tenofovir-Gel läuft bereits und die VOICE-Studie, in der topisches und orales Tenofovir verglichen werden sollen, steht bereits am Start.



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